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Das jüdische Echo · 1917-06-22 · 25 (22.6.1917) · p. Seite 280

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
25 (22.6.1917)
Date
1917-06-22
Page
Seite 280 (sequence 4)
Language
German
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280 Das .Jüdische Echo Nr. 25 teidigt oder ablehnt, sondern er ergriff die — ihm offenbar willkommene — Gelegenheit, der Öffentlichkeit mitzuteilen, wie er, Walther Rathenau, ganz persönlich zum Judentum und Christentum oder vielmehr zur christlichen Kirche und zur jüdischen Glaubensgemeinschaft steht. Über seine persönliche Stellung zum Judentum erfahren wir allerdings nicht direkt sondern indirekt etwas, und zwar dadurch, daß Rathenau seine Stellung zum Christentum präzisiert. Dies geschieht durch die beiden folgenden Stellen: 1. „Vielleicht haben Sie in meinen Schriften gelesen. Dann wissen Sie, daß ich auf dem Boden der Evangelien stehe.“ 2. „Ich will den christlichen Staat, denn auf seinem Boden sind wir und mit uns die gesamte abendländische Welt der Gedanken und Gefühle erwachsen.“ Also ein religiöses und ein nationales Bekennt« nis, das gleichzusetzen ist einer Absage an das Judentum. Im ganzen handelt es sich bei Rathenaus Schrift um den Versuch eines schon außerhalb des Judentums Stehenden, der den Unterschied zwischen dem christlichen Glauben und der christlichen Kirche klarstellt und die Gründe darlegt, die ihn verhindern, in eine der offiziell anerkannten christlichen Gemeinden einzutreten. Dieser — hauptsächlichste — Inhalt der Schrift geht uns als Juden nichts an, und tatsächlich sehen wir uns zu einem Eingehen auf sie veranlaßt nicht so sehr durch das was darin steht als durch das was nicht darin steht. In Rathenaus Schrift steht nämlich nicht, was er unter diesem Stehen auf dem Boden des Evangeliums versteht und wodurch es sich vom Judentum unterscheidet. Wohl erfahren wir, daß er sich im Dogmatisch-Mythologischen von der christlichen Glaubenslehre lossagt, „den Glauben der Evangelisten und Apostel“ als einen Glauben ansieht, der dem Judentum entsprossen und „vielleicht die allein mögliche Fortbildung seines ethischen Monotheismus“ ist; worin aber die Fortbildung besteht, verschweigt er uns, und dies ist eigentlich der allerwesentlichste Punkt. Rathenau sagt uns auch nicht, weshalb er den christlichen Staat will, und inwiefern der seines mystisch-dogmatischen Beweises entkleidete Kern der christlichen Religion sich auch im Staatsleben in einen solchen Gegensatz zum Judentum stellt, daß man von einem „christlichen“ Staat überhaupt sprechen kann. Wir erfahren nur, daß Rathenau selbst sich so völlig zum christlichen Deutschtum hinzurechnet, daß er sagen kann: „auf ihm (dem christlichen Staat) sind w i r erwachsen.“ Wir können daher mit Rathenau vom jüdischen Standpunkt aus gar nicht rechten, bis er uns verraten haben wird, worin denn seiner Ansicht nach der Gegensatz zwischen der Lehre Jesu und dem Judentum besteht. Bis wir einmal von Rathenau auf diese Frage eine Antwort erhalten, dürfte es von Nutzen sein, daß wir uns selbst wieder einmal diese uralte Frage zu beantworten suchen. Entkleiden wir zuerst, wie es Rathenau offenbar tut, das Christentum seiner Dogmen. Diese sind: 1. Die Annahme der Erbsünde, d. h. (zufolge der Augsburgischen Konfession) daß alle Menschen nach Adams Fall „ohne Gottesfurcht, ohne Gottvertrauen und mit der bösen Lust“ geboren werden, eine Sünde, für die alle, die nicht durch die Taufe und den heiligen Geist wiedergeboren werden, den ewigen Tod zu leiden haben. 2. Der Glaube an den Teufel. 3. Die Lehre von der Erlösung, d. h. die Befreiung der Menschen von allen Sünden, Toj3 und der Gewalt des Satans durch Jesu Opfertod. 4. Die Lehre von der Dreifaltigkeit, d. h. der Glaube an Gott, an Jesum Christum seinen eingeborenen Sohn und an den heiligen Geist. 5. Die Lehre von der Gnadenwahl. Gott habe im voraus einen Teil der Menschen auserwählt und einen Teil verworfen, „damit an dem Schicksal der Verworfenen die Erwählten sehen möchten, was auch sie verdient hätten und daß es die pure Gnade sei, der sie ihr glückliches Los verdanken.“ Zu diesen christlichen Dogmen kommt die christliche Mystik, zu der sich Rathenau gleichfalls nicht bekennen mag. Ihre Quellen sind der Glaube an Jesum Christum als den Fleisch gewordenen Sohn Gottes und Marias, und der Glaube an die Auferstehung des Menschensohnes aus dem Grabe nicht nur im Geiste, sondern auch im Körper. Diese den christlichen Kirchen eigentümlichen Dogmen und Mythen muß man von der christlichen Sittenlehre scheiden, um die letztere auf ihr Verhältnis zur jüdischen Lehre zu untersuchen. Freilich muß man auch hier streng unterscheiden zwischen der christlichen Lehre wie sie sich im Laufe der Zeiten herausgebildet hat und der ursprünglich von Jesus gepredigte Lehre — ein höchst schwieriges Unterfangen, aus dessen Nichtbeachtung zahllose Irrtümer über Christentum und Judentum entstanden und durch die Jahrhunderte weiteggeschleppt wurden. Stellen wir uns auf den Punkt des christlichen Gelehrten Harnack, so treten uns in Jesu Lehre drei Hauptmomente entgegen: 1. Das Reich Gottes, 2. Gott der Vater und der Wert der menschlichen Seele, 3. die bessere Gerechtigkeit und Liebe. Das Eigentümliche und für uns in diesem Zusammenhang hervorragend Wichtige ist nun. daß diese drei Hauptgedanken christlicher Ethik sämtlich dem Judentum entnommen sind und sich mit den Lehren der jüdischen Sittenlehre decken. Christi Wort, man könne doch nicht vom Gottesreich sagen: „hier oder da ist es, denn siehe das Reich Gottes ist inwendig in euch“, ist eine allge- Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 könlgl. bayer., königl. Württemberg,, grossherzogl. badische Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München.— Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München“. — Telephon-Nr.: 21774, 21775, 21776. Grobte Fabrik und Verleihanstalt dieser Art In Deutschland. Vorrat von über 60000 Kostümen aus allen Zeiten u. allen Landern. Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Militär-Abteilungen. Reiches Lager in Waffen und Ausrüstungen. Vollständig neuzeitlich eingerichtet und umgebaut. 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