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Das jüdische Echo · 1917-07-20 · 29 (20.7.1917) · p. Seite 320

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 Das Jüdische Echo Nr. 29 keiten im Gebrauch der Werkzeuge und des Materials überwunden waren, sind die Knaben mit Lust und Liebe dabei, Bücher für die verschiedenen Bibliotheken des Heims einzubinden. Die Tischlerwerkstatt mußte vorläufig aus Mangel an einer geeigneten Lehrkraft geschlossen werden. Statt dessen werden Laubsägearbeiten ausgeführt. Um im nächsten Frühjahr mit einer Gartenbaugruppe zu beginnen, bereiteten sich einige Helferinnen für die Leitung dieser Gruppe vor. Nur selten kam es vor, daß ein Knabe wegen Unbefähigtheit vom Handwerksunterricht ausgeschlossen wurde. Die Knaben scheinen im allgemeinen weniger geeignet für viel Körperkraft erfordernde, grobe Arbeiten, als für eine Tätigkeit, für welche sie Überlegung und ihre Kombinationsgaben anzuwenden haben. Nicht unbedeutende Schwierigkeiten macht nach Abgang von der Schule das Finden einer geeigneten Lehrstelle, da die meisten Knaben dazu erzogen sind, am Sabbath nicht zu arbeiten. Die Knaben, die im Oktober die Schule und hiermit unsere Jugendwerkstätten verließen, haben dem Wunsche der Eltern entsprechende Lehrstellen im Handelsgewerbe gefunden. Die Mädchengruppen. Im Mai hatten wir bereits sechs Knabenkameradschaften gebildet. Ihre Schwestern, Mädchen aus der Nachbarschaft, baten gleichfalls um Aufnahme. Unsere Helferschaft hat zu unserer Freude Schritt gehalten mit der immer größer werdenden Kinderzahl, und im Juni konnten wir die erste Mädchengruppe einrichten; heute sind es drei mit je 12—15 Kindern. Ihre Form entspricht den Kameradschaften der Knaben. Noch mehr als diesen tut den Mädchen Pflege der Gegenseitigkeit, des Verantwortlichkeitsgeiiihls, der Freundschaft not. Die Widerstände sind hier stärker als bei den Knaben; sie fügen sich schwer in eine Gemeinschaft. Ihrem Hang nach Abwechslung und Vergnügen müssen wir heute noch stärker folgen, als es in unserem Willen lag. Langsam nur werden wir sie zur Konzentration und Treue den Menschen, Dingen und Gedanken gegenüber führen können. Aber in jeder Gruppe sind einzelne Mädchen, deren einfache und doch überkindliche Güte in der Kameradschaft zu wirken beginnt. Bei den jüngeren Mädchen wechseln Fröbel- und leichte Handarbeiten mit Tanz- und Singspielen und Märchenerzählen. Die größeren Mädchen haben an Stelle des Handwerks der Knaben Zeichenunterricht, lernen selbständig kleine Muster fiir Handarbeiten, einfache Kleider entwerfen und ausführen und pflegen die vielen Blumen des Heims. Sie halten gleich den Knaben ihre Sitzungen mit Rechtsprechung (zu der sie sich schlecht verstehen), Aussprachen, Lesen usw. und stehen Damenfriseur SPEZIAL-DAMEN-SALON NUR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN UND HERREN Parkhotel * Majc'miliansplaiz 21 FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz voll u, ganz angepaßt LUDWIG in herzlichem Verkehr mit den Helferinnen, auch außerhalb des Heims, die ihnen meist Freundinnen geworden sind und zu denen sie mit ihren Gedanken und Kümmernissen und Freuden kommen. Einige von den Mädchen verließen zum Schluß des Sommersemesters die Schule, wir konnten ihnen zur Erreichung geeigneter Lehrstellen behilflich sein. Der Mädchenbund. Die älteren Schwestern unserer Heimkinder, deren Freundinnen und Mädchen aus der Nachbarschaft unter Leitung von einigen Helferinnen haben sich in zwei Klubs zusammengeschlossen. Außer Freitag - Abend, den die Mädchen in der Familie verleben, kommen sie täglich ins Heim. Es sind Lehrmädchen, junge Lageristinnen, Verkäuferinnen, Näherinnen, einige Kontoristinnen, die nach langem Tagwerk Erfrischung und Anregung suchen. An einem Abend der Woche wird jegliche Art von Näh- und Handarbet gepflegt; es wird geschneidert, gestickt, gehäkelt, geklöppelt, gezeichnet — zumeist für den eigenen Gebrauch; einfache, schöne zweckmäßige Dinge mit geringen Mitteln lernen sie arbeiten. Hier und da helfen sie mit an der Ausschmückung des Heims, das ihnen Mittelpunkt des Lebens geworden ist. Allwöchentlich tritt einmal der Mädchenchor zusammen. An den Heimabenden (Kameradschaftssitzungen) werden nach Besprechung des Wochenprogramms im Interessenkreise der Mädchen liegende Themata behandelt (von den Pflichten gegenüber der Familie, die jüdische Frau, vom Wandern usw.). Es wird musiziert und gelesen, mit Vorliebe jüdische Legenden; manchmal erzählen sie die Mädchen selbst, wie sie sie zu Hause am Freitag-Abend gehört haben. Anfänglich bekannten sie zögernd ihr Vertrautsein mit der ostjüdischen Kultur; heute bringen sie ihre jüdischen Lieder und Erzählungen ihrem Klub freudig dar. Ihrer kleinen Bibliothek — schöngeistigen und belehrenden Inhalts — suchen sie hauptsächlich Bücher aus der jüdischen Literatur einzufügen. Am Sonnabend wurde in den Sommermonaten nur gelesen, während im Wintersemester beide Mädchenklubs dem Vortrag für die Helferschaft über jüdische Geschichte beiwohnen und danach einen jüdisch-biblischen Leseabend haben. Ein Kursus in der hebräischen Sprache wurde begonnen. Allgemeine, für alle Kameradschaften geltende Einrichtungen. Sport- und Schwimm-Nachmittage unter Leitung von Helfern und Helferinnen sorgen für die körperliche Ausbildung der Kinder. Wanderungen und Ferienfahrten: Eine wesentliche Rolle im Leben d£r Kameradschaften spielen die Sonntags- und Ferienwanderungen. Es ist wohl unnötig, hier die erzieherische Bedeutung des Wanderns für die der Natur völlig entfremdete jüdische Jugend hervorzuheben. Die Tatsache, daß ein zwölfjähriger Knabe bei einer Abendwanderung staunend die in glühenden Farben untergehende Sonne betrachtete und erregt fragte, was das sei, und ferner, daß von 10 Kindern 8 noch niemals eine Windmühle gesehen hatten, beleuchten hinreichend die Verhältnisse, unter denen die jüdische Proletarierjugend aufwächst. Da erfahrungsgemäß die Lösung der Jugend von der dumpfen Unjugendlichkeit und dem Einfluß der utilaristischen Umgebung viel Zeit erfordert, geht unser Bestreben dahin, in möglichst \

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