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Das jüdische Echo · 1917-06-15 · 24 (15.6.1917) · p. Seite 270

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
24 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
Seite 270 (sequence 6)
Language
German
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270 Das Jüdische Echo Nr. 24 dischen Lebens schreiten wird. Im Anschluß an das Arbeiterheim bestehen in Warschau auch jüdische Arbeiterkurse, über deren Tätigkeit genauere Daten vorliegen. Im Jahre 1916 wurden über folgende Gegenstände Kurse und Vortragszyklen abgehalten: Jüdisch. Polnisch. Deutsch. Mathematik, Geographie, Physik, Hygiene. Politische Ökonomie, Jüdische Geschichte. Die Kurse über die ersten vier Gegenstände wurden regelmäßig von über 300 Schülern besucht. Über Hygiene wurden 160 Vorlesungen mit 10 400 Schülern abgehalten; übdr Physik 130 Vorlesungen mit 7200 Zuhörern; Geographie 24 Vorlesungen mit 1500 Zuhörern; Ökonomie 20 Vorlesungen mit 1660 Zuhörern; Jüdische Geschichte 80 Vorlesungen mit 9125 Zuhörern; Geometrie 10 Vorlesungen mit 250 Vorlesungen. Außerdem wurden mehrere Vorlesungen über verschiedene literarische und soziale Themen abgehalten, die zusammen von 6600 Hörern besucht waren. In Lodz bestehen zwei Arbeiterheime und zwar im Zentrum und in der Vorstadt Baluty. Dem Finanzbericht über das Jahr 1916 entnehmen wir folgende Ziffern: In beiden Teehallen wurden ca. 64 000 Brotportionen ä 1U Pfund (145 000 unentgeltlich) und 460 000 Glas Tee (130 000 unentgeltlich) ausgegeben. Die billige Küche gab über 360 000 Mittagessen aus, davon 61 000 unentgeltlich, der Rest zu 3 Kopeken. Die Konsumgenossenschaft zählt 550 Mitglieder, konnte sich aber infolge der sehr schwierigen materiellen Lage der Arbeiter nicht recht entwickeln. Lebensmittel wurden für 7900 Rubel verkauft. Beim Arbeiterheim in Lodz bestehen auch Abendkurse für folgende Gegenstände: Jüdisch (450 Schüler), Polnisch (406), Deutsch (384), Mathematik (349), Hebräisch (110), Jüdische Geschichte (60), Naturgeschichte (70), Anatome (72), Politische Ökonomie (102), Geographie (48), Jüdische Literaturgeschichte (63), zusammen 2114 Schüler. Die wirkliche Anzahl der Schüler beträgt 758, so daß jeder Schüler durchschnittlich drei Gegenstände hörte. Die ersten vier Gegenstände wurden in je 3 Klassen unterrichtet, die wegen der großen Schülerzahl in je 2 oder 3 Abteilungen zerfielen. 312 Schüler haben im Jahre 1916 die Kurse absolviert. Die Anzahl der Lehrer ist 39, die alle ohne Entlohnung arbeiten. Außerdem haben die Arbeiterheime in Lodz einige Lesehallen und Bibliotheken, sie veranstalten besondere Vorlesungen, Vorträge, Theatervorstellungen und: leisten auch eine weitverzweigte gewerkschaftliche Arbeit. Die Einnahmen betrugen 76 163 Rubel, die Ausgaben 84 548 Rubel. Welt-Echo Anfrage.Warum erlaubt man dem„Bayer.Vaterland“ tagtäglich Verleumdungen und Verhetzungen gegen die jüdischen Mitbürger zu verbreiten? Es schreibt z. B. im (übrigens völlig unlogischem) Anschluß an einen Aufsatz der „Frankf. Ztg.“: „Woraus hervorzugehen scheint, daß die Juden den Krieg als in ihrem Interesse geführt betrachten. Und das dürfte ja, was das praktische Ergebnis betrifft, im großen und ganzen stimmen.