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Das jüdische Echo · 1917-07-13 · 28 (13.7.1917) · p. Seite 313

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
28 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
Seite 313 (sequence 5)
Language
German
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Die Bourgeosie werde ihre Kinder weder in die hebräische noch in die jüdische Schule schicken. Wenn man von einer staatsrechtlichen Schule spreche, könne nur von einer polnischen oder jüdischen Schule die Rede sein. Nach außen könne die Frage „Jüdisch oder Hebräisch“ nicht gestellt werden. Wer aber die Möglichkeit der Durchführung einer jüdischen Schule bestreite, der hätte von vornherein der hebräischen Schule das Todesurteil gesprochen. Wären die Zionisten keine Gegner des Jüdischen, müßten sie sich mit den Jiidischisten einigen. Herr Schalkowitz reichte dein Vorsitzenden eine schriftliche Erklärung ein, daß er in der Sprachenfrage in seinem eigenen Namen und nicht im Namen der zionistischen Vereinigung aufgetreten sei. Nachdem u. a. noch Herr Birnbaum gesprochen hatte, schloß Stupnitzki die Versammlung mit dem Aufruf an alle Beteiligten, sich dem Verein als Mitglieder anzuschließen. In einer später stattgefundenen Mitgliederversammlung des Vereins wurde die Wahl der Verwaltung vollzogen. Welt-Echo Der Bürgermeister von Laurahütte. Ein interessanter kommunalpolitiischer Prozeß gelangte dieser Tage in Laurahiitte zur Verhandlung. Der jüdische Geschäftsinhaber Tichauer und seine Ehefrau waren von;dern Bürgfeirmeistelr von Laurahütte vor das Forum des Kattowitzer Schöffengerichts zitiert worden, um sich wegen öffentlicher Beleidigung des Gemeindeoberhauptes, des Bürgermeisters Schröter, zu verantworten. Nicht weniger als 33 Zeugen waren aufgeboten worden, die Anklage gegen Tichauer zu erhärten. Die Angeklagten sollten böswilliger Weise das „Gerücht“ verbreitet haben, daß der Bürgermeister bei der; Verteilung von Lebensmitteln, die ihm politisch und persönlich nahestehenden Kaufleute seiner Gemeinde besonders bevorzuge und zwar zum Nachteile der jüdischen Geschäftsleute, weil er ausgesprochener Antisemit sei. Trotz des großen Zeugenapparates fiel das Urteil wenig zur Befriedigung des Bürgermeisters aus. Das Gericht erkannte den Wahrheitsbeweis als in allen Teilen erbracht an, und verurteilte die Angeklagten, lediglich wegen formaler Beleidigung zu geringfügigen Geldstrafen. Die Bevölkerung von Laurahiitte fragt sich mm, ob die gerichtliche Beglaubigung des antisemitischen Vorgehens des Bürgermeisters irgendwelche Folgen für diesen haben wird . . . Hermann Cohen 75 Jahre alt. Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen, der berühmte Kantforscher und idealistische Philosoph, vollendete am 4. Juli sein 75. Lebensjahr. Der Sohn eines jüdischen Gemeindelehrers in Coswig an der Elbe, wurde Cohen von seinem Vater früh in das Studium des Talmud und der jüdischen Religionsphilosophen des Mittelalters eingeführt, während er zugleich die Stadtschule seiner Vaterstadt und später das Dessauer Gymnasium besuchte, Mit 15 Jahren wurde er Zögling des Jüdisch-Theologischen Seminars in Breslau, wo ihm Graetz, Joel und Bernays nachhaltige Anregungen boten. Von 1864 ab setzte er seine Studien in Berlin fort, wo er sich besonders an den Sprachforscher und Psychologen H. Steinthal anschloß. Seine Studien galten damals besonders der griechischen Philosophie. Nachdem er 1865;in Halle mit einer lateinischen Abhandlung über Aristoteles’ Lehre vom Zufall promoviert hatte, privatisierte er einige Jahre hindurch in Halle und Berlin und vertiefe sein Wissen namentlich auf den Gebieten der Naturwissenschaften und der höheren Mathematik. Im Jahre 1871 veröffentlichte er sein erstes größeres Werk „Kants Theorie der Erfahrung“. Es erregte die Aufmerksamkeit Friedrich Albert Langes, der seitdem den Arbeiten des jüngeren Fachgenossen die lebhafteste Teilnahme entgegenbrachte und ihn zur Habilitation in Marburg anregte, wo er selbst damals als Ordinarius wirkte. Nach Langes frühem Tode (1875) wurde er auf einmütigen Vorschlag der Fakultät vom Minister Dr. Falk zu dessen Nachfolger berufen. Der hessischen Universitätsstadt ist Cohen von da ab dauernd treu geblieben. Eine Reihe tüchtiger Denker, wie Rudolf Stammler, Karl Vorländer, W. Kinkel, Ernst Cassirer u. a. bekennen sich als seine Schüler. Im Herbst 1912 zog sich Cohen von seinem Lehramt zurück und siedelte nach Berlin über, wo er seitdem an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums Vorlesungen und Übungen über ältere und neuere Philosophie (Plato. Descartes), jüdische Religionsphilosophie, Ethik und verwandte Themata hält. Nach Kriegsausbruch stellte er daneben seine Lehrkraft zeitweise wieder der Marburger Universität zur Verfügung. Das Verordnungsblatt für das Generalgouvernement Warschau Nr. 78 vom 20. Juni veröffentlicht die Wahlordnung zur Verordnung betr. die Organisation der jüdischen Religionsgesellschaft im Generalgouvernement Warschau. Die poalezionistäsche Partei auf der Stockholmer Friedenskonferenz. Das Mitglied des Verbandsbureaus des jüdisch-sozialistischen Verbandes „Poalei-Zion“ Herr Leon Chassanowitz hat sich aus dem Haag, wo das Verbandsbureau seit Kriegsbeginn seinen Sitz hat, auf Einladung des holländisch-skandinavischen Komitees nach Stockholm begeben, um den Standpunkt der Poalei- Zionisten in der Judenfrage auseinanderzusetzen. Ein jüdischer Kongreß in England. Laut Beschluß des Councils der Foederation der englilischen Zionisten, wird die englische Organisation 1 tKgf. föayer. m c?orzeffan* I 1 TJlanufaßtur ‘Hympßenburg I Dfauptniederlage ffllßncßen: Odeonsplag 1 || •g GCunsta. ßuxusg egenstände, ‘Cafel‘Dessert*, ’Ä 3laffeeu. 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