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Das jüdische Echo · 1917-06-22 · 25 (22.6.1917) · p. Seite 284

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
25 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
Seite 284 (sequence 8)
Language
German
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284 Das Jüdische Echo Nr. 25 Die Palästinafrage in der New Yorker Kehillah. Die Jahreskonferenz des New Yorker Jüdischen Gemeindebundes beriet am 27. April über „Palästina als Kulturzentrum des Judentums“. Der Vorsitzende des American-Jewish-Committees, Louis Marshall, sagte unter anderem, daß Palästina unter der Wirkung der neuen Verhältnisse zum Zentrum der jüdischen Kultur werden wird, das auf die Juden aller Länder seinen Einfluß ausüben wird. „Ich weiß nicht“, sagte er, „ob dies Zionismus ist. Falls ja, so war ich stets Zionist.“ Einstimmig wurde folgende Resolution gefaßt: „Wir bestätigen unseren Glauben an die baldige Erneuerung von Zion. Wir drücken den Vereinigten Staaten unser volles Vertrauen aus, daß sie alles in ihren Kräften Stehende tun werden, um die Hoffnungen des jüdischen Volkes auf die Herstellung einer freien und öffentlich-rechtlich anerkannten jüdischen Heimstätte in Palästina zu verwirklichen.“ Die englischen Juden und der Zionismus. Unser Korrespondent berichtet uns: Die Erklärung des Conjoint Committees in der „Times“ gegen den Zionismus hat eine Reihe von Protestkundgebungen ausgelöst. Außer den bereits gemeldeten Protesten von Lord Rotschild und dem Chiefrabbi Dr. Hertz in der Times, die das Recht des Conjoint Committees bestritten, im Namen der englischen Judenheit zu sprechen, haben große Volksversammlungen stattgefunden. In Glasgow hat auf einer jüdischen Volksversammlung das bekannte Mitglied des englischen Parlaments Joseph King die Haltung des Conjoint Committees als volksfeindlich kritisiert und ein jüdisches Palästina als einzige Lösung der Judenfrage bezeichnet. Desgleichen nahm ein anderer Abgeordneter. Major Wodgwood, in einer Versammlung der Bnei-Brithlage in London für den Zionismus Partei. Die Leitung der Friendly-Societies zog zum Protest ihre Delegierten im Conjoint Committee zurück. Auch in der Anglo-Jewish Association und im Board of Deputies wurde die Haltung des C.C. abfällig kritisiert. Vergebens versuchten einige dem Judentum entfremdete Lords durch Erklärungen in der „Times“ den schlechten Eindruck, den das C.C. in der Öffentlichkeit gemacht hatte, zu verwischen. Kennzeichnend ist, daß sich gegen diese nichtreligiösen Lords, die in der „Times“ erklärten, das Judentum wäre nicht eine nationale, sondern eine religiöse Gemeinschaft, die orthdoxen Synagogen Englands aussprachen. Eine Palästina-Interpellation im österreichischen Reichsrat. Im österreichischen Abgeordnetenhause hat der Abgeordnete Dr. Benno Straucher an den Ministerpräsidenten eine Interpellation wegen der Judenverfolgung in Palästina gerichtet. Diese ist unterzeichnet von den Abgeordneten Hermann LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIRL- DRMEN -SRLON NÜR FÜR DRMEN Residenzstrasse 17/1 SRLON FÜR DRMEN ÜND HERREN Parkhotel Majdmiliansplatz 21 SPEZIRLIl A T; KDnstlerisch ausgeführte ERSATZ- FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz voll u. ganz angepaßt Diamand, Rudolf Gail, Adolf Groß, Heinrich Kolischer, C. Kuranda, FI. Liebermann, Nathan von Löwenstein, J. Ofner, E. Rauch, H. Reizes, J. Steinhaus und S. Stern. Das Hilfswerk für Palästina. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat neuerdings für die aus Jaffa und Gaza in Palästina evakuierten jüdischen Einwohner 50 000 Mark zur Verfügung gestellt, die vornehmlich dazu verwandt werden sollen, um in den größeren Ansammlungsorten der Evakuierten Vokskiichen einzurichten. Seit Kriegsausbruch ist für das Hifswerk in Palästina insgegesamt über eine halbe Million verausgabt worden, weitere Geldsendungen, die dringend notwendig sind, werden in kürzester Frist folgen. Jacob Schiff als Zionist. Eine — nicht ganz zuverlässig klingende — Mitteilung ihres New Yorker Korrespondenten bringt die Petersburger Telegraphen - Agentur. Ihr zufolge erklärte Jacob Schiff auf einer Versammlung, die der Würdigung der Judenemanzipation in Rußland gewidmet war, daß er sich der zionistischen Organisation anschließe, die er bis jetzt bekämpft habe. Mit dem Verschwinden des Ghettos in Rußland verschwinde zugleich das einzige große Zentrum des Judentums, das nicht den Gefahren der Assimilation ausgesetzt war. Es müsse daher, erklärte er, ein neues gesichertes jüdisches Zentrum in Palästina geschaffen werden, das seine geistige Wirkung auf die gesamte Diaspora ausüben wird. Es wird sich erweisen müssen, wieweit diese Erklärung Jacob Schiffs mit der politischen Lage Palästinas auf der einen, Rußlands auf der andren Seite im Zusammenhang steht. Jacob Schiffs neue Spende. Jacob Schiff hat wiederum 20 000 Pfund St. für den jüdischen Hilfsfonds gestiftet. Um seine Dankbarkeit für die Befreiung der russischen Juden auszusprechen, hat er der russischen Regierung eine vollständige Hospitaleinrichtung gespendet und eine namhafte Summe für die russische Freiheits-Anleihe gezeichnet. Ausschreitungen in England. Wie „Daily News“ vom 6. Juli mitteilt, kam es in Leeds zu lebhaften Ausschreitungen gegen die dortigen Juden, die nur durch energische Maßregeln der Polizei unterdrückt werden konten. Der Pöbel warf Eisenstücke durch die Fenster einer Volksschule, deren Raum dicht mit Kindern gefüllt war. Auch wurden zahlreiche Fensterscheiben eingeworfen. Es handelt sich hierbei um Ausschreitungen gegen russische Juden, die in der Kleider- und Uniformindustrie beschäftigt sind. Einer der führenden Juden wies den Vorwurf auf das lebhafteste zurück, daß die englischen Juden sich weniger in das Heer einreihen ließen als die anderen Bürger. Von einer Bevölkerung von 21 000 Juden dieser Gegend seien 2500 beim Heere, was einen höheren Prozentsatz darstelle als derjenige der Gesamtbevölkerung. Tatsächlich seien alle dienstfähigen englischen ‘Juden bei der Armee. Von den russischen Juden hätten sich 200 Freiwillige gemeldet. GruSenberg als erster Jüdischer Senator. Wie offizielle Nachrichten bestätigen, hat der bekannte Rechtsanwalt O. Grusenberg den Posten eines Senators im Kassationsgerichtshof des Kriminalgerichtes angenommen. Er ist der erste jüdische Senator in Rußland.

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