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Das jüdische Echo · 1917-07-20 · 29 (20.7.1917) · p. Seite 318

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
29 (20.7.1917)
Date
1917-07-20
Page
Seite 318 (sequence 2)
Language
German
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318 Das Jüdische Echo Nr. 29 in B e r 1 i n da — vielleicht das erfreulichste Werk, das die Juden unserer Zeit vollbracht haben. Was das Volksheim will und tut. ist so bedeutsam für die Zukunft der jüdischen Arbeit, ein so erfreuliches Beispiel, was geleistet werden kann, wenn nur der gute Wille zum Leisten vorhanden ist, daß wir den kürzlich veröffentlichten Jahresbericht des Volksheimes im vollen Wortlaut wiedergeben. Wenn der Wille zu ähnlichen Schöpfungen in den jungen Juden anderer Städte Deutschlands und außerhalb Deutschlands erwacht sein wird, dann wird man wirklich schon mit einer neuen Phase der jüdischen Entwicklung in der Diaspora rechnen dürfen. Erster Bericht des Jüdischen Volksheims Berlin. (Mai — Dezember 1916.) Am 18. Mai 1916 wurde das Jüdische Volksheim eröffnet. Mit dieser Gründung ist von Studenten, jungen Kaufleuten und Frauen der Versuch gemacht worden, ein in England und Amerika erprobtes System der Volkserziehung auf das jüdische Proletariat, womit wir die unter wirtschaftlich schlechten Bedingungen lebenden Schichten der Judenschaft meinen, zu übertragen. Es galt den Aufbau und Charakter dieses Siedlungsheimes dem Wesen des jüdischen Menschen anzupassen. In Anlehnung an das Settlementssystem hat sich das jüdische Volksheim neben allgemeinen sozialen Hilfeleistungen in gesundheitlicher und wirtschaftlicher Beziehung die Aufgabe gestellt, die Kinder und jungen Leute der in der Gegend des Heimes gelegenen, meist von ostjüdischen Einwandererfamilien bevölkerten Straßen in Gemeinschaften (Kindergarten, Jugendkameradschaften, Klubs) zusammenzuschließen, um durch geeignete Führung einen kulturellen Einfluß auf die heranwachsende Generation zu gewinnen. Diese Beeinflussung von seiten Fremder kann dadurch wirksam werden, daß der Helfende seine soziale Arbeit nicht an einigen Dienststunden in der Woche erledigt — für einige Stunden aus seiner Welt in die ihm fremde Welt hineingehend —, sondern daß er mit denjenigen, denen geholfen werden soll, in der gleichen Straße oder im Heim zusammen lebt und so gleichzeitig tiefer in das Milieu des jüdischen Proletariats, in sein Wesen und seine Bedürfnisse einzudringen sucht, ohne dessen Kenntnis eine Jugenderziehung nicht denkbar ist. Da in dieser Hinsicht der vollkommenen Verwirklichung durch den Kriegszustand Schwierigkeiten im Wege stehen — nur dreien unserer Helfer war es möglich, im Heim bezw. in der Nachbarschaft Wohnung zu nehmen — wird dieser von der Idee des Settlements nicht zu trennende Gedanke seine völlige Erfüllung erst in Friedenszeiten erfahren. Wir legten im verflossenen Halbjahr besonderen Wert auf die Beschäftigung mit den Jugendlichen unseren Viertels, weil diese natürlich der erzieherischen Beeinflussung am ehesten zugänglich sind, und konnten der erschwerten Verhältnisse wegen bisher mit der älteren Generation nur bei gelegentlichen Hausbesuchen, bei unseren Volksunterhaltungen und Mütterabenden in nähere Berührung kommen. Von wesentlicher Bedeutung wird unsere Erziehungsarbeit nur dann sein können, wenn das Volksheim auch nach dem Abgang der Kinder von der Schule ein Lebenszentrum für die jungen Menschen bleibt (und lim 'entscheidenden AlUer durch Beratung und Hilfe bei der Berufswahl, durch Einrichtung von Lehrlings- (Lehrmädchen-) Klubs oder Klubs junger Kaufleute oder Handwerker usw. das Leben der jungen Menschen noch weiterhin mit dem Heim verknüpft bleibt. Ein Tag im Jüdischen Volksheim ist folgendermaßen ausgefüllt: Am Vormittag: Kinderspielstunden. Am Nachmittag: Knaben- und Mädchenkameradschaften. Am Abend: Klub junger Mädchen. — Lehrlingsklubs (die sich aus den jetzt aus der Schule gekommenen Knaben der ersten Kameradschaft und jungen Leuten aus der Nachbarschaft bilden). — Klub junger Leute (in der Bildung begriffen). ■ Allwöchentlich vereint ein Abend die Mütter unserer Heimkinder beim Tee, Nähen, einem Vortrag oder einer Aussprache. Ferner dient das Heim, besonders an den Abenden, als Klub oder Vorlesungslokal. Einige Räume sind für den Abend an den Jüdischen Literarischen Verein Perez vermietet, der als in sich geschlossener Verein, unabhängig vom Volksheim, einen großen Teil der in Berlin wohnenden ostjüdischen Arbeiterschaft umfaßt. Eine ärztliche und eine juristische Auskunftsstelle, ferner eine MütterberatungssteUe steht an verschiedenen Tagen der Nachbarschaft im Heim zur Verfügung. Die Räumlichkeiten des Volksheims mußten schon im ersten Semester erweitert werden und bestehen heute aus 15 Zimmern, einem Bade und einer Werkstatt. Die Besucher des Volksheims (etwa 25 Kinder in der Spielstube, etwa 120 Knaben und Mädchen in den Kameradschaften, etwa 60 Mitglieder in den Abendklubs), sind in der großen Mehrzahl — viele erst vor kurzer Zeit — aus dem Osten eingewandert. Dem Beruf nach gehören die Eltern meist dem Kleinhandelsstande an. Im nachstehenden werden die Tät’igkeitszweige des Heims an der Hand der von den Leitern und Leiterinnen der einzelnen Arbeitsgemeinschaften gesammelten Erfahrungen dargestellt. Die Kinderspielstunden, die vorläufig 26 Kinder (3—6 Jahre alt) an den Vormittagen besuchen, werden von einer jungen palästinensischen Kindergärtnerin geleitet. Die Kinder werden mit leichten Fröbel-Arbeiten und -Spielen beschäftigt; große Freude machen ihnen die hebräischen Kinderlieder und Tanzspiele. An schönen Sommertagen zog die Helferin mit ihnen auf die Spielwiese in Treptow. Die Kinder werden regelmäßig von einer Medizinerin auf ihren Gesundheitszustand untersucht, auf deren Anraten hygienische Maßnahmen nach Möglichkeit durchgeführt und auch im Elternhause angestrebt werden. Bei den drei jüngeren Knabengruppen mit je 10—15 Jungens (6—11 jährig) versuchen die Leiter bereits den Kameradschaftsgeist zu wecken, wie er in den älteren Gruppen zur besonderen Pflege gelangt. Deshalb halten auch schon die 11jährigen Knaben unter dem Vorsitz des Leiters kleine klubmäßige Zusammenkünfte ab, in denen die inneren Angelegenheiten (Neuaufnahmen und Ausscheiden von Teilnehmern, Arbeits- und Wanderplan usw.) der Gruppe besprochen und beschlossen werden. Andere Tage sind dem Lesen und Erzählen von Märchen, Sagen und Erlebnissen gewidmet. Der Sabbath gilt dem Jüdischen, und es ergab sich fast stets eine Art „Kol-

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