Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1917-07-06 · 27 (6.7.1917) · p. Seite 307

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
27 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 307 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102967-9138188--01553-9074377
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 27 Das Jüdische Echo 307 '“'•»äsest bt verbrachte ny. Am Rb 's Qemach kc ^lrnon, du we verpflichtet s «eit uns zu esunder Mei verboten ha 1 Tast nicht werde.“ es tun. der Rabl;t du ja oh h dir scho :ns kam l;ht etwas nach dei er ihn j( Nathan am Aber äschen j len und ich riitt le: „Na ab, wir du ’ i auch Fällst sind die Leibdiener und Verwalter der chassidischen Rabbis), er komme von Przemyslany mit einer Botschaft von Rabbi Meier an Rabbi Israel. Das erschien ihnen höchst willkommen, denn der Rishiner war seit einigen Tagen sehr traurig gestimmt, weil man gerade beim Ministerium in Wien verhandelte, ob er nach Rußland ausgeliefert werden solle, und sie wußten, daß ihm eine Botschaft von dem immer freudigen und heiteren Przemyslaner Freude bereiten werde. Sie führten daher den Mann zum Rabbi und blieben im Gemache, um die Botschaft zu hören. Der Mann begann: „Mein Herr Rabbi Meier von Przemyslany schickt mich zu euch, daß ihr mich mit Nachkommenschaft segnet. Als Zeichen schickt er euch eine Semmel von seinen 12 Semmeln. Mein Herr gab mir noch ein Zeichen mit, euch zu sagen: ihr geht auf der Reichsstraße, er auf dem Landweg, doch trefft ihr an einem Orte zusammen. Als weiteres Zeichen habe, ich das Lied „Dieser Tag ist ehrwürdiger als alle anderen Tage“, das anzustimmen mir mein Rabbi befahl“. Und er begann den Sabbath-Hymnus zu singen. Der Rishiner lachte und mit ihm die Umstehenden. Dann sagte der Rabbi: „Meint ihr, ich weiß nicht, was er von mir will? Fahrt nach Hause, denn ihr seid schon gesegnet, und ihr werdet Kinder und alles Gute euer Lebenlang haben.“ An diesem Tage entschied der Verwaltungsgerichtshof, daß der Rishiner österreichischer Staatsbürger sei, daher nicht nach Rußland ausgeliefert werden müsse. Es war tatsächlich ein ehrwürdiger Tag für alle Chassidim. Die Vergebung. An einem Versöhnungstage waren viele vornehme und gelehrte Leute im Bethause des Rabbi Meier versammelt. Er aber kam nicht, und die Menge war darüber sehr ungehalten, da die Zeit des Kolnidregebets heranrückte. Ziemlich spät erschien der Rabbi, stellte sich auf die Türschwelle und schrie mit entsetzlicher Stimme: „Ihr habt euch alle versammelt in der Meinung, Meier werde Kolnidre sagen. Aber wenn ihr auch bis morgen steht und harret, Meier wird nicht Kolnidre sagen.“ Er stand noch eine gute Weile bei der Tür, sah sich die Menge an und sagte: „Unsere Weisen sprachen: die Sünden, die der Mensch gegen Gott begeht, sühnt der Versöhnungstag, doch die Sünden die man gegen den Nächsten begeht, sühnt der Versöhnungstag nicht, wenn nicht der Benachteiligte selbst verziehen hat. Darum will Meier, daß ihr einander verzeiht.“ Da rief die ganze Gemeinde weinend: „Wir verzeihen einander.“ Der Rabbi aber rührte sich noch immer nicht von der Schwelle und sprach: „Ihr meint, daß Ihr mich täuschen könnt: jetzt verzeiht ihr einander, aber nach dem heiligen Tag werdet ihr wieder zu eurem Hader, bösen Reden, grundlosem Haß usw. zurückkehren, und‘werdet dem armen Schuldner Kleid und Kissen wegnehmen. Wenn ein Mann in der Lage ist, seine Schulden zu bezahlen, und nur augenblicklich kein Geld hat, dem soll man die Zahlungsfrist hinausschieben, wenn aber jemand überhaupt kein Geld hat, warum wollt ihr seine Seele bedrücken?“ Es waren dort einige Reiche aus Lemberg, die begriffen, daß die Worte an sie gerichtet waren, daher traten sie an den Rabbi heran und sprachen: „Wir werden die Worte des heiligen Rabbi befolgen.“ Darauf schritt der Rabbi von der Schwelle zum Gebetpult und sprach: „Herr der Welt! Die Juden sagen: Wir haben gesündigt und werden künftig nicht mehr so handeln. Du glaubst ihnen und verzeihst ihnen. Also muß auch ich ihnen glauben. Aber ihr Juden wisset, wer meine Worte befolgt, der wird ein gesegnetes Jahr haben, wer sie aber nicht befolgt, der wird seine Strafe erleiden.“ Der Wohnungswechsel. Rabbi Chaim von Sandec reiste nach Przemyllany um Rabbi Meier kennen zu lernen. Als er noch einige Kilometer vor Przemyslany war, geriet Rabbi Meier in tiefe Bewegung und er sprach zu seinem Diener: „Arje, ein großer Rabbi kommt in meine Nähe; gehe daher in das Gasthaus und frage ob er dort eingetroffen ist.“ Der Leibdiener ging und man sagte ihm. es sei kein Rabbi angekommen. Aber nach einer Stunde als der Diener nochmals in das Gasthaus kam um nachzufragen, war der Sandecer bereits eingetroffen, und er fragte ihn, ob er ein Rabbi sei. Da erwiderte der Sandecer: „Warum bist du so neugierig zu wissen wer ich bin?“ Und der Leibdiener erzählte ihm, daß der Rabbi Meier mit größter Spannung einen Rabbi erwarte. Nun sagte der Sandecer: „Ich bin der Rabbi“ und begab sich gleich in die Wohnung des Rabbi Meier. Nachdem sie sich eine gute Weile unterhalten hatten, sprach der Przemyslaner: „Sandecer Rabbi! Ihr seid ja ein Mitglied des Obersten Gerichtshofs, daher sagt mir, ob ich noch immer in solchen niederen Gemächern wohnen muß, ob ich nicht würdig bin, in bequemen schönen Zimmern zu wohnen.“ Der Sandecer begriff nicht, wohin das Wort zielte, und er antwortete: „Gewiß gebührt euch, in schöneren, bequemeren Zimmern als diese sind zu wohnen“1 Da sprach Rabbi Meier freudig: „Nun, wenn ihr so urteilt, dann werde ich so tun, und aus dieser Wohnung in eine schönere ziehen.“ Jetzt erst verstand der Sandecer was Rabbi Meier meinte und sagte: „Ich urteilte, daß ihr auf dieser Welt in bequemeren und schöneren Zimmern wohnen sollt.“ Rabbi Meier aber erwiderte: „Das Urteil ist nicht mehr rückgängig zu machen. Ich wollte nur euere Bestätigung, und wenn diese auch irrtümlich erfolgte, so wird es so sein.“ Und nach kaum drei Wochen verließ der Rabbi seine niedere Wohnung. Rauchen Sie Zigaretten CARIrlVBIGL MÜNCHEN MAXIMILIANS-PLÄTZ 1'* NAaftTSasUÄMON'JMENT TEtiamT LUSTER in Eisen, Messing und Glas, elektrisch und Gas - Zuglampen mit Nachlaß zu verkaufen. Beparatnren and Neuanfertigungen werden mch Wunsch geliefert.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.