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Das jüdische Echo · 1917-06-15 · 24 (15.6.1917) · p. Seite 272

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
24 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
Seite 272 (sequence 8)
Language
German
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272 Das Jüdische Echo Nr. 24 Ein Jüdischer Kongreß' in Rom. Ein Kongreß aller jüdischen Gemeinden und Vereine Italiens wird demnächst nach Rom einberufen werden. Auf dieser Tagung sollen nationaljüdische Fragen besprochen werden. Senatoren, Abgeordnete und einige Minister werden aufgefordert werden, dem Kongreß beizuwohnen. Der jüdische Kongreß in Amerika. Bei der Sitzung, in der das Datum des Kongresses auf den 2. September d. J. festgesetzt wurde, beschloß man gleichzeitig, den Wahltermin auf den 3. Juli anzusetzen. Für die Einberufung des Kongresses wird ein Betrag von 100 000 Dollar notwendig sein, der hauptsächlich zur Deckung der Reisespesen für die Delegierten verwendet werden soll. literarisches Echo Dr. Salomon Kassner. Die Juden in der Bukowina. R. Löwit Verlag Wien und Berlin 1917. K. 2.—. Zum ersten Male eine ausführliche Darstellung über die Juden der Bukowina. Eine Schrift zur Information des Westens. Sie bietet auch eine Schilderung der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Zustände des östlichen Kronlandes, dessen große Bedeutung für Österreich und die europäische Kultur überzeugend nachgewiesen wird. Hiebei wird auch die vorbildliche Lösung des Nationalitätenproblems im Buchenlande — wegen seines Völkerkonglomerates Klein-Österreich genannt —■ dem Westen verständlich gemacht. Die Schrift enthält im historischen Gewände so manchen bemerkenswerten politischen Hinweis und wird daher nicht nur von den Juden Bukowinern, sondern von jeden guten Österreicher, bei den Bundesgenossen, insbesondere in Deutschland, und auch von Politikern und Diplomaten mit großem Interesse gelesen werden. Feuilleton Jüdische Privaibriefe aus dem Jahre 1619. Unter diesem Titel erschien vor einigen Jahren ein von Dr. Alfred Landau und Dr. Bernh. Wachstein herausgegebenes Werk. In ihm sind 47 von Prager an Wiener Juden gerichtete Briefe vereinigt, die im Laufe weniger Tage geschrieben und wohl in den Wirren des dreißigjährigen Krieges aufgefangen wurden, worauf sie in das k. und k. Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien gelangten. Die Einleitung zu diesem Werk gibt interessante Aufschlüsse über den jüdischen Briefverkehr vergangener Jahrhunderte. Es heißt darin: Briefe und Briefsammlungen bilden einen ansehnlichen Teil der Literatur der Juden. Die Mehrzahl der gedruckten und handschriftlichen Briefsammlungen aus alter Zeit besteht jedoch aus literarischen Werken, die nur der Form nach zu den Briefen gehören. Dies gilt nicht nur von der ausgedehnten Rechtsgutachtenliteratur, die in diese Form gekleidete Entscheidungen über Fragen der religiösen Praxis enthält, sondern auch von den mit „Iggeret“ oder „Michtab“ überschriebenen Schriften, die religionsgesetzliche, ethische, exegetische und sonstige literarische Gegenstände behandeln. Wenn auch die Musterbriefsammlungen diesen Schriften entnommen sind, so sind sie doch auch in formaler Beziehung nicht als Beispiele von Briefen im eigentlichen Sinne, von Privatbriefen, anzusehen, nicht allein deswegen, weil in ihnen die höhere Bildung und die Verfeinerung des Geschmackes der Schreiber mehr oder weniger deutlich hervortritt, sondern hauptsächlich deshalb, weil' sie bald mehr bald weniger bewußt für die Öffentlichkeit geschrieben sind und daher als literarische und wissenschaftliche Hervorbringungen beurteilt sein wollen. Wenn nun auch in diesen Briefen der zeit- und sittengeschichtliche Hintergrund durchschimmert, so gewähren sie uns doch keinen solchen Einblick in die Zeitverhältnisse wie die Privatbriefe, die teils zu persönlich praktischen Zwecken, teils aus bloßem Mitteilungsbedürfnis geschrieben nur für den Empfänger bestimmt sind. Mit gutem Grunde hat sich daher das Interesse der Gegenwart diesen menschlichen Dokumenten zugewendet, aus denen uns nicht bloß das äußere Bild, sondern das Fühlen und Empfinden der Menschen vergangener Zeiten unmittelbar entgegentritt. Vor allem ist es das Verdienst des deutschen Kulturhistorikers G. Steinhausen, die briefgeschichtliche Forschung nicht nur angebahnt zu haben, sondern mit unermüdlichem Eifer und wachsendem Erfolge noch weiter auszubauen. Was uns besonders in die Augen springt, ist die hohe Schätzung der Gelehrsamkeit in der damaligen jüdischen Gesellschaft. Derselbe Mann, der mitten im Erwerbsleben steht, dessen Praktiken er alle kennt, hält seinem Sohn, der ihm durch seine Geldgeschäfte bittere Enttäuschung bereitet, eine derbe Strafpredigt, in der er den Handel mit den verächtlichsten Ausdrücken bezeichnet. Er kann sich gar nicht darein finden, daß sein vor kurzem verheirateter Sohn sich dem Handel, zu dem er ja später noch Zeit haben werde, und nicht dem Studium der Lehre hingibt. Notgedrungen erteilt er ihm allerdings gleichzeitig gute Ratschläge in Sachen des Geschäftes. Die Hauptsache ist ihm dieses aber nicht. Überhaupt ist dieser Brief Nr. 3, von einem ungelehrten Manne geschrieben, der ungeschminkt die Sprache seiner Natur redet, typisch für die Werte der damaligen jüdischen Welt. Diese Schätzung der um ihrer selbst willen, nicht zur Erreichung praktischer Zwecke betriebenen Gelehrsamkeit kommt auch in dem Bestreben zum Ausdruck, einen gelehrten Schwiegersohn zu gewinnen. Auf einen solchen wird förmlich Jagd gemacht. Die internationalen Handelsbeziehungen, an denen es den Juden nicht fehlte, werden ausgenützt, alle geschäftlichen Kniffe werden zu Hilfe genommen, um einen solchen vielversprechenden Jüngling einzufangen. Die ganze Familie, die durch den Eintritt eines gelehrten Mitgliedes an Ansehen gewinnt, tut dabei selbstverständlich mit. Der gelehrte Mann wird auch in seiner Abwesenheit respektvoll „Rabbi“ benannt. Ja sogar die nächsten Blutsverwandten bedienen sich dieser und anderer Titulaturen gelehrten Familienmitgliedern gegenüber. Diese Ehrfurcht vor der Gelehrsamkeit überträgt sich selbst auf die Bücher, die sehr verbreitet gewesen sein müssen, wenn sie in vermögensrechtlichen Auseinandersetzungen eine Rolle spielen und sogar als Zahlungsmittel gangbar sind. Dem Ungemach ausweichen, den jeweiligen Bedingungen sich anpassen — „Heil dem, der immer fürchtet“ — das sind die Mittel, deren sich diese Menschen bedienen, um sich nicht vom Leben verdrängen zu lassen. Inhalt des Lebens ist ihnen aber einzig und allein die geistige Arbeit. Wenn auch der Gegenstand ihrer geistigen Beschäftigung zumeist die von Geschlecht zu Geschlecht überlieferte und kommentierte Lehre ist. so würde

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