Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1917-06-22 · 25 (22.6.1917) · p. Seite 281

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
25 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
Seite 281 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102967-9138106--01525-9074349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 25 Das Jüdische Echo 281 Srt halten, uVÜS selbs u b Antworte d; h. die iden, T04 Opiertod;eit, d. t seinen reist. M. Got;n ause dem seher id da :hes I kommt dt iau gleichfall 'd der Glaub , gewordene Haube an di iS dem Grat m Körper, ge/itümlichf der chris letztere a üntersttrhe unterscheid sie sich und der i ehre - i lessen Nie istentum i Jahrhunde mristlichen Jesu Lehre Reich Gotctr mensenhtigkeit und diesem zu ist nun. Ethik sämtmd sich mit hre decken, mm Gottes n siehe das eine allee- 13 Müncficii 'ostutnen tilungen n iJimen mein gültige Lehre. Nur an den Stellen, wo Jesus von dem nahe bevorstehenden, durch ihn selbst, den Messias eingeleiteten Gottesreich predigt, steht seine Lehre im Gegensatz zu den jüdischen Verheissungen, die das messianische Reich zu einer Zeit kommen sahen, da durch die allgemeine Erkenntnis Gottes die Menschen zu Glück und Frieden gelangt sein würden. (Vergl. das Gebet am Rosch haschanah.) Aber hier ist gerade eine Stelle wo sich christliche Mystik und christliche, aus dem Judentum übernommene Ethik von einander trennen. Uber den zweiten Hauptgedanken, den der Gotteskindschaft und den Wert der Menschenseele, wie er sich hauptsächlich im Vaterunser ausspricht, sagt der große Holländer Hugo Grotius: „Was aus den Schriften der Hebräer von manchen hierzu angeführt worden ist, lehrt uns, daß dieses Gebet nicht sowohl von Christus mit von ihm stammenden Worten verfaßt, als vielmehr aus dem zusammengestellt worden ist, was in den Gebeten der Hebräer ihm lobenswert erschien, so wie er auch in seinen Ermahnungen verschiedenfach von den in jener Zeit bekannten Sprüchen Gebrauch macht“. (Dies im einzelnen nachzuweisen, mangelt hier leider der Raum.) Ähnlich verhält es sich mit der besseren Gerechtigkeit und Liebe, die das Christentum predigen soll. Fast alle Gebote der Gerechtigkeit und Nächstenliebe finden wir bei den Propheten, besonders bei Jesaja, der gleich Christus den „geistig Armen“ das Himmelreich, den Trauernden Trost, denen die nach Gerechtigkeit verlangen Sättigung, den Friedfertigen und denen die reinen Herzens sind das Schauen Gottes und denen, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, Freude und Lohn im Himmel verheißt. Den überragenden Wert der Wohltätigkeit hatten schon die Propheten Hosea, Micha, Jesaja und die Sprüche Salomo verkündet, und die Schriftgelehrten hatten die persönlichen Liebeswerke allen übrigen Geboten der Thora gleichgestellt. Und was die gewaltige Bedeutung der Nächstenliebe betrifft, die erst durch Christi Lehre ihren gebührenden Rang erhalten haben soll, so sei auf die bekannte Erzählung von Hillel verwiesen, der dem Heiden den Kern des Judentums mit diesen Worten wies: „Was dir zuwider ist, das tue auch deinem Nebenmenschen nicht. Das ist der Inbegriff unserer Lehre, .das Übrige dessen Ausführung,“ Und jenes weitere eindringliche Gebot des Christentums, der Demut, finden wir in der von Jesus selbst gebrauchten Form im Talmud: „Wer sich selbst erniedrigt, den erhöht Gott, und wer sich hochstellt, den erniedrigt er,“ Unterschiede des Grades finden sch allerdings zwischen der Ethik Christi und der jüdischen Ethik. Christus verlangt das fast unmögliche: „Liebet eure Feinde!“ während das Judentum (Spr. Sal.) nur fordert: „Wenn deinen Feind hungert, speise ihn mit Brot, wenn ihn dürstet, gib ihm Wasser zu trinken, denn Kohlen scharrst du auf sein Haupt und der Herr wird es dir vergelten.