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Das jüdische Echo · 1917-07-06 · 27 (6.7.1917) · p. Seite 304

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
27 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 304 (sequence 8)
Language
German
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304 Das Jüdische Echo Nr. 2i englischen Judenheit das Vorgehen der beiden genannten Vertreter des Conjoint-Committee schart mißbilligt. Am 28. Mai veröffentlichte die Times Protestschreiben von zionistischer Seite. Lord Rothschild schrieb, die Zionisten seien der Ansicht, daß, wenn Palästina kolonisiert werden solle, iregnd eine Maschinerie in Bewegung gesetzt werden müsse, um die Einwanderer zu empfangen, sie anzusiedeln und eine allgemeine vermittelnde Leitung auszuüben. Dagegen hätten die Zionisten gar nicht die Absicht Privilegien auf Kosten der anderen Nationalitäten zu erhalten. Dr. Weizmann, der Vorsitzende der englischen Zionisten, gab die gleiche Erklärung in der Times ab mit der Begründung, daß Freiheit und Gerechtigkeit für alle Rassen und Sekten in Palästina ein Grundprinzip der zionistischen Bewegung sei. Ferner betonte er, daß die Frage der jüdischen Nationalität nicht nach dem Belieben einzelner Personen entschieden werden könne. „Die Tatsache, daß die Juden eine Nation sind, ist durch die Überzeugung der überwiegenden Mehrheit der Juden zu allen Zeiten bis auf die heutige Zeit bewiesen, eine Überzeugung, die stets auch von den Nichtjuden aller Länder geteilt worden ist.“ Der Oberrabbiner von London, Dr. Hertz, stellte in seiner Erklärung fest, daß die Erklärung der Herren Alexander und Montefiore mit den Ansichten der Mehrheit der englischen Juden nicht übereinstimme und daß diese beiden Herren von den Organisationen, welche sie vertreten, keinen Auftrag erhalten hätten, eine derartige Erklärung abzugeben. Ähnliche Proteste wurden in der Times von Dr. Gaster, Herrn Elkan Adler, Herrn B. A. Fersht und S. Gilbert veröffentlicht. Diese Herren erklärten zugleich ihren Austritt aus dem Conjoint-Committee. Die Times selber nahm in zwei Artikeln zu der Diskussion Stellung* wobei sie den zionistischen Standpunkt als den allein richtigen erklärte. Die nächste Sitzung der „Agnlo-Jewish Association“ hatter sich mit einer Protestresolution von Dr. Gaster zu beschäftigen, welche nach längeren Erörterungen zurückgezogen wurde. Mr. Montefiore behielt daraufhin den Vorsitz in der Anglo- Jewisli Association bei und Herr Elkan Adler zog seine Austrittserklärung zurück. In der Sitzung des „Board of Deputies“ dagegen wurde am 18. Juni folgende Entschließung angenommen: „Die Versammlung des Jewish Board of Deputies, die am 18. Juni stattfand, nahm folgende Resolution an: Nachdem der Board of Jewish Deputies“ die Ansichten des Conjoint Committee, gemäß der in der Times veröffentlichten Mitteilung, erwogen hat, spricht er seine tiefe Mißbilligung dieser Ansichten und seine Unzufriedenheit mit ihrer Publikation aus. Er erklärt, daß das Conjoint Committee das Vertrauen des Board verloren hat und fordert seine Repräsentanten im Conjoint Committee auf, ehestens von ihren Ämtern zurückzutreten.“ Es hat in England tiefen Eindruck gemacht, daß die sehr angesehene repräsentative Körperschaft des Board of Deputies in so scharfer Weise Stellung genommen hat und seine Entschließung wird als ein Wendepunkt in der Geschichte der englischen Judenheit betrachtet, die in ihrer Majorität zum mindesten die praktischen Palästinaforderungen des Zionismus unterstützt und offenbar nicht dulden will, daß die notwendige Eintracht im Auftreten vor der Öffentlichkeit durch derartige Erklärungen, wie sie die Herren Alexander und Montefiore abgegeben hatten, gestört wird. Jacob H. Schiff’s Wandlung.*) Vor einem Jahre wurde die Liga der Jüdischen Jugend Amerikas organisiert, um gegen den Indifferentismus zu kämpfen, der in der jüdischen Jugend Amerikas jüdischen Dingen gegenüber sich geltend machte. Die Liga hielt ihre erste Jahresversammlung am 24. April in New York. Viele führende Zionisten nahmen als Gäste teil. Herr Marshall, der zum Präsidenten des Abends gewählt wurde, begrüßte die Liga und ihren Gründer, Dr. Benderly, und sprach über das Heranbrechen einer neuen Ära der menschlichen Gesellschaft. Mit Bezug auf die Aussichten der Juden für die Zukunft sagte Herr Marshall: „es ist möglich, daß das Problem, das in so vielen Jahrzehnten die jüdischen Gedanken beschäftigt hat, sehr bald gelöst werden wird.“ Größte Begeisterung erweckte eine Rede, die Herr Schiff, der eigentlich nicht als Redner vorgesehen war, an sein junges Auditorium richtete. Auf eine Aufforderung des Vorsitzenden „an das Haupt der Ältesten Israels“ erhob sich Herr Schiff und sagte: „Ich habe nichts vorbereitet. Ich werde zu Ihnen sprechen, wie es mir mein Herz eingibt.“ Seine Ausführungen kamen gleich überraschend für seine jungen wie alten Zuhörer: „Ich möchte etwas sagen was manch einen von den älteren Zuhörern überraschen wird. Das erstemal kam mir in den letzten drei Wochen der Gedanke: Warum hat der Jude nicht sein eigenes Heimatsland? Ich glaube nicht an eine jüdische Nation, die auf lauter „ismus“ aufgebaut wird, — zuerst Egoismus, dann Atheismus und Agnosticisaius. Ich glaube an das jüdische Volk, an die jüdische Sendung. Ich glaube, daß irgendwo ein großes Reservoir sein sollte, von wo aus jüdische Kultur, *) Wir brachten neulich mit einigem Vorbehalt die Meldung, daß der erklärte Zionistenfeind Jacob H. Schiff seine Haltung plötzlich geändert habe. Die Nachricht stützt sich auf den folgenden Wortlaut einer kürzlich von ihm gehaltenen Rede. Kostiimfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer.y königl. 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