Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 23 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- Seite 259 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 259 dische Arbeiterschaft, betitelt „Krieg dem Kriege“. dem wir folgende Stellen entnehmen: ...„Genossen, Arbeiter! Lasset euch nicht abschrecken durch das Majofis-Geschrei unserer bürgerlichen Elemente, daß wir Juden uns nicht erheben dürfen zum Kampfe gegen den Krieg. Lasset Euren Mut und Eure Entschlossenheit nicht durch die sklavischen Behauptungen schwächen, wir Juden müßten nur patriotisch, still und bescheiden sein und den Kampf für Friede und Freiheit den anderen, den Nichtjuden überlassen. Genossen, lasset Euch nicht verführen von falscher Schwäche. Als Juden und als Bürger Amerikas haben wir die Pflicht, gegen Mord, Völkerwahn und Militarismus zu kämpfen .. Der Aufruf schildert dann in grellen Farben die Folgen des Kriegszustandes, Vernichtung von Menschenleben, politische Reaktion, militärische Diktatur, Zensur, die Gefahr der Militarisierung Amerikas, ferner die Vernichtung der kulturellen und zivilisatorischen Errungenschaften von Jahrhunderten und die moralische Zerrüttung großer Kreise der Bevölkerung. Er fährt dann fort: „Die Interessen des Volkes sind höher als alle abstrakten diplomatischen Formen, als die Interessen der Waffenfabrikanten und Kriegskapitalisten. Die nationale Ehre Amerikas hat nichts zu gewinnen vom Kriege, sie kann bloß verlieren, wie der Krieg auch enden möge, denn auch beim besten Ausgang des Krieges bleibt immer das Volk der verlierende Teil. Genossen, Arbeiter! Helft dem Volke, sein heiliges Recht gegen die Intriguen und Hetzen der Wallstreet erkämpfen. Die Frage, Krieg oder Frieden, soll nicht im Weißen Hause entschieden werden und nicht von den bürgerlichen Politikern im Kongresse, sondern durch ein allgemeines Referendum. Genossen, Arbeiter! zersplittert nicht Eure Kräfte durch die Aufstellung besonderer Forderungen und Losungen, sondern vereinigt Euch alle wie ein Mann für eine Losung und eine Forderung. für die Forderung des allgemeinen Referendums auf Krieg und Frieden.“ Jüdische Arbeit in Rußland. Das Zentralkomitee der russischen Zionisten hat einen neuen Aufruf an das jüdische Volk in Rußland veröffentlicht. Nachdem das Gleichberechtigungsdekret in seiner Bedeutung für die geistige und politische Entwickelung des russischen Judentums in begeisterten Worten gewürdigt wird, heißt es: „Die Beseitigung der Ausnahmegesetze, die Vernichtung der Rechtlosigkeit ist nur der verneinende Teil unserer Volksarbeit. Hierauf muß aber der schöpferische, positive Teil folgen: die Schaffung eines jüdischen Volkslebens im freien Rußland. Die Gleichberechtigung entscheidet die Frage des jüdischen Individuums, aber nicht das Problem des jüdischen Kollektivs, die bürgerliche — aber nicht die nationale Frage. Freie, gleichberechtigte jüdische Bürger können verknechtet und versklavt bleiben als Mitglieder der jüdischen Nation. In den westeuropäischen Staaten ist den Juden die Gleichberechtigung eben mit der Bedingung der Abkehr von ihrer Nationalität verliehen worden. In Rußland ist es nicht so und es wird niemals so sein. Niemand verlangt von den Juden ein Aufgeben ihrer Nationalität, niemand stellt das russische Judentum vor die Alternative: entweder Gleichberechtigung, aber mit der absolutem Bedingung der Selbstvernichtung und Assimilation, oder aber die Erhaltung der Nationalität bei Unterdrückung und Rechtlosigkeit. Das Judentum in Rußland wird anerkannt als eine Nation. Diese gesellschaftliche Anerkennung muß zu einem staatsrechtlichen Faktum werden. Zwischen den territorialen Völkern Rußlands muß das exterritoriale jüdische Volk seinen gebührenden Platz einnehmen. Gleich allen Völkern der freien russischen Demokratie muß auch das jüdische Volk die Wohltaten der Dezentralisation genießen, muß das Recht zur freien Organisierung seines inneren Lebens bekommen, die Garantie zur Vertretung in den zentralen und lokalen gesetzgeberischen Körperschaften und Verwaltungen, das Recht zum freien Gebrauch seiner Sprachen in Schule und Leben. Ein jüdischer Kongreß, einberufen noch vor dem Zusammentreten der russischen Nationalversammlung wird die Aufgabe haben, die Forderungen des organisierten jüdischen Volkes festzulegen und bei der russischen Nationalversammlung durchzusetzen. Wir gehen dem Kriegsschluß entgegen ... Das Prinzip der nationalen Selbstbestimmung entwickelt sich allmählich zum eigentlichen Kriegsziel der Nationen. Es naht der Moment, in dem das vereinigte jüdische Volk vor den Rat der Völker das Problem seiner territorialen Besitzlosigkeit, das Problem dtar Freiheit und seines Rechtes auf eine normale nationale Entwicklung bringen wird. Es naht der Moment, von dem das Judentum durch Generationen geträumt hat, in dem aus dem Meere von Blut, Tränen und beispiellosen Leiden die neue Welt entsteht. In dieser neuen Welt muß die jüdische Nation ihr Heimatland bekommen, das Recht zur Schaffung eines normalen freien Lebens in Palästina...“ Der Aufruf schließt: „Wir appellieren an das russiche Judentum, sich zu vereinigen zwecks Organisierung freier Formen des nationalen Lebens in Rußland. Wir rufen das jüdische Volk in Rußland1 zum Kampfe für die Vereinigung mit dem Judentum der ganzen Welt auf, um das nationale Zentrum für die Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina zu schaffen.“ Henrik Glizenstein. der bekannte jüdische Bildhauer, der sich seit Beginn des Krieges in Polen aufhält und sein Atelier nach Warschau verlegt hat, veranstaltet gegenwärtig eine Rundreise durch die größeren und kleineren Städte Polens, um jüdische Kunstgegenstände ausfindig zu machen. Auch wird Glizenstein die Friedhöfe zum Studium der Grabinschriften besuchen. Nachlah-Spende. Die Verwaltung des JNF hat in einigen Ländern eine Aktion begonnen, die die Aufbringung größerer Kapitalien für die Realisierung seiner kolonisatorischen Pläne nach Friedensschluß zum Ziele hat. Zu diesem Behufe wurde ein neuer Spendentypus .Nach Iah“ genannt, in Höhe von 4000 Mark, 5000 Kronen, bezw. 5000 Franken festgesetzt, die die Durchschnittskosten für den Bodenanteil einer Ansiedlerfamilie darstellen. Die Belgische Zionisten-Föderation, die kürzlich zu einer Tagung zusammentrat, hat im Zusammen- Für das Vaterland starb unser lieber a. B. PETER STERN cand. med. Sanitätsgefreiter in einem Garde-Inf.-Regt. Die Verbindung im K. .1. V. „Jordania“. München i. A.: Dr. L. Wassermann.