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Das jüdische Echo · 1917-07-13 · 28 (13.7.1917) · p. Seite 312

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
28 (13.7.1917)
Date
1917-07-13
Page
Seite 312 (sequence 4)
Language
German
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312 Das Jüdische Echo Nr. 28 glied aufnehmen müsse, der sich nicht offiziell vom Judentum losgesagt hat. Eine Debatte rief die Frage der Zulassung der Renegaten zur Gemeindewahl hervor. Der Referent bezeichnete die Renegaten als aus der jüdischen Gemeinschaft Ausgeschiedene und sprach ihnen daher das Recht ab, in der Gemeinde zu verbleiben. Die Vertreter der S. S. und des „Bundes“ beantragten dagegen die Zulassung der Renegaten, falls sie sich als Mitglieder der jüdischen Nation bezeichnen wollen. Einen ähnlichen Standpunkt vertrat auch S. Niger, der zwar nicht allen Renegaten, aber denen, die aus rein religiöser Überzeugung ihre Konfession geändert haben und dabei ihre Zugehörigkeit zur jüdischen Nationalität bewahren wollen, das Recht zu gewähren beantragt, in der Gemeinde zu bleiben. Diese Verteidigung der Renegaten rief die Entrüstung der anderen Teilnehmer hervor. Gegen die Behauptung des Vertreters der S. S„ die Zulassung der Renegaten sei. eine logische Folge des nationalen Charakters der Gemeinde, trat schroff der ehemalige Führer der S. S., Bartholdi (Laazki), auf, der vor kurzem aus dieser Partei ausgeschieden ist und sich der demokratischen Vereinigung angeschlossen hat. Mit einer überwiegenden Mehrheit wurde die von den Zionisten vorgeschlagene Resolution angenommen, die die Zulassung der Renegaten in die Gemeinde ablehnt. Dieselbe Frage erregte die Gemüter auch auf der Sitzung einer ähnlichen Gemeindekommission in Moskau. Auch dort waren es die Vertreter des „Bundes“ und der S. S., die als Garantie für den unkonfessionellen Charakter der Gemeinde die Zulassung der Renegaten verlangten. Ebenso wie in Petersburg gelang es ihnen auch in Moskau nicht, ihre Forderung durchzusetzen. Selbst die Vereinigung der sozialistischen Parteien wollte diese Forderung nicht verteidigen. Der Vertreter der Poale-Zion und der Vertreter der Sejmisten schlossen sich den anderen jüdischen Parteien an und mit einer überwiegenden Mehrheit wurde eine Resolution gefaßt, die der Petersburger analog ist. Vom neuen jüdischen Schulverein in Polen. Unter Beteiligung einer großen Anzahl der jüdisch-nationalen Intelligenz und fast aller besseren hebräischen und jüdischen Lehrer in Warschau fand vor' kurzem die Gründungsversammlung des jüdischen Schulvereins im Lokal „Hasomir“ statt. In der Eröffnungsrede führte Herr Gilinski, einer der Initiatoren des Unternehmens, aus, daß der Plan zur Gründung eines solchen Vereins B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos. schon bei der Okkupation Polens durch die Deutschen entstand, da die politischen Bedingungen seine Ausführung ermöglichten. Es war zuerst der Lehrerverein, der eine Petition mit 30 000 Unterschriften zur Gründung eines Schulvereins der Behörde unterbreitete. Inzwischen wurde eine Organisations-Kommission gegründet, die nach einer Vereinigung aller jüdischen Parteien in der Schulfrage strebte und der es endlich gelang, diesen Verein zu gründen. Der Vorsitzende der Versammlungg, Herr Stupnizki, stellt den Antrag, daß auf der Versammlung nur Organisationsfragen und keine Grundprinzipien des jüdischen Schulwesens erörtert werden sollen. Nachdem viele sich gegen diesen Antrag äußerten, wurde er zur Abstimmung gestellt und durch die Mehrzahl abgelehnt. Herr Schalkowitz beanstandete den ersten Punkt der Vereinsstatuten, in dem es heißt, daß der jüdische Schul- und Volksbildungsverein es sich zur Aufgabe machte, das jüdische Schul- und Volksbildungswesen auf der Grundlage der jüdischen Sprache zu entwickeln; denn damit hätte der Verein den jüdischistischen, eng-parteiischen Charakter angenommen. Einen solchen Schultypus gäbe es bisher noch nicht bei den Juden. Zuerst gab es Chedarim, in den letzten 20 Jahren entstanden Reformschulen, Fröbelschulen, zum Teil mit Hebräisch als Unterrichtssprache. Man müsse daher vor der Gründung solcher Schulen die öffentliche Meinung befragen, ob jüdisch als Unterrichtssprache allgemein gewünscht würde. Die Herren Kahn. Gilinski und Sußmann antworteten hierauf, daß der neugegründete Verein keinen Schulrat bilde, sondern die Vertretung des jüdischen Schulwesens nach Außen hin bezwecke. Der Verein wäre demnach kein pädagogischer, sondern ein politischer Verein, und seine Hauptaufgabe wäre, sich jüdische Volksschulen mit Staatsrechten auf städtische Kosten zu erkämpfen. Für hebräische Schulen könne man sich keine behördlichen Privilegien erwerben, und eine hebräische Schule zu fordern, hieße, die polnische Sprache in den jüdischen Schulen einzuführen. Herr Schalkowitz erwiderte, daß nationale Rechte 'nicht immer; auf Grund einer eigenen Sprache gefordert würden, z. B. im Falle der Irländer, und daß die Güter des Vereins, bezw. die jüdischistische Partei, in Bezug auf die Hebraisten die gleiche Ungerechtigkeit begehen, wie die Polen gegenüber den Juden, die. sich auf ihre Mehrheit stützend, die Juden zwingen wollten, die polnische Sprache in den Schulen anzunehmen. Man dürfe nicht vergessen, daß ein großer Teil des jüdischen Volkes die hebräische Sprache liebgewonnen habe und danach strebe, sie zu einer lebendigen Sprache zu machen. Niemand könne die historischen Rechte der Juden auf die hebräische Sprache in Abrede stellen. Schalkowitz endigte seine Rede mit einem Aufruf an die Gründer des Vereins, das Recht auf die hebräische Sprache nicht zu vergewaltigen und den Verein so zu gestalten, daß er alle jüdischen Schichten und Klassen in sich aufnehmen und befriedigen könne. Im gleichen Sinne sprach auch Herr Weinberg. Den größten Beifall der Versammlung erregte die versöhnliche Rede des Herrn Nomberg, der u. a. ausführte, daß es im politischen und gesellschaftlichen Leben kein Gebiet gäbe, auf dem sich alle Parteien so leicht einigen könnten, wie auf dem Gebiete des Schulwesens. Wo es sich um die Seele des Kindes handle, da müßten alle Par-

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