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Das jüdische Echo · 1917-06-15 · 24 (15.6.1917) · p. Seite 269

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
24 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
Seite 269 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 269 wollen wir hier bauen, sondern volle bürgerliche und nationale Rechte verlangen wir. Man wirft uns vor, daß wir die Auslandspresse beeinflussen wollen. Es ist endlich an der Zeit zu erklären: daß wir daran Interesse haben, daß unsere Forderungen von der europäischen öffentlichen Meinung unterstützt werden, so wie die Polen bezüglich ihrer Forderungen daran interessiert sind. Es ist bekannt, daß die Polen noch vor dem Kriege in allen größeren europäischen Hauptstädten Pressebureaus mit großen monatlichen Budgets unterhielten. Der Warschauer Stadtrat muß endlich begreifen lernen, daß ein Staat alle produktiven Kräfte des Landes braucht und deshalb keinen Unterschied zwischen den Bürgern machen darf. Was schadet es der Einheit des Landes, wenn ein Jude jüdisch spricht, jüdisch liest, in das jüdische Theater geht, wenn er nur arbeitet, Ware auf den Markt bringt, Arbeiter beschäftigt. Steuern zahlt und damit dem Lande dient.“ Eine Drohung. Die im allgemeinen über jüdische Fragen gut unterrichtete „Frankfurter Zeitung“ brachte kürzlich einen Brief aus Stockholm über die neue Lage der Juden in Rußland. In diesem stark tendenziösen Briefe heißt es: „Unter den neuen Verhältnissen äußert sich die zionistische Bewegung mit besondrem Nachdruck. Vom 7. Mai ab wurde in Petersburg ein allrussischer Zionistenkongreß abgehalten. Bereits früher ist gemeldet worden, daß die Zionisten auf einer Tagung in Odessa die Errichtung eines autonomen jüdischen Staates in Palästina forderten. Diese Forderung steht mit der bekannten Kriegszielerklärung Wilsons in einem unleugbaren Zusammenhang. Es ist verständlich, daß die Zionisten bestrebt sind, aus dem Kriegszustand zu gewinnen und ihr Ideal der Errichtung eines jüdischen Kulturzentrums in Palästina rasch und stark zu verwirklichen. Ob die Lage der in Palästina wohnenden Juden durch ein so kritikloses Eingehen auf die englische Kriegshetze erleichtert wird, ist freilich die Frage. Noch sind im Innern Rußlands, besonders in den südlichen Gouvernements, die Gefahren einer Gegenrevolution nicht völlig überwunden. Nach der Ansicht von Kennern der dortigen Verhältnisse können diese Gefahren in jedem Augenblick einsetzen, wo reaktionäre Kräfte zu einer Hetze gegen die Juden auffordern. Es ergibt sich daraus die Forderung einer vorsichtigen, äußeren Zurückhaltung des jüdischen Elementes in gewissen Fragen der innerrussischen Politik. Und auf dem ganz anderen Gebiete der äußeren Politik könnte ein offener, agitatorischer Anschluß der jüdischen Elemente an die extremen Kriegsziele der Feinde Deutschlands den allgemeinen Interessen der Juden bei den Mittelmächten und im Königreich Polen nicht förderlich sein.“ Es ist recht bedauerlich, daß die „Frankfurter Zeitung“ diesen Passus, der verzweifelte Ähnlichkeit mit einer Denunziation hat, aufgenommen hat. Der wirkliche Beschluß der zentralen Institutionen der zionistischen Organisation in Rußland lautete: „Der Kongreß soll noch vor der Einberufung der Konstituante abgehalten werden zwecks der Organisierung des Judentums zur Verteidigung seiner bürgerlichen und nationalen Vollb^echtigung und der im Zusammenhang mit der bevorstehenden Beendigung des Weltkrieges stehenden Lösung des Problems der Einheit des jüdischen Volkes auf Grund der Verwirklichung seiner historischen Rechte auf Palästina.“ Das ist etwas ganz anderes als „ein autonomer jüdischer Staat“, und es ist bedauerlich, daß die „Frankfurter Zeitung“, die ja das zionistische Programm kennt, eine solche Entstellung durchgehen ließ. Es ist auch schade, daß sie nicht einsah, daß hier in wenigen Sätzen der Versuch gemacht wird, die russischen Juden sowohl vor der türkischen und der russischen wie auch vor der deutschen und österreichischen Regierung bloßzustellen. Die — man muß wohl sagen: Aufforderung — an die Mittelmächte, den zionistischen Traum von einem Zentrum in Palästina als einen Anschluß „der jüdischen Elemente“ an die Entente aufzufassen und die Juden im Königreich Polen dafür büßen zu lassen, ist eigentlich zu plump und zu deutlich von judenfeindlicher Gesinnung beeinflußt, als daß ein Blatt vom Range der „Frankfurter Zeitung“ ihm hätte Raum gewähren sollen. Jüdische Ärbeiterheime in Polen. (J.A.K.) Zu den erfreulichen Erscheinungen des jüdischen Lebens in Polen in dieser schweren Kriegszeit gehört das Erstarken der Tendenz der Selbsthilfe in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung. Insbesondere ist diese Tendenz in der jüdischen Arbeiterschaft zu bemerken. Die verschiedenen Richtungen innerhalb derselben haben neben der politischen Tätigkeit auch auf dem Gebiete der Selbsthilfe Hervorragendes geleistet. In dieser Beziehung stehen die poale-zionistischen Organisationen mit in erster Reihe. In Warschau, Lodz, Siedlce, Wloclawek, Czenstochau und anderen Städten haben sie Arbeiterheime ins Leben gerufen, um die sich die politische, kulturelle, gewerkschaftliche und genossenschaftliche Arbeit konzentriert. Das Arbeiterheim in Warschau zählt ca. 1300 Mitglieder und besitzt folgende Institutionen: eine Filiale in der Vorstadt Praga, zwei Arbeiterküchen, die täglich 3000 Mittagessen ausgeben, drei Teehallen, zwei Lesehallen, eine Bibliothek, ein Arbeiter-Kinderheim (die Gründung eines zweiten ist in Aussicht genommen), eine Konsumgenossenschaft. Für die nächste Zeit ist die Eröffnung einer Arbeiter- Bäckerei geplant. Um das Arbeiterheim gruppiert sich eine Anzahl von Gewerkschaften, die zusammen ca. 4000 Mitglieder zählen und ein gemeinsames Zentralbureau der Arbeiterberufsvereine errichtet haben. Die Arbeiterheime haben auch einen Verlag gegründet, welcher in der allernächsten Zeit an die Herausgabe mehrerer Broschüren und eines größeren Sammelbuches mit Beiträgen über aktuelle Fragen des Sozialismus und des jü- B. Müllers Musikinstitut München Fraunhoferstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos.

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