“ Auch in der Demut geht Christus über die jüdische Lehre hinaus, fordert er doch auch Demut vor den Menschen („so dir jemand einen Streich auf die rechte Wange gibt, so halte ihm auch die linke hin“), während die Schriftgelehrten nur Demut vor Gott forderten. Ferner ist die Ehelosigkeit und die völlige Armut ein stärkerer Grad der Selbstüberwindung, als das alte Testament fordert, das im Gegenteil die Ehe als eine heilige, von Gott gebotene Einrichtung nennt und den glücklich preist, der die Mittel besitzt, den Armen zu spenden. Und statt der Empfehlung Jesu, die Sorge auf den kommenden Tag aufzugeben „gleich den Lilien auf dem Felde“, empfahlen die Sprüche der Väter den Wert der Arbeit. Sollte für das Empfinden eines modernen Menschen in diesen Gradunterschieden der Vorzug des Christentums vor dem Judentum liegen? Es erscheint, besonders wenn er die Ausführbarkeit der Forderungen bedenkt, kaum möglich. Fallen aber die genannten Unterschiede als unwesentlich fort, so zeigt es sich, daß die Ethik des Christentums mit der des Judentums fast völlig übereinstimmt. Ist dies aber der Fall, so ergibt sich von selbst die Frage: was veranlaßt einen dem Judentum Entstammten zu sagen, er stehe — mit Ausnahme des Dogmatisch-Mythologischen — auf dem Boden der Evangelien? weshalb erkennt er nicht, daß der Boden auf dem er steht, vor allem der geheiligte Boden der jüdischen Lehre ist? In der Tat: bevor Rathenau uns gesagt hat, was in seiner Auffassung die Lehre Jesu von der jüdischen Lehre unterscheidet, können wir nur annehmen, daß er im Christentum eine Fortbildung des Judentums deshalb sieht, weil er das Letztere wahrhaft kennen zu lernen nicht unternahm. Rathenaus Verbleiben im Judentum ist für dieses weder eine Huldigung noch ein Vorzug: geschieht es doch eigentlich aus Rathenaus Liebe zum Christentum, die so groß ist, daß er sie nicht durch Bindung an ein Dogma gefährden möchte. Wenn man in Betracht zieht, daß er in der Broschüre das Christentum als eine Fortbildung des Judentums bezeichnet (was freilich in einem nicht leicht aufklärbaren Gegensatz zu der an einer andren Stelle von ihm ausgesprochenen Ansicht steht, der Kern des Glaubens der Apostel finde sich am reinsten im Judentum erhalten), und sich klar macht, daß er dennoch verschmäht hat, die Konsequenz aus seiner Überzeugung von dieser „Fortbildung“ zu ziehen, so liegt es ferner nahe, auf dem Grunde seines Judebleibens einen gewissen Trotz zu suchen. „Trutzjudentum“ in schwächster Form! Freilich, selbst wenn er sich dieser Triebfeder bewußt werden sollte, ist es fraglich, ob er sich zum Judentum, dem er jetzt offenbar nur aus einer gewissen Trägheit des Herzens, einer Furcht vor der Entscheidung und, wie gesagt, aus einigem Trotz noch anhängt, jemals freudig bekennen würde. Denn er weiß es selbst, daß das Judentum neben der religiösen auch eine — er sagt soziale, wir sagen nationale Seite hat, und der Mann, der da glaubt, daß er aus dem christlichen Staat erwachsen ist, ist wohl der jüdischen Volksgemeinschaft schon zu weit entrückt, um jemals wieder die enge Verbundenheit mit ihr zu fühlen. Es sei denn, daß jemand käme, der ihn kraftvoll zu überzeugen verstände, daß Rathenaus Art zu denken, zu fühlen, zu schreiben und zu leben, sein Inneres und Äußeres ein Erbteil nicht des deutschchristlichen Staates, sondern des jüdischen Volkes ist, dem er entstammt, und daß diese Art ihre Berechtigung hat, neben der deutsch-christhchen Art fortzubestehen. H.H. C. UP A Bl bei den Inserenten fl II 1 t des Jüdischen Echos H

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.