“ Weshalb läßt man solche Hetzereien, die — in etwas versteckter Weise — sowohl die, welche seit bald drei Jahren im Heere kämpfen, wie auch die bereits für Deutschland Gefallenen und jene, die als Bürger daheim ihre Pflicht tun. vor dem Publikum zu verdächtigen suchen, jeden Tag durchgehen? Weshalb überläßt man es dem Publikum, aus dieser Duldung Schlüsse zu ziehen? Bayerische Lebensmittelversorgung. Durch eine neuerdings ergangene Minister-Entschließung ist nunmehr auch in Bayern Vorsorge getroffen, daß die rituell lebenden Juden an Orten ohne Schechita die Möglichkeit zum Bezüge von rituellem Fleisch erhalten. Ins österreichische Herrenhaus sind folgende jüdische Mitglieder neu berufen worden: Louis Freiherr von Rothschild, Chef des Bankhauses S. M. v. Rothschild. Bergrat Max Ritter v. Gutmann, Dr. Ph. Ritter v. Gomperz und Moritz Benedikt, der Chefredakteur und Herausgeber der „Neuen Freien Presse“. Der Hilfsbund für Soldaten jüdischen Glaubens bezweckt, aus Vereinsbeiträgen Mittel aufzubringen, um den im Dienste des Vaterlandes in ihrer Gesundheit beschädigten deutschen Feldzugsteilnehmern jüdischen Glaubens, welche rituell zu leben wünschen, Gelegenheit zu geben, in einem eigenen Heim innerhalb des deutschen Reiches Genesung und Erholung zu finden. Nachdem dieser Zweck in der Öffentlichkeit weiter bekannt geworden ist, hat der Reichsausschuß der Kriegsbeschädigtenfürsorge sich an den Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin gewandt, um seine Bedenken gegen die Durchführung des oben wiedergegebenen Zwecks mitzuteilen. Der Gemeindevorstand hat sich demgemäß über den Antrag des Reichsausschusses schlüssig gemacht und hat eine Kommission beauftragt, deshalb mit dem Hilfsbund in Verbindung zu treten. Es scheint dem Hilfsbund nicht bekannt gewesen zu sein, daß für rituell liebende Soldaten, die infolge Kriegsbeschädigung innerhalb des Deutschen Reiches Genesüng und Erholung suchen, bereits in ausreichender Weise durch eine entsprechende Einrichtung beim Roten Kreuz Fürsorge getroffen ist. Diese Einrichtung wird von der Abteilung IX der Bäder- und Anstaltsfürsorge der Deutschen Vereine vom Roten Kreuz unterhalten. Die Erledigung der Geschäfte der Einrichtung erfolgt durch einen Repräsentanten der jüdischen Gemeinde, welcher in jener Abteilung tätig ist. Leopold von Rothschild gestorben. Aus London wird der Tod von Baron Leopold de Rothschilds gemeldet. Leopold de Rothschild, der Sohn Lioneis Nathan de R., wurde im Jahre 1845 geboren. Am öffentlichen jüdischen Leben nahm er hervorragenden Anteil: er führte den Sitz der jüdischen Emigrationsgesellschaft, war Gabai des „Jewish Board of Guardian“ und wirkte viel für die Londoner Zentral-Synagoge. Auch war er Mitglied verschiedener jüdischer Institutionen, der „Anglo Jewish Association“, „United Synagoge“ und des „Board of Deputies“. Wegen seiner hohen gesellschaftlichen Verdienste wurde er von der englischen Regierung mit zahlreichen Orden ausgezeichnet. Er stand seiner Zeit in engen Beziehungen mit König Eduard VII. L. v. Rothschild huldigte den territorialistischen Ideen und unterstützte die Ito, an deren Spitze bekanntlich J. Zangwill steht, mit Rat und Tat. Er bekundete stets reges Interesse für die Geschicke der Gesamtjudenheit. Das Verbot der jüdischen Korrespondenz in Galizien. Hierüber schreibt das „Lemberger Tagblatt“: „Wir wissen nicht, inwiefern die hebräischen Schriftzeichen etwas so schlimmes began-

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