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Das jüdische Echo · 1917-07-06 · 27 (6.7.1917) · p. Seite 300

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
27 (6.7.1917)
Date
1917-07-06
Page
Seite 300 (sequence 4)
Language
German
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300 Das Jüdische Echo Nr. 27 Landes erst recht eine hervorragende Rolle spielen. Wenn, wir von den Ansichten der polnischen Chauvinisten absehen, die nichts klügeres als die Nationalisierung des Handels und der Industrie zu predigen wissen (möge dadurch auch die ganze Wirtschaft und folglich auch der Wohlstand des Landes zu Grunde gehen), ist das „Eindringen“ der Deutschen in unsere Industrie für uns Einwohner Polens gar nicht schädlich, vielmehr nützlich. Denn dergestalt wird das Deutsche Reich nicht nötig haben, uns von seinem inneren wie auswärtigen Markt fernzuhalten. Es wird somit kein Hindernis bestehen, solche Fabriken, die sich vorteilhafter in Polen als in Deutschland führen lassen, in Polen zu betreiben. Diese Kombination wird am leichtesten Anwendung finden bei einem Handelsvertrag mit Rußland, mit dessen Bedürfnissen die Industriellen und Kaufleute Polens gut vertraut sind und mit dessen Abnehmern sie seit lange in den besten Beziehungen stehen. Überhaupt kann Polen nur im Verband mit Deutschland ernst darauf rechnen, einen vorteilhaften Vertrag mit Rußland einzugehen, um den russischen Markt nicht gänzlich zu verlieren. Obengeschilderte unumgängliche wirtschaftliche Voraussetzung, unter welcher ein selbständiges Polen allein existenzfähig ist, mag manchen polnischen Chauvinisten ärgern, weil sein Traum nicht erfüllt wird, in Polen bloß reinblütige Nationalpolen wohnen zu sehen. Dem Interesse des polnischen Volkes ist damit nur gedient. Besonders wird es den Arbeitern zugute kommen. Für den polnischen und jüdischen Arbeiter ist es einerlei, wer Eigentümer der Fabrik ist, er will nur in ihr Arbeit haben und nicht gezwungen sein, das Vaterland zu verlassen. Und eben dieser Zustand wird ihm die Betätigungsmöglichkeit im Lande zusichern. Außer den bisherigen Fabriken werden in Polen neue entstehen, weil der Arbeiterlohn sich bei uns billiger stellt und vielleicht auch mit dem Zweck, Rußland eine nähere Bezugsquelle zu geben. Dies schafft dem polnischen Arbeiter neuen Verdienst und bessert seine wirtschaftliche Stellung, denn obwohl er im Vergleich mit dem deutschen Arbeiter kärglicher entlohnt ist, ver¬ Ueberseugen 0ie ftd? durch eine kostenfreie Probenummer oder besser noch durch einen Probeband für 50 Pfennige von der Vielseitigkeit der humoristisch - satirischen Kunstzeitschrift „JUGEND*. Jede Nummer bringt neben ausgezeichneten Beiträgen in Poesie und Prosa der namhaftesten Schriftsteller auch eine große Anzahl künstlerische Vierfarbendrucke nach Werken erster Meister. Auch die politischen Vorgänge werden in einer eigenen Beilage eingehend behancklt. Die große Anhängerschaft der Münchner „JUGEND* drückt sich am deutlichsten in der wöchentlichen Auflage von über 100000 Exemplaren aus. Vierteljahrespreis. M. 4.60 durch die Feldpost.M. 5.20 pro Monat.M. 1.80 Bestellungen nimmt die nächstgelegene Buchhandlung, Zeitungsexpedition, jedes Postamt oder der Unterzeichnete an. Verlag der „JUGEND“,München Lessingstraße 1 dient er dennoch viel besser als früher in Polen und hat dazu die Möglichkeit, Lebensmittel billiger zu kaufen. Dieser Sachbestand ist für uns Juden von besonderer Wichtigkeit. Die Industrie (und folglich auch der Handel) wird sich in Polen nicht mehr auf Grund von nationalem Patriotismus entfalten können, sondern es wird sich ein staatlicher Patriotismus bilden. Das bedeutet: jedem Bürger des Landes wird daran gelegen sein, die Erzeugnisse des Landes zu unterstützen, gleichviel ob dieselben ein Pole, Deutscher oder Jude herstellt. In unserem eigenen Interesse dürfte dieser Patriotismus noch ausgedehnter sein, und alle zentraleuropäischen Länder (oder nach der Auffassung anderer deutscher ökonomiker „osteuropäischen“ Länder, Rußland ausgeschlossen) umfassen, die wie gesagt eine große wirtschaftliche Gemeinschaft bilden werden. Denn wenn wir den Einwohnern Deutschlands usw. gegenüber keinen engherzigen wirtschaftlichen Chauvinismus zeigen, werden auch sie sich uns gegenüber freundschaftlich verhalten, und der Vorteil wird wechselseitig sein. Es muß auch damit gerechnet werden, daß sich bei sachkundiger Wirtschaft das Königreich Polen zu einem guten Absatzmarkt gestalten kann. Die bisherigen Daten sind in dieser Beziehung nicfeV maßgeblich. Die zarische Regierung hat das Land in kultureller Hinsicht fürchterlich vernachlässigt, sie hat die Volksmassen in Finsternis gehalten, sie alkoholisiert, um einerseits ihr Branntweinmonopol zu fördern und andrerseits um sie von freiheitlichen Ideen fernzuhalten. Die Entwicklung von Landwirtschaft und Industrie hat die zarische Regierung durch ihr allgemeines Regiment gehemmt. Jetzt, wenn die Volksmassen auf eine höhere Kulturstufe gehoben werden, wird die Industrie neue Abnehmer gewinnen. Ebenso wie in Deutschland wird hoffentlich auch in Polen nach dem Kriege die Losung gelten, sich um den innerlichen Verbraucher viel mehr zu kümmern, als neue Absatzmärkte in der Fremde zu suchen. Zu diesem Zwecke wird man sich bemühen, den Wohlstand des gemeinen Volkes und seine kulturellen Ansprüche zu heben, was durch bessere Entlohnung und Aufklärung erzielt wird. Bei derartiger Sozialpolitik ist es ganz ausgeschlossen, die Juden zu benachteiligen, denn jeder Jude wie Nichtjude muß als wünschenswerter Verbraucher körperlich und geistig gepflegt werden. Anderseits wird man bei tüchtigem Wirtschaften die natürlichen Quellen des Landes, die — wie bereits jetzt von der deutschen Verwaltung festgestellt ist — überaus reich sind, besser ausnützen können, die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft um das doppelte heben und neue Industriezweige schaffen. . . . So wird es sich im großen und ganzen voraussichtlich gestalten, wenn beide Parteien gescheit genug sind, um dies zu begreifen. Für uns Juden kann solcher Sachbestand besonders günstig sein, sowohl in wirtschaftlicher, wie in nationaler Beziehung. Zunächst muß in Betracht gezogen werden, daß an der Kapitalisierung der polnischen Industrie deutsche Bürger nicht nur christlicher, sondern auch jüdischer Konfession teilnehmen werden. Ferner werden neben den polnischen Christen sich auch polnische Juden in der Industrie Polens betätigen. Die Rolle der Juden wird sogar ansehnlich sein. Niemand ist besser als der Jude fähig, großes Kapital zu beschaf-

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