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Das jüdische Echo · 1917-07-20 · 29 (20.7.1917) · p. Seite 319

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 29 319 Das Jüdische Echo loquium“, in welchem Vorlesen indischer Sagen, Fragen und Erzählungen der Kinder und das Besprechen geschichtlicher oder heutiger Begebenheiten abwechselten. Fröbeln (Eiecht-, Papp- und Tonarbeiten) sowie Zeichnen bereiten die künftige, in den Gruppen der älteren Knaben betriebene handwerkliche Beschäftigung vor. Ausdauer und Sauberkeit bei wachsender Geschicklichkeit und Übung der sehr regen Phantasie werden erreicht. Mit den Handfertigkeiten wechseln gesellige Spiele. Kameradschaft der älteren Knaben (12—15 Jahre alt). In den drei Klubs der älteren Knaben wurde der Versuch gemacht, nach dem Vorbild der amerikanischen Jugendklubs die weitgehendste Selbstverwaltung einzuführen. Die Knaben wählen sich ihren Präsidenten, ihren Schriftführer und Kassenwart. Diese Methode, die Knaben selbst von früh an für das Wohlergehen einer Gemeinschaft verantwortlich zu machen, scheint uns besonders geeignet für die Teile der jüdischen Jugend, *mit denen wir es zu tun haben. Während z. B. in den amerikanischen Großstädten, wie Kenner der amerikanischen Settlements berichten, die Lust am Abenteuer und am Kriegsspiel die Knaben auf der Straße zu einer Art Bande zusammenschließen läßt und das Settlement einer solchen Gemeinschaft nur einen älteren Berater (adviser) und einen Klubraum zur Verfügung zu stellen braucht, steht das jüdische Settlement anderen Bedingungen gegenüber. Unter der jüdischen Proletaricrjugend in Berlin scheint weniger die E"reude am Abenteuer und am Kriegsspiel, die zur Organisierung von Gemeinschaften führt, zu dominieren, als die Freude am Gelderwerb, sei es durch Spiel oder durch Verdienst; dieses Streben aber fördert nicht den Gemeinschaftsgeist, sondern führt im Gegenteil, zur Entwicklung asozialer Tendenzen unter der Jugend. Es ist daher selbstverständlich, daß die Leiter in der ersten Zeit große Mühe hatten, einen Gemeinschaftsgeist zu schaffen. Wenn wir heute auf recht gute Erfolge in dieser Beziehung zurückblicken können, so verdanken wir diese neben der Wirkung der Selbstregierung besonders dem Einflüsse der Sonntagswanderungen und Eerienfahrten, bei denen immer Gelegenheit ist, den Schwächeren zu unterstützen und für die Gemeinschaft zu sorgen. Das Leben in den Kameradschaften der älteren Knaben gestaltet sich folgendermaßen. K a m e r a d s c h a f t s s i t z u n g : An einem oder zwei Nachmittagen in der Woche versammmeln sich die Mitglieder unter Leitung eines Helfers, um zuerst die interneren Angelegenheiten der Kameradschaft (Aufnahme neuer Mitglieder, Rechtsprechung, Vorschläge zum Wochenprogramm usw.) zu erledigen. Die Rechtsprechung und Verurteilung eines meist der Unkameradschaftliclikeit angeklagten Kameraden erfolgt durch die 3 Vorsitzenden, denen der Leiter beratend zur Seite steht. Der Angeklagte wählt sich bei dem Verfahren, welches meist mit starker Gerechtigkeitsliebe gehandhabt wird, seinen besten Freund zum Verteidiger. Alsdann wird ein Thema diskutiert oder gemeinsam gelesen. Im verflossenen Halbjahr schilderte einmal ein Leiter seine Reise durch den Orient und versuchte an Hand von Abbildungen ein möglichst lebendiges Bild der fremden Kultur zu vermitteln. An anderen Nachmittagen erzählten einige Knaben von ihrer galizischen Heimat und ihren Erlebnissen während des Krieges, woran sich Diskus- Die Notleidenden ln Palästina! Um die Not unserer Brüder und Schwestern in Palästina zu lindern, hat sich eine Schar junger Leute in München für unsere Sammelarbeit zur Verfügung gestellt. Die Arbeit der ersten Tage hat bereits erfreuliche Ergebnisse gezeitigt, wie der auf der 3. Umschlagseite veröffentlichte Spendenausweis zeigt. Auch aus Würzburg und Gunzenhausen werden erfreuliche Erfolge gemeldet. Weitere dringende Hilfe tut not! Spenden aus Bayern sind zu richten an das Bankhaus J. L. Feuchtwanger. München (Postscheckkonto 552). sionen über das Schicksal der Juden im Weltkriege schlossen. Zu unserer Freude konnten auch ethische Fragen unter großem Interesse der Knaben besprochen werden. Z. B.: Was ist ein anständiger Kerl? (Es hat sich daraufhin später die Abkürzung A. K. — anständiger Kerl — eingebürgert und wird bei der Beurteilung einer Handlung oder eines Kameraden in demselben Sinne gebraucht wie in Amerika das vielsagende gentlemanlike). Ferner: Wer verdient den Namen Jude? Legenden aus der jüdischen Geschichte oder Erzählungen moderner jüdischer Dichter boten Veranlassung zu Erörterungen. Auch naturwissenschaftliche Themata (Biologie und Himmelskunde) wurden besprochen. In letzter Zeit wurde auf Wunsch der Knaben mit dem Unterricht im Hebräischen begonnen. Selbstverständlich ist die Aufgabe des Leiters mit der Leitung der Kameradschaftssitzung nicht erledigt, sondern auch unabhängig vom Heim, durch Besuche im Hause, durch Spaziergänge, Museumsbesuche usw. sucht der Leiter die Freundschaft mit den Knaben, für die er sich verantwortlich fühlt, zu befestigen. Werkstatt. Es wurde im vergangenen Jahr mit dem Unterricht im Tischlern, Metallarbeiten und Buchbinden je zweimal wöchentlich begonnen. Dieser Werkstatt-Unterricht soll in der jüdischen Jugend von früh an die Liebe zum Handwerk, die Freude an der körperlichen Arbeit wecken und der sich immer mehr ausbreitenden Entwicklung zum Handels- und Vermittlertum entgegenwirken. Auch als erzieherischer Faktor in ethisch-sozialer Beziehung (Solidität der Arbeit, Arbeitsteilung) ist die handwerkliche Betätigung der Kinder von Bedeutung. In der Werkstatt für M e t a 111 r e i b e n und Ziselieren, in der von einem Fachmann Unterricht erteilt wird, sind 6 Knaben im Alter von 12—15 Jahren beschäftigt. Die Kinder begannen mit Zeichnen für Metall und selbständigem Entwerfen. Seit einiger Zeit sind sie mit Freude und Fleiß bei der Metallausführung der von ihnen gemachten Entwürfe. Wir sind darauf bedacht, den Knaben die Lehrzeit beim späteren Eintritt in eine Fabrik oder Werkstatt zu erleichtern bezw. zu verkürzen. Der Unterricht im Buchbinden wird 6 Knaben im Alter von 11—13 Jahren erteilt und umfaßt die Einführung in Entstehung und Zusammensetzung des Buches und die Herstellung einfacher, solider Einbände. Nachdem die ersten Schwierig-

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