Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 25 (22.6.1917)
- Date
- 1917-06-22
- Page
- Seite 282 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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282 Das Jüdische Echo Nr. 25 Die Poale»Zion auf der Stockholmer Konferenz. Aus dem Haag wird telegraphisch mitgeteilt: Die sozialistische Internationale lud das Verbandsbureau der Poale-Zion zur Teilnahme an der Stockholmer Konferenz ein. Hierzu schreibt die „Jüdische Rundschau": Die Tatsache, daß auf einer Friedenskonferenz, die die politische Lage und das künftige Schicksal der kriegfühenden Länder und der an dem Kriege beteiligten Völker besprechen wird, auch eine national-jüdische Stimme ertönen wird, hat außer der politischen Bedeutung, die ihr zukommt, auch noch einen prinzipiellen Wert. Bekanntlich wurde bis jetzt von der internationalen Sozialdemokratie das jüdische Volk nicht als Nation betrachtet und konnte daher nicht auf eine besondere Sektion in der „Internationale“ Anspruch erheben. Selbst die (älteste jüdische sozialistische Partei, der „Bund“, wurde vom Internationalen Bureau nicht als eine selbständige nationale Partei anerkannt und mußte als Teil der russischen sozialdemokratischen Partei auftreten. Später, als die Sejmisten eine Beteiligung an der „Internationale“ erstrebten, wurde ihnen dies ebenfalls verweigert und sie mußten sich damit begnügen, daß die russische sozial-revolutionäre Partei einen sejmistischen Vertreter in ihrer Delegation aufnahm. Für die Poale-Zion, die als national-jüdische Partei und zudem noch als Weltorganisation auftraten, war der Kampf um die Zulassung zur „Internationale“ eine Frage der nationalen Würde und Anerkennung der jüdischen Nationalität. Im Verlauf der letzten 10 Jahre galt dieser Forderung die große Aufmerksamkeit der Partei. Die Bemühungen des Poale-Zion stießen aber immer auf cflen Widerstand hauptsächlich der „Sozialisten jüdischer Konfession“ und nicht zuletzt auch derjenigen jüdischen Vertreter, denen es auf Umwegen gelungen war, an der „Internationale“ teilzunehmen, und die daher dort als die einzigen Sachverständigen in jüdisch-sozialistischen Fragen betrachtet wurden. Der letzte Versuch der Poale- Zion, die sozialistische Öffentlichkeit über das wahre Wesen der Judenfrage aufzuklären und sie für die Anerkennung der jüdischen Nationalität und zugleich auch für die Unterstützung im Kampfe des jüdischen Proletariats für die nationalen Rechte in allen Ländern, in Rußland wie in Österreich, in Polen wie in Palästina, zu gewinnen, war die Denkschrift „Die Juden im Weltkrieg“, die das Bureau des poale-zionistischen Weltverbandes den Mitgliedern des Internationalen Bureaus unterbreitete. Kongreß-Resolution. Die Beratung der zentralen zionistischen Vereine in Moskau hat folgende Resolution betreffs des Kongresses angenommen: „Überzeugt von der Notwendigkeit einer Organisierung und Vereinigung des russischen Judentums, ersucht die Versammlung das Zentralkomitee, die Initiative der Einberufung eines jüdischen Sonderkongresses auf Grund allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts vor der Einberufung der russischen Konstituante zu ergreifen, zum Zwecke der Vereinigung und Organisierung des russischen Judentums, zur Verteidigung seiner bürgerlichen und nationalen Vollberechtigung und zur Lösung des Problems der Einheit der jüdischen Nation auf Grund der Verwirklichung seiner historischen Rechte in Palästina im Zusammenhang mit der bevorstehenden Beendigung des Krieges. Als vorbereitende Arbeit zum Kongreß ist die Gründung vereinigter jüdischer Komitees unter Beteiligung der Vertreter aller jüdischer Parteien und Anstalten, wie auch das Einberufen vorbereitender Versammlungen erwünscht“. Zum Jüdischen Kongreß in Rußiand. Das Zentral-Komitee der jüdischen Kriegsgesellschaft in Petersburg hat unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Sliosberg eine Beratungsversammlung für den jüdischen Kongreß in Rußland einberufen, an der die Vertreter folgender politischer und nationaler Vereine teilnahmen: Zionisten, jüdisch - kadettische Volksgruppe, demokratische Vereinigung, jüdisch-nationale Partei, die sozialistischen Parteien: Bund, S.-S., Poale-Zion und Sejmisten; ferner Zentral- Hilfs- und Kulturgesellschaften, Arbeiter-Gesellschaft, Hygienische Gesellschaft, Ica, Literatur-Historische Gesellschaft, Perez-Gesellschaft, Gesellschaft zur Pflege der hebräischen Sprache usw. Die erste Frage, ob die Einberufung eines Kongresses vom gesamten Judentum für das russische Reich noch vor Einberufung der russischen Konstituante nötig ist, wurde von allen Vertretern einstimmig bejaht. Als erster Redner sprach A 1 e i n i k o w im Namen der zionistischen Organisation. Seiner Meinung nach muß der künftige Kongreß alle Fragen des jüdischen Lebens behandeln. Wegen Mangels an einer zuständigen Insitution, die den Kongreß organisieren und die Tagesordnung ausarbeiten könnte, schlugen die Zionisten vor, eine provisorische Konferenz einzuberufen, welche den Organisationsplan und das Programm entwerfen soll. Dieser Vorschlag wurde von den Vertretern der nationalen Parteien und der demokratischen Vereinigung unterstützt, dagegen forderten die sozialistischen Parteien eine direkte und sofortige Einberufung des Kongresses. Eine lebhafte Debatte erregte die Frage über das Programm des Kongresses. Die Zionisten und andere nationale Parteien verlangten zuerst ein uneingeschränktes Programm und eine Ausarbeitung der Tagesordnung durch den Kongreß selbst. Die Mehrheit der Teilnehmer äußerte sich gegen diesen weitgehenden Vorschlag. Die demokratische Gruppe und die S.-S. schlugen vor, daß der Kongreß die Forderung des jüdischen Volkes formulieren und die innere Organisation des russischen Judentums und im Zusammenhang mit diesen Forderungen die innere Organisation des jüdischen Volkes bestimmen soll. Der Bund und die Volksgruppe verlangten eine Änderung des Ausdruckes „das jüdische Volk“. Im Namen der demokratischen Vereinigung sprach J e f r o i k i n und verlangte, daß auf dem Kongreß ausschließlich die Fragen der nationalen Selbstbestimmung, aber keine allgemeinen politischen Fragen behandelt werden sollen. Die Tagesordnung soll demnach lauten: 1. Die jüdischen nationalen Forderungen dem russischen Staate gegenüber. — 2. Die jüdische Gemeinde. — 3. Das jüdische Bildungswesen. — 4. Die Verteidigung der Rechte der Juden in anderen Ländern, wo sie noch keine Gleichberechtigung besitzen. Im Namen der Sejmisten äußerte sich S i 1 b erst e i n , daß es jetzt noch verfrüht sei, die Frage