Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 23 (8.6.1917)
- Date
- 1917-06-08
- Page
- Seite 255 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 255 sondern indem man sie auf jüdischer Basis für das Staatsbürgertum vorbereitet. Man hat dies in solchem Maße verstanden, daß sogar in den sozialen Instituten der amerikanischen Großstädte, die von Christen geleitet werden, jidisch gesprochen wird, die jüdischen Schriftsteller gelesen, die jüdischen Feste gefeiert werden — und nicht etwa mit versteckten Missionsabsichten, sondern einfach aus der Erkenntnis, daß der jüdische Einwanderer, der sich im neuen Lande von allem was ihm und seinen Vorfahren heilig war, plötzlich losgerissen sieht, entweder! Idemoral'iisieren oder das Land, das ihn seinem Judentum entfremdet hat, hassen lernen muß. Wenn diese Entwicklung bei uns in Deutschland vielfach eintritt, so trifft die Schuld nicht den Einwanderer selbst, sondern die jüdischen Gemeinden Deutschlands, die nichts dazu tuen, dem Deutschen Reich und dem Judentum wertvolle Menschen zu erziehen, die ihre Aufgabe im „Kultus“ und der Abwehr des Antisemitismus erschöpft glauben, aber nichts dazu tuen, dem Antisemitismus — soweit er durch die demoralisierenden Zuwanderer gekräftigt wird — den Boden zu entziehen. Wenn die deutschen Juden ihre Verpflichtungen gegen die Einwanderer aus dem Osten endlich erkannt haben werden, dann werden sie eine stärkere Zuwanderung nicht mehr zu fürchten haben, denn einwandernde Ostjuden, die auch hier jüdische Kulturwerte empfangen, werden keineswegs so tief unter den Westjuden stehen wie diese sich einbilden. In vieler Beziehung darf man sogar sagen: im Gegenteil! H. H. C. Die Evakuierung von Jaffa. In der deutschen und ausländischen Presse sind zahlreiche Berichte über die Vorgänge bei der Evakuierung Jaffas erschienen, von denen wir nachstenhend einige mitteilen. Das Wolffsche Bureau verbeitete am 19. Mai durch die Presse Folgendes: Das Schicksal der Juden Palästinas. Zu den in letzter Zeit durch die Auslandspresse verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenverfolgungen in Palästina erhält der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin von einem seiner Vertreter in Palästina das nachstehende Telegramm: Der Bezirk Jaffa ist von der ganzen Bevölkerung aus militärischen Gründen geräumt worden, wobei jedoch der landwirtschafttreibenden Bevölkerung der Verbleib gestattet wurde. Aus der Stadt Jaffa selbst mußten die Bewohner, darunter auch etwa 7000 Juden, auswandern, die zunächst in der 18 Kilometer nördlich gelegenen Kolonie Petach-Tikwah Aufnahme fanden und vön dort aus allmählich weitergezogen sind. Da die Leute bei dem Mangel an Transportmitteln nur wenig von ihrer Habe mitnehmen könnten, und da vereinzelt Ausschreitungen vorgekommen sind, herrscht unter ihnen begreifliche Not, die hohe Anforderungen an die Wohltätigkeit der jüdischen Kolonien und Organisationen stellt. Der türkische Oberkommandierende Djemal Pascha hat zu helfen gesucht, indem er mehrere tausend Pfund als Darlehen gab. Er hat auch auf Ansuchen die Durchführung der Räumung wegen des Pessachfestes um zwei Tage verschoben. Da die Leute teilweise zu Fuß gehen und im Freien übernachten mußten, sind infolge Erschöpfung, Seuchen und Unglücksfällen vereinzelte Todesfälle — vier Fälle sind bisher bekannt geworden — vorgekommen. Weitere übertriebene Nachrichten sind unrichtig. Die Räumung Jerusalems ist nicht angeordnet worden,“ Dagegen verbreiteten Reuter und Agence Havas folgende beunruhigende Berichte, welche aber durch vorstehendes Dementi als widerlegt anzusehen sind. Am 20. Mai meldete Havas Folgendes: „Die Flüchtlinge aus Palästina teilen mit, daß das Land verwüstet ist, daß Hunderte von Christen von Kurden massakriert und Frauen und Mädchen in die Sklaverei verschleppt wurden. In Jaffa und in der Umgegend von Jaffa sieht man überall rauchende Trümmer. In Galiläa wurden dieselben Grausamkeiten begangen. Tausende von Menschen sterben, aus Schwäche. Das Gerücht ist verbreitet, daß allgemeine Metzeleien in Judäa, Nazareth, Jerusalem und Kapernaum stattfanden “ Der „Temps“ vom 10. Mai brachte folgenden Bericht: „Nach dem Daily Telegraph ist die Lage in Palästina äußerst ernst. Die Räumung Jaffas, welche Anfang April unter dem Vorwand, daß es sich um eine militärische Maßnahme handle, von den Türken angeordnet worden war, war in Wirklichkeit eine gegen die jüdische Bevölkerung gerichtete Vertreibung. In der Tat bekamen die mohammedanischen und christlichen Einwohner die Erlaubnis, in der Stadt zu bleiben, aber alle Juden einschließlich der deutschen, österreichisch-ungarischen und bulgarischen Juden mußten die Stadt verlassen. Auch aus Jerusalem wurden 300 Juden mit der größten Grausamkeit deportiert. Die 8000 aus Jaffa deportierten Juden konnten nichts mitnehmen, und ihre Häuser wurden sogar noch vor ihrer Abreise von den Türken geplündert. Zwei Juden aus dem Yemen wurden gehängt, nur um den anderen zu zeigen, welches Schicksal sie erwartete, wenn sie dem Auswanderungsbefehl Widerstand leisteten. Andererseits meldet eine Depesche aus London vom 8. Mai, daß die jüdischen Kreise in England in lebhafter Besorgnis um das Schicksal ihrer Glaubensgenossen in Palästina sind, wo sie von den Türken mißhandelt werden. Ihre Situation ist seit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg schwieriger geworden, weil die Vereinigten Staaten bisher versucht hatten, die Juden zu schützen. Von neutralen Ländern, die ihnen zu Hilfe kommen könnten, bleibt nur Holland und Spanien. Und mit Rücksicht auf die geringe Zahl der spanischen Juden glaubt man nicht, daß Spanien dies übernehmen will. Was Holland betrifft, so wird erklärt, daß seine Intervention kein Resultat ergeben würde.“ Ähnliche Nachrichten sind auch im „Manchester Guardian“, in Herveys „Victoire“, in anderen englischen und französischen Blättern, sowie auch in der Presse der Schweiz, Hollands und Skandinaviens erschienen. Ferner meldeten einige französische und schweizer Blätter, daß auch Jerusalem geräumt sei. „ESKft" KLEINKÜNST- VERSRMD MüriCHEhps”,T Ausstellung aller Zweige des Klelnkunst-Qewerbes liiiiiiitiiHiiiiiiiuiiiiiüiiiiiiuitiiiiiifiiuiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiuiiiuüiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiii