Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 23 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- Seite 256 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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256 Das Jüdische Echo Nr. 23 Alle diese Nachrichten haben Proteste von verschiedenen Seiten hervorgerufen. Die Kopenhagener Zeitungen enthalten Protesterklärungen der russischen Poale Zion und des Jüdischen Hilfskomitees in Kopenhagen. Die englische Regierung hat amtlich eine Depesche aus Alexandrien verbreitet, welche Folgendes besagt: „Während Pessach wurde die ganze jüdische Bevölkerung von Jaffa nach Norden ausgewiesen, Häuser und Eigentum geplündert, fliehende Bevölkerung wurde unter stillschweigender Zustimmung der türkischen Behörden beraubt. Juden, die bei der Plünderung Widerstand leisteten, wurden gehängt. Tausende wandern , hungernd und hilflos auf den Landstraßen, die Überfüllung der Kolonien vermehrt Elend und Krankheiten. Massen junger Juden aus Jerusalem wurden nach unbekanntem Bestimmungsort deportiert. Es droht zwangsweise Räumung der Kolonien. Englische Behörden begünstigen Bildung spezieller Lokalkomitees, um Hilfsgelder für jüdische Bevölkerung zu sammeln, deren Lage jammervoll ist." In den letzten Tagen sind noch einige Erklärungen von deutscher Seite erschienen, u. a. ein Bericht über eine Unterredung des Konstantinopeler Vertreters der „Frankfurter Zeitung“ mit dem Qroßrabbiner der Türkei, der folgendermaßen lautet: Der Großrabbiner Haim Nahum Effendi ist ein Mann von 47 Jahren, kaum mittelgroß, aber breit gebaut und von aufrechter Haltung, mit dunklem Vollbart, der Kinn und Wangen verdeckt; seine intelligent blickenden Augen deuten auf natürlichen Verstand und rasche Auffassungsgabe. Haim Nahum stammt aus Magnesia. Sein Vater war halb Kaufmann, halb Talmudgelehrter. Er trieb von seinem 11. bis 15. Jahre rabbinische Studien in Tiberias, erlernte dort auch das Arabische, kam später nach Smyrna, um in dem dortigen Lyzeum sich modernes Wissen anzueignen. Unter seinen Schulkameraden befanden sich viele der jetzt hier maßgebenden Elemente. Hierauf besuchte er die Rechtsfakultät in Konstantinopel und kam dann nach Paris. In der französischen Hauptstadt verweilte er 6 Jahre. Er erhielt im Rabbinerseminar des französisch-israelitischen Konsistoriums seine Ausbildung und studierte zugleich an der Sorbonne. Neben den rabbinischen Studien widmete er sich hauptsächlich denen der orientalischen Sprachen zur Erforschung des Falaschas, eines schwarzen Stammes, der teils durch Vermischung, teils durch Übertritt zur Annahme jüdischer Religionsformen gelangt zu sein scheint. 1907 wurde er in besonderer Mission nach Abessynien gesandt. Die Umwälzungen in der Türkei 1908 ließen ihn nach Konstantinopel zurückkehren, wo er kurze Zeit darauf die Würde eines Großrabbiners erlangte. Seine Beziehungen zur herrschenden jungtürkischen Partei, welche ihm großes Vertrauen bezeugt, sind ausgezeichnet. Der Giroßrabbineff gewährte mir 'heute einie Unterredung. Ich wollte von dieser kompetentesten Persönlichkeit über die zahlreichen Gerüchte von Judenverfolgungen in Palästina, welche hauptsächlich von französischen und englischen Agenturen verbreitet werden, sichere Auskunft erhalten. Der Großrabbiner ging ohne viele Umschweife auf den Gegenstand selbt ein. Durch einen an ihn gerichteten Brief des Rabbiners von Jaffa, der etwa drei Wochen alt ist, hatte er vernommen, daß die Stadt Jaffa aus miitärischen Gründen geräumt wird. Diese Räumung erstreckte sich auf die gesamte Bevölkerung ohne Unterschied der Rasse und Religion. Die jüdische Bevölkerung, welche Unterkunft Sn den anderen Kolonien suchte, hatte natürlich hierunter zu leiden. Bei der notwendig gewordenen Maßregel war es nicht möglich gewesen, sofort alle iür den Abtransport; erforderlichen Transportmittel in vollem Umfange zur Hand zu hauen. Gleich nach dem Eintreffen dieser Nachricht habe er, der Großrabbiner, Verhandlungen mit der kaiserlichen Regierung aufgenommen. Diese stellte unmittelbar den Betrag von hunderttausend Pfund zur Erleichterung des Loses der durch die Räumung betroffenen Bevölkerung zur Verfügung. Der Großrabbiner fügte jedoch mit erhobener Stimme hinzu, daß die Meldungen der feindlichen Agenturen, wrelche von Vexationen und Massakres zu berichten wissen, absolut jeder Grundlage entbehren. Würde dem wirklich so gewesen sein, so hätte er es dur;h direkte oder indirekte Berichte aus Palästina ertahren müssen. Die kaiserliche Regierung und ganz besonders der Croßwesir Talaat Pascha hätten zu jeder Zeit das größte Wohlwollen dem jüdischen Element gegenüber gezeigt. Sie würden niemals, das könne er feierlich beteuern, Gewaltakte der von feindlicher Seite gemeldeten Al t geduldet haben. Was die Stadt Jerusalem anbelaugt, so betonte der Großrabbiner mit Nachdruck, daß sie niemals geräumt wrorden sei, und er glaube versichern zu können, daß sie auch nicht geräumt werden würde. Von den in Jaifa getroffenen Maßregeln glaube er, daß die Regierung allen denjenigen Elementen, wercne zurückkehren wollen, jede mögliche Erleichterung gewähren wolle, um ihr Haus und Hof wieder zu erreichen. Die „Jüdische Rundschau“ das Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland erhielt eine direkte Nachricht aus Palästina, die den Sachverhalt folgendermaßen klarstellt: Auf Grund besonderer Berechtigung bleiben in Jaffa zurück gegen 30 Juden, unter denen zwölf Wächter für das jüdische Stadtviertel Tel-Awiw, wo alles bis jetzt unversehrt ist und die Gärten gepflegt werden. Laut Verordnung durften in den jüdischen Kolonien die Ackerbauer mit Familien, die Pflanzungsbesitzer ohne Familienangehörige Zurückbleiben, jedoch wurde die Verordnung ohne Strenge angewendet, so daß die meisten Kolonieeinwohner auf Grund landwirtschaftlicher Beschäftigung Aufenthaltsitecht erlangen konnten. Nur etwa 600 Personen mußten die Kolonie verlassen. Von den 8000 bis 9000 jüdischen Einwohnern Jaffas, welche Jaffa verlassen mußten, befinden sich über 3000 in Untergaliläa, über 1000 in Petach-Tikwah. 1000 in Kfarsaba, der Rest verstreut über judäische Kolonien, Samaria, Obergaliläa und Städte. Bei dem zunächst nach Petach-Tikwah gerichteten Auszug aus Jaffa halfen jüdische Wagen aus Galiläa; die Wagenfahrt wrar infolge des gegenwärtigen Futterpreises sehr kostspielig; bei der LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL-DAMEN -SALON NUR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN UND HERREN Parkhotel Mayimiliansplatz 21 SPEZIflLllflT: Künstlerisch ausgeführte ERSRTZ. FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz Voll u.ganz angepaßj