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Das jüdische Echo · 1917-07-20 · 29 (20.7.1917) · p. Seite 322

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
Seite 322 (sequence 6)
Language
German
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322 Das Jüdische Echo Nr. 29 Frauen, von denen einige Schneiderinnen sind, hat eine berufsmäßige Leitung unnötig gemacht. Die Mütterberatungsstelle (Montags von 5—6 Uhr) soll den Müttern in ihren Nöten aller Art zur Seite stehen und die Beziehungen zwischen dem Heim und ihnen festigen. Die ärztliche und Rechtsauskunftsstelle des Heims, die an mehreren Wochentagen ihr Amt ausüben, werden in letzter Zeit häufiger besucht. Die Helferschaft ist bestrebt, sich im Heim zu einer festen, durch Freundschaft verbundenen Gemeinschaft zusammenzuschließen, in welche der Helfende, nach zweimonatiger Tätigkeit als mitarbeitender Gast, aufgenommen werden kann. An jedem Donnerstag- und Sonntag-Abend versammelt sie sich im Heim, um ihre Erfahrungen auszutauschen, neue Anregungen zu geben und sich danach durch Vorträge und Kurse die für ihre erzieherischen Aufgaben erforderlichen Kenntnisse zu erwerben. Während im verflossenen Semester die soziale Ausbildung im Vordergrund stand, beschäftigt man sich im Winterhalbjahr besonders mit der jüdischen Kulturgeschichte und Religion. Zur pädagogischen Ausbildung studiert die Helferschaft zur Zeit in einem Kurse Fr. W. Försters Jugendlehre, da es an einem auf jüdischer Ethik aufgebauten pädagogischem Werke fehlt. An den Sonnabend- Abenden, die unter Leitung eines jungen Rabbiners der Bibellektüre, an die sich Erzählungen talmudischer Legenden anschließen, und der Diskussion jüdisch-religiöser Fragen gewidmet sind, besteht Gelegenheit, die im Förster-Seminar behandelten Erziehungsprobleme vom jüdisch-religiösen Standpunkte aus zu beleuchten. Es finden ferner Kurse in jüdischer Geschichte und in der hebräischen Sprache statt. Ein Kursus im Fröbeln hat im Wintersemester begonnen. Noch vor Eröffnung des Heimes hatten einzelne Helfergruppen Unterricht im Buchbinden, Tischlern, Gartenbau genommen. Folgende Vorträge wurden vor der Helferschaft und ihren Gästen gehalten: Martin Buber: Zwei Vorlesungen aus eigenen, z. T. ungedruckten Werken. Gustav Landauer: Eine Folge von 7 Abenden über Sozialismus, ferner zur Eröffnung des Volksheims Vortrag über Judentum und Sozialismus. Dr. Alfred Wolff: an 7 Abenden über Judentum und soziale Arbeit. Klaus Albrecht: Die skandinavischen Volkshochschulen. Siegfried Lehmann: Das Problem der jüdisch-religiösen Erziehung und Franz Werfel. Frau Boschwitz: Die jüdischen Feste und der Sabbath. Rechtsanwalt Mal Strauß: Achad Haam. Dr. N. Braun: an drei Abenden über den Prophetismus. Die Helferbibliothek besteht hauptsächlich aus Werken über die Judenfrage, sozialer Bewegung. Pädagogik usw. Die Helfer und Helferinnen sind sich wohl bewußt, daß eine jüdische Erziehung erst nach Sammlung gründlicher Kenntnisse des Judentums, seiner Literatur, seiner Religion und seiner Sprachen fruchtbar werden kann. Wenn sich bis heute die Helfer noch nicht in dem erwünschten Maße diesen Gebieten zuwenden konnten, so lag dies daran, daß im Anfang alle zur Verfügung stehenden Kräfte für den technischen Aufbau des Heims nötig waren. In diesem Semester wurde bereits vieles nachgeholt. Die jüdischen Volksheime sollen zur Erneuerung unseres Volkes beitragen. Noch bedeutet das Berliner Heim nur einen ganz kleinen Anfang; längst nicht alle Schwierigkeiten sind überwunden und alle Probleme gelöst. Wichtige, zur Idee der jüdisch-sozialen Siedelung gehörige Aufgaben, wie z. B. die Zusammenschließung der Nachbarn des Heimes zu Nachbarschaftsgilden — nach dem Vorbild der englischen „Neigbourhoodguilds“ — konnten noch nicht verwirklicht werden, weil uns der Kriegsdienst die meisten männlichen Helfer entzogen hat. Aus demselben Grunde konnte manches aus unserem Programm nicht vollständig erfüllt werden. Dennoch gibt es keinen unter uns, der sich nicht durch die bisherige Arbeit von der Notwendigkeit und Richtigkeit unsers Weges überzeugt hätte. Keinen, der nicht, angesichts der nicht zu verkennenden guten Einwirkung auf die Volksheimjugend durchdrungen wäre von der Größe der Aufgaben, die die jüdischen Siedlungen bei dem Wiederaufunseres Volkes zu leisten haben. Im Dezember 1916. Die Leitung des Jüdischen Volksheitns. Der Staafsrai und die Nationalitätenfrage in Polen. Von Dr. Noach P r i 1 u t z k y, Warschau. Als zwei — drei Herren, ohne auch nur den Vorstand der „Agudas Hoortodoxim“ anzufragen, dem Staatsrat eine Adresse im Namen dieser „Aguda“ übergaben und eine laue Antwort erhielten, schrieb die thora-treue Zeitung („Das jüdische Wort“) mit großer Bescheidenheit: „Es ist möglich, daß erst die späteren Generationen die historische Bedeutung der Tatsache werden richtig einzuschätzen vermögen, erst dann, wenn diese Tatsache die gehörigen Früchte gebracht haben wird.“ Wozu die „späteren Generationen“ abzuwarten? Es sind erst alles in allem zwei Monate verflossen seit es geschehen ist, und die „Früchte“ sind bereits da. Anfangs Mai hat der zeitweilige Staatsrat auf den Vorschlag der Regierung über Sicherung von Rechten den nationalen Minderheiten in Polen — speziell betreffs der Schulfrage — verhandelt, denn wie bekannt, wird geplant, das Schulwesen in die Hände des Staatsrates zu geben. „ESKR" I KLElhKÜNST- 1 VERSRMD I MÜNCHEN Promenadestraß 3 5 Russtellung aller Zweige | des Kleinkunst-Qewerbes

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