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Das jüdische Echo · 1917-06-29 · 26 (29.6.1917) · p. Seite 294

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
26 (29.6.1917)
Date
1917-06-29
Page
Seite 294 (sequence 6)
Language
German
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294 Das Jüdische Echo Nr. 26 Weit-gch® Verständigung zwischen Juden und Karäern. Es scneint, daß die russischen Karäer ihre Stellung gegenüber den Juden geändert haben. Kürzlich wurde eine Karäer-Konferenz in Eupatoria gehalten, bei der man zu der Überzeugung kam, daß einer Verständigung mit den Juden nichts mehr im Wege stehe, seitdem diesen die Gleichberechtigung gewährt worden ist und die Karäer nicht mehr zu fürchten brauchen, daß man die für die Juden geltenden Ausnahmegesetze gleichfalls auf die Karäer anwenden werde. Es wurde ferner beschlossen, den karäischen Oberrabbiner, der bisher die gesetzlichen Rechte der Sekte wahrgenommen hat, abzusetzen, was umso bemerkenswerter ist, als dieser eine ausgesprochen judenfeindliche Haltung einnahm. Der Vorstand der orientalischen und syrischen Gemeinde in San Francisco, Rabbi Hillel J. Abraham, der seinen Posten 23 Jahre lang bekleidet hat, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Verstorbene war in Bagdad erzogen, war Rabbiner in Bombay und später in China und kam 1894 nach San Francisco. Die jüdische Turnorganisation in Polen. Am 24. April fand die Vierteljahreskonferenz des Zentralkomitees der jüdischen Turnorganisation in Polen statt. Die Sitzung wurde von den Vertretern aus Lodz, Czenstochau, Plock und Kalisch besucht. Nach den erstatteten Berichten hat die Turnorganisation während der kurzen Zeit ihrer Existenz große Fortschritte gemacht. Siebzehn Turnvereine haben sich ihr angeschlossen. In allen angegliederten Vereinen wurde die hebräische Kommandosprache eingeführt. Es ist eine hebräische Turnterminologie (analog der in Palästina gebrauchten) zusammengestellt worden, die demnächst publiziert und im Buchhandel zu beziehen sein wird. Die Konferenz beschäftigte sich auch mit der Frage der Schaffung eines Seminars für Turnlehrer. Es stellte sich jedoch die Unmöglichkeit der Einrichtung solcher Kurse in der augenblicklichen Zeit heraus, und es wurde beschlossen, vorläufig nur 6—8 wöchentliche Instruktionskurse einzurichten. Es wurden Normalstatuten für die jüdischen Turnvereine festgesetzt; die Herausgabe von Zirkularen in freier Folge bis zum Erscheinen einer regelmäßigen Turnaeitzung wurde beschlossen; ferner kam man überein, sich an die verschiedenen jüdischen Zeitungen in Polen mit der Bitte zu wenden, eine „Turnrubrik“ einzurichten. Schließlich wurde noch die Einführung eines einheitlichen Abzeichens und einheitlicher Turnkleidung für die jüdischen Turner in Polen beschlossen. Albert Diederich Äf München, Türkenstr. 60 (früher Adalbertstr.) Fernsprecher 22261 Uebernahme von Wohnungseinrichtungen, Anfertigung sämtlicher Polstermöbel und aller einschlägiger Arbeiten |51 — -—==[Ö1 Feuilleton Generalmajor Carl von Obermayer. Wohl mancher wird verwundert den Kopf schütteln, wenn er die Überschrift liest! Sollte es jemals einen jüdischen deutschen General gegeben haben? Das ist doch kaum glaublich! Und doch ist es so! Natürlich war dies nicht in Preußen oder im übrigen Deutschland der Fall. Dort gab es nur einmal einen aktiven jüdischen Offizier, den rühmlichst bekannten preußischen Major Meno Burg. Der Mann, von dem hier die Rede sein soll und der zu Unrecht fast ganz vergessen wurde, lebte und wirkte in Bayern, dem einzigen deutschen Lande, das seit Beginn der Freiheitskriege bis zum heutigen Tage ungetaufte Juden in seine aktiven Offizier- und Sanitätsoffizierkorps aufnahm. Vor 28 Jahren wurde Carl von Obermayer in seiner Heimat Kriegshaber bei Augsburg zu Grabe getragen — nach einem Leben voll innerer Befriedigung und äußerer Anerkennung. In der alten blühenden bayerisch-schwäbischen Judengemeinde Kriegshaber kam der General im Freiheitsjahre 1812 zur Welt. Nach einer glücklich verlebten Jugend ergriff er den kaufmännischen Beruf, gründete später ein Bankgeschäft in Augsburg und brachte dieses zu großer Bedeutung. Kommerzielle Erfolge waren sein Lohn. Doch soll hier nicht von dem Kaufmann, sondern von dem Soldaten Obermayer die Rede sein. Den Berufsoffizier im heutigen Sinne kannte man damals in Bayern fast nicht. Jeder Soldat und jeder Offizier der Armee hatte noch einen Zivilberuf — Obermayer war Bankier! Er diente als Soldat von der Pike auf, machte verschiedene Feldzüge mit. erwies sich als tüchtig und stieg zuerst langsam und dann schneller die militärische Stufenleiter empor. 1860 wurde er zum kgl. bayer. Obersten der Landwehr und Regimentskommandeur befördert. 1862 endlich wurde er Kommandeur der ganzen Augsburger Garnison, was er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1870 als letzter Landwehrkommandeur von Augsburg auch blieb. Den unglücklichen Feldzug von 1866 machte er als Oberst im Generalstab des Feldmarschalls Prinzen Karl von Bayern mit. Zahlreiche Orden schmückten seine Brust. Auch in den Adelsstand wurde er erhoben und nach seiner Verabschiedung verlieh im König Ludwig II. den Charakter eines kgl. bayer. Generalmajors. Kurz darauf ließ er sich mit seiner Familie in Wien nieder, woselbst er auch starb. Mit einer Augsburgerin glücklich verheiratet, führte er ein religiösjüdisches Familienleben. Seine drei Töchter ehelichten drei Juden, die eine den österreichischen Generalkonsul in Konstantinopel Stefan v. Kwassai, die andere den jüdischen Grafen Hierschel- Minerbi in Rom, der seinen Grafenstand dem Papste Pius IX. verdankte, und die dritte den Baron Dreyfuß in Paris. Carl v. Obermayer erfreute sich in Augsburg wie auch in Wien großer Beliebtheit. In seinem gastfreien Haus gingen Künstler und Gelehrte ein und aus, und gar mancher, der später einen Namen erwarb, verdankte dies dem jüdischen Mäzen. Bei seiner großartigen, nach allen Seiten hin wirkenden Wohltätigkeit wußte er seine Gaben mit einem Zartsinn zu spenden, die diese für die Betroffenen doppelt wertvoll machten.

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