Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 23 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- Seite 260 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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260 Das Jüdische Echo Nr. 23 hang mit der erwähnten Aktion des JNF folgende Resolution einstimmig gefaßt: „Die am 29. April in Scheveningen tagende Versammlung der Belgischen Zionistischen Föderation schließt sich, nach Anhörung des Referates des Herrn J. Oettinger über „Jüdische nationale Kolonisation in Palästina“ seinem Appell an, bei Zeiten die Durchführung eines großzügigen Planes nationaler Kolonisation auf der historischen Scholle des jüdischen Volkes in Palästina vorzubereiten. Die Versammlung erachtet es als eine der wichtigsten gegenwärtigen zionistischen Aufgaben, die erforderlichen großen Geldmittel für umfangreiche Bodenkäufe dem Jüdischen Nationalfonds, als dem für diesen Zweck geschaffenen Organ der zionistischen Bewegung, bereitzustellen. Die Versammlung beschließt, ein „Nachlah- Komitee“ der BZF zu bilden, mit der Aufgabe, größere Geldsummen für den Erwerb von Boden durch den Jüdischen Nationalfonds aufzubringen“. Literarisches Echo Erez Israel. Im ersten Heft der neuen, vom Hauptbureau des JNF im Haag herausgegebenen und allgemein begrüßten Zeitschrift „Erez Israel“ waren die Fragen der Palästinaarbeit im allgemeinen und insbesondere des Bodenbesitzes von berufenen Federn behandelt worden. Das soeben erschienene zweite Heft*) ist vornehmlich den Fragen der genossenschaftlichen Kolonisation, von der die Lösung des komplizierten Problems der jüdischen Arbeit abhängt, gewidmet. In dem umfangreichen Heft von 152 Seiten kommen eine Reihe von Männern der Theorie und Praxis zu Worte, die die Genossenschaftsmethoden nicht nur in Palästina, sondern auch in anderen Ländern studiert haben. Es werden die einzelnen Stadien und Formen der genossenschaftlichen Kolonisation erörtert; die Arbeits- oder Pioniergenossenschaften; die Pacht- und Siedlungsgenossenschaften, die Erfahrungen des Groß- und Kleinbetriebes in Ländern, wie Italien, Rumänien und Palästina. Die Erfarungen daselbst sind mit großen Opfern an Geld aber auch an Gesundheit und Leben seitens der jüdischen Pioniere erkauft worden, worüber ergreifende Schilderungen in Anlehnung an das bekannte „Jiskerbuch“ Aufschluß geben. In Würdigung der bisherigen Leistungen der Genossenschaften bei Übernahme und Sicherung des jüdischen Landbesitzes und ihrer Bedeutung namentlich für die Zeit nach Friedensschluß, wird mit überzeugenden Argumenten für den von der NF-Verwaltung beschlossenen Pionierbetrag geworben. Nach der Diskussion über die Genossenschaftsfragen, an der Ing. S. Kaplansky, Ing. Agr. J. Oettinger, Prof. Dr. Oppenheimer, Dr. Goldhammer. Harari, Agr. Wilkansky, teilnehmen, folgen ein Aufsatz von Julius Simon über Kapitalbedarf, Erbpacht und Nationalfonds und eine Buchbesprechung von Nehemia de Lieme „zur türkischen Agrarfrage“. Daran schließt ich ein reichhaltiger Literaturnachweis über Genossenschaftswesen und Kolonisation an. Der zweite Teil behandelt Organisations- und Propagandaangelegenheiten des JNF, darunter die jetzt aktuelle Landspende. Er enthält u. a. Beiträge von Justizrat Bodenheimer, Hugo Schachtel und Adolf Pollak. *) „Erez Israel“, 2. Heft, zu beziehen durch den Jüdischen Verlag, Berlin, zum Preise von Mk. 1.50. Die vornehm ausgestattete Sammelschrift ist wieder mit einer Reihe interessanter Illustrationen versehen und wird jedem ernsten Leser eine willkommene Bereicherung seines Wissens bringen. „Der Jude“. Eine Monatsschrift (Verlag R. Löwit, Wien) ist in seinen zweiten Jahrgang eingetreten. Heft 3 enthält die folgenden wertvollen Beiträge; Widersprüche von Hermann Glenn, Ethischer Impressionismus von Rafael Seligmann, Die jüdischen Gemeinden in Österreich von Max Rosenfeld, Idee und Organisation von Albrecht Hellmann, Zur Methodik des Hebräisch- Unterrichts in Westeuropa von Henoch Glanz- Sohar, Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen von Moses Schorr, Wie ich als Jude in der Diaspora aufwuchs von Eduard Bernstein, El odaun, alte chassidische Melodie. Zwei Gedichte von Ben Elieser. Außerdem eine Reihe wertvoller Bemerkungen, Daten und Materialien. Neue Jüdische Monatshefte. Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West, veröffentlicht ein Sonderheft: R. S.: Der jüdische Revolutionär in Rußland. Leo Rosenberg; Wege und Ziele des jüdischen Sozialismus in n 'ßland. Leo Chasanowitsch: Das neue Rußland das jüdische Proletariat. Dr. L. Bergmann: Die Emanzipation der Juden in Rußland. Scholem-Alejchem: Schmilik. S. Jonassohn: Der polnische Staatsrat und die Rechte der nationalen Minderheiten. Prof. Dr. Julius Hirsch: Die neuesten Veränderungen der jüdischen Wirtschaftslage in Ost- und Westeuropa. Umschau. Literaturblatt. Feuilleton Aus der Welt der Chassidim. Von Chaim Bloch-Delatyn. III. Geschichten vom Rabbi Mcische-Leib von Sassow. 1. Wann der Sassower log. In einem Dorfe unweit Sassow war eine Frau von Geburtswehen befallen und schwebte in Lebensgefahr. Daher schickte man einen Boten nach Sassow zum Rabbi, daß er für die Frau zu Gott bete. Der Bote kannte den Rabbi nicht, wußte auch nicht, in welchem Hause er wohnte, denn er war ein einfacher Jude, der nur selten das Dorf verließ. Es war eine kalte Winternacht, sehr finster, und als der Mann gegen zwei Uhr nachts nach Sassow kam, wußte er nicht, wohin er sich wenden sollte und war ganz ratlos. Nach einer guten Weile sah er von der Ferne ein Haus, in dem noch ein Licht brannte. Es war das Haus des Rabbi, der um jene Stunde das Mitternachtsgebet verrichtete und über die Verwüstung des Tempels und die Verbannung der Herrlichkeit Gottes in den Golus klagte. Der Mann ging auf das Haus zu, pochte ans Fenster und bat um Einlaß. Als der Rabbi ihm die Tür öffnete, fragte ihn der Mann, ob er ein Gasthaus habe, wo er übernachten könnte, was der Rabbi bejahte. Er gab dem Mann ein Gläschen Branntwein und etwas zum Beißen, denn er sah sehr erschöpft aus; sie tranken „zum Leben“. Der Rabbi fragte den Mann was ihn nach Sassow führte, und dieser erzählte ihm, daß eine gebärende Frau in Gefahr schwebe, und er daher sofort den Rabbi Mojsche-Lejb auf* suchen müsse; er wisse aber keinen Rat, da ihm die Wohnung des Rabbi unbekannt esi und er sich nachts bei niemandem erkundigen könne. Der Rabbi erwiderte ihm sanft: „Jetzt ist nach Mitter-