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Das jüdische Echo · 1917-07-06 · 27 (6.7.1917) · p. Seite 303

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
27 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 303 (sequence 7)
Language
German
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Vor dem Plenum der Konferenz hielt Dr. Weizmann eine Rede, in welcher er zunächst die Bedeutung der russischen Revolution für das Judentum und die augenblickliche Lage in Palästina erörterte. Bezüglich der Zukunft Palästinas erklärte Dr. Weizmann, es sei nicht staatmännisch gedacht, die Errichtung eines Staates oder einer Republik zu fordern. Andererseits wies er auf die Sympathien hin, welche der Gedanke des Zionismus bei den Regierungen findet und erklärte, er sei ermächtigt mitzuteilen, daß auf Grund dieser Sympathien im gegebenen Zeitpunkt eine Unterstützung der zionistischem Bestrebungen erfolgen werde. Ferner hätten die höchsten katholischen Kreise erklärt, daß sie der Schaffung einer jüdischnationalen Heimstätte in Palästina sympathisch gegenüberstehen und daß sie von ihrem religiösen Standpunkt keine Einwände zu machen hätten. Dr. Weizmann wandte sich dann den inner-jüdischen Verhältnissen in England zu und warnte vor Spaltungen und Zwistigkeiten. Herr Boris Goldberg sprach über die Lage in Palästina und teilte mit, daß die provisorische russische Regierung erlaubt habe, an Hilfsgeldern 300.000 Rubel für die palästinensischen Juden zu überweisen. Dagegen sind die Leistungen der englischen Juden für Palästina sehr gering. Ohne die Hilfe von Amerika wäre das Kolonisationswerk längst zu Grunde gegangen. Es wurde darauf eine Subskription für Palästina eröffnet, die sofort 600 Pfund ergab. Kämpfe In der englischen Judenheit. Das Manifest des „Conjoint Committee“, der repräsentativen Körperschaft englischer Juden, von dem wir in unserer vorigen Nummer berichteten, besagt, daß das heilige Land eine unvergängliche Bedeutung für alle Juden habe, daß es nicht nur als Gegenstand geheiligter Erinnerungen oder als Wallfahrtsort zu betrachten sei, sondern daß die Juden seit dem Anbruch ihrer politischen Emanzipation in Europa die Wiederherstellung einer jüdischen Gemeinschaft in Palästina als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet haben, und daß diese Gemeinschaft eine Quelle geistiger Inspiration für die ganze Judenheit sein solle. Daher habe das Conjoint Committee bereits im Winter 1914 seine Bereitwilligkeit erklärt, mit den Zionisten auf der Basis der sogenannten kulturellen Politik zusammenzuarbeiten, welche auf den letzten Zionistenkongressen angenommen worden sei. Das Conjoint Committee wolle, daß der jüdischen Bevölkerung Palästinas der Genuß bürgerlicher und religiöser Freiheit gesichert werde, ferner gleiche politische Rechte mit der anderen Bevölkerung, verständige Erleichterungen für Immigration und Kolonisation und solche munizipalen Privilegien in den Städten und Kolonien, wie sich als nötig erweisen werden. Dagegen wende sich das Conjoint Committee gegen zwei weitergehende Forderungen aus dem zionistischen Lager. Die erste Forderung sei die Anerkennung des politisch-nationalen Charakters der Sicdelung. Auch hiergegen sei nichts einzuwenden. wenn es sich um eine lokale Frage handeln würde, d. h. wenn sich unter den palästinensischen Bedingungen eine jüdische Nationalität entwickelt. Aber dieser Anspruch sei nur ein Teil der weiteren zionistischen Theorie, wonach alle Juden eine heimatlose Nation bilden, die sich nicht völlig mit den Nationen identifizieren könne, unter denen sie leben, und wonach für diese heimatlose Nation ein politisches Zentrum in Palästina nötig sei. Hiergegen protestiere das Conjoint Committee, da sich die emanzipierten Juden in England in erster Reihe als religiöse Gemeinschaft betrachten und da sie stets ihre Ansprüche auf politische Gleichberechtigung damit begründet hätten, daß sie keine separaten nationalen Aspirationen im politischen Sinne hätten. Wenn die Errichtung einer jüdischen Nation in Palästina auf die Theorie der jüdischen Heimatlosigkeit gegründet würde, so würden damit die Juden in ihren Geburtsländern zu Fremden gestempelt und sie würden ihre hart errungenen Positinen als Staatsbürger untergraben. Der zweite Punkt, gegen den das Conjoint Committee sich wenden müsse, sei die Forderung, daß die jüdischen Ansiedler besondere Vorrechte genießen sollten, die in einem Charter niedergelegt werden sollten. Dies widerspreche dem Prinzip der Gleichberechtigung, zumal die Juden in Palästina nur eine Minorität bilden. Diese Forderung sei auch für die Durchführung des zionistischen Programms überflüssig. Wenn die Juden auf Grund völliger Gleichberechtigung und Freiheit in der Konkurrenz mit den anderen Bevölkerungselementen ihre Überlegenheit beweisen werden, so werde dies ein viel gesünderes Fundament sein, als wenn sie ihr Übergewicht durch Privilegien und Monopole erreichen. — Daß diese Erklärung des Conjoint-Committee größtes Aufsehen erregt hat, ist erklärlich. Es ist höchst bemerkenswert, daß eine solche nichtzionistische und früher geradezu zionistenfeindliche Organisation die praktischen Forderungen des Zionismus in so weitem Maße übernimmt. Das Conjoint Committee sagt ausdrücklich, daß es für die Kolonisation Palästinas eintreten will, und daß es keinen Einwand dagegen erhebt, die jüdische Gemeinschaft in Palästina, die sich dort frei entwickeln soll, als eine nationale Gemeinschaft zu betrachten. Um so unverständlicher ist es, warum das Conjoint-Committee den theoretischen Streit um das Wesen der jüdischen Nationalität außerhalb Palästinas in diesem Moment vor die breiteste Öffentlichkeit trägt und warum es vor derselben Öffentlichkeit Einzelheiten der für die Zukunft erwarteten Rechtslage der Juden in Palästina erörtert. Wenn es dem Conjoint-Committee mit seiner Liebe zu Palästina ernst wrar, so hätte es diese Fragen mit den Zionisten erörtern, nicht aber vor der breiten Öffentlichkeit den Eindruck erwecken sollen, daß die Juden sich über ihre Forderungen nicht zu verständigen vermögen. Aus diesem Grunde haben weite Kreise der LüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiimiiiiimiiiiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiii „ES KR" I KLEINKUNST- I VERSRND I MÜNCHEN Promenadestraße 5 Ausstellung aller Zweige | des Kleinkunst-Gewerbes s iitiiimiiiimiMtHHiiiiiiiitiiiiimiiiiiiiiiiiHiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiTi

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