Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 22 (1.6.1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- Seite 249 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9072829-9102967-9138103--01490-9074314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22 Das Jüdische Echo 249 die höchststehende Kritik der Welt hat ihre schwachen Stunden. Was also mußte sie tun, als sie jenen Artikel im „März“ gelesen? An ihre Brüste schlagen: „Wir sind auch nur Menschen, wir können den Juden nicht leiden . . Keiner hats getan. Sie waren die Vorurteilsfreien, Erhabenen, Vornehmen, was weiß ich . . . weißgekleidete Fräulein, deren Jungfernschaft man widerrechtlich in Zweifel gezogen hatte. In erster Instanz, wie gesagt, sind sies geblieben. Vor der zweiten aber noch könnte ein unfreundlicher Nordwind sich erheben und das Blütenweiß von den Ästen fegen. Und auch dann, wenn die zweite Instanz eine objektive Beleidigung feststellen sollte, könnte durch die dicke Münchner Atmosphäre ein frisches Lüftchen wehen. Und auch in diesem gutgläubigen Publikum Zweifel erwecken, ob die Herren, Dillmann, Ehlers. Mauke und der Rest nicht besser in anderen Berufen sollten verwendet werden. Welt-Echo Der Verband der iüdischen Jugendvereine Deutschlands hielt am 17. Mai d. J. in Berlin eine aus allen Teilen des Reiches stark besuchte Vorstandssitzung ab, an der zahlreiche Vertreter der Qroßloge für Deutschland VIII U.O.B.B., des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. des Jüdischen Frauenbundes, des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes, des Verbandes der Jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich, des Rheinisch-Westfälischen, des Westdeutschen und Mitteldeutschen Bezirksverbandes jüdischer Jugendvereine teilnahmen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand der Antrag der Verbandsleitung, eine Verständigungsgemeinschaft sämtlicher jüdischer Jugendorganisationen Deutschlands herbeizuführen. Dieser Antrag wurde einstimmig mit großer Begeisterung angenommen. Alle Jugendorganisationen jedweder Richtung sollen gebeten werden, von Zeit zu Zeit Vertreter zu einer Konferenz zu entsenden, die den Zweck hat, die Leiter und Mitglieder der verschiedenen Verbände einander näher zu bringen. Bei voller Würdigung der Selbständigkeit der Organisationen und bei peinlicher Respektierung der abweichenden Anschauungen sollen Verständigungsmöglichkeiten gesucht werden, die nach Wunsch des Jugendverbandes allmählich zu einem gemeinsamen Arbeitsprogramm, zur Vermeidung unnötiger Konkurrenzkämpfe und zur Läuterung des jüdischen Parteikampfes in Deutschland führen sollen. Die Notwendigkeit eines geschlossenen Auftretens des deutschen Judentums wurde auf der Tagung betont. Die Kongreßbewegungen der Juden aller Länder wurden einer eingehenden Würdigung unterzogen. In einer scharfen Resolution nahm der Verband Stellung zu den bekannten antisemitischen Vorkommnissen in Deutschland, die er umso schmerzlicher empfindet, als fast seine sämtlichen männlichen Mitglieder unter den Fahnen stehen und ein erheblicher Bruchteil der Verbandsangehörigen den Tod auf dem Schlachtfelde erlitten hat. Das Vorgehen des Verbandsvorsitzenden, der an anderer Stelle eine gemeinsame Aktion der deutschen Juden angeregt hat, wurde einstimmig gebilligt und zur Verbandssache erklärt. Eine Berichterstattung soll später erfolgen. Die Geschäftsführerstelle des Verbandes soll neu besetzt werden, da Frl. Dr. Cora Berliner infolge anderweitiger Inanspruchnahme nicht mehr in der Lage ist, den Posten hauptamtlich auszufüllen. Das starke Anwachsen des Verbandes und die erhöhte Bedeutung der jüdischen Jugendpflege bedingen die Anstellung einer Kraft, die sich ganz dem Verbände widmet. Die Stelle soll öffentlich ausgeschrieben werden. Vertieftes jüdisches Wissen, Rednergabe und organisatorisches Geschick werden zur Voraussetzung der Anstellung gemacht. Bewerber möchten sich unter Beifügung ihres Lebenslaufes und unter Angabe von Referenzen an die Geschäftsstelle des Verbandes wenden. Zu Beginn der Tagung, die sich im übrigen noch mit der Frage der Einberufung eines Delegiertentages und einer Satzungsänderung befaßte, fand eine Gedächtnisfeier für die gefallenen Verbandsmitglieder und zu Ehren Siegfried Brünns statt, dessen Todestag sich jährte. Pessach-Feier Im Kriegsgefangenenlager. Anläßlich des Pessach-Festes ist im Douglas Aliens- Camp, in dem zirka 600 Juden interniert sind, unter der Redaktion von Herrn M. Frostig (Lemberger Tagblatt) und im Verlage des Herrn I. Stalheim (Krakau) ein 12 Seiten langes „Gedenkblatt jüdischer Kriegsgefangener, Pessach 1917“ erschienen. Aus dem Inhaltsverzeichnis: „Geleitwort“ (Frostig), „Jüdisches Lager“ (James Wolf). „Unsere koschere Küche (Martin Breslauer), „Gedenken“ Gedicht (Leopod Zucker), „Galizianer“ (M. Frostig), „Die deutschen Juden“ (Gustav Roseman), „Ungarische Juden“ (Alexander Lederer), „Zionismus im Lager“ (L. Gottlieb). Wie wir erfahren, hat sich Fräulein Trude H e r z 1, die jüngste Tochter Theodor Herzls, am 23. April in Wien mit Herrn Richard Neumann vermählt. Die städtische israelitische Schule in Köln wird in einigen Wlochen ihr neues, schönes Heim in der Lützowstraße beziehen. Wenn die Stadt Köln schon seit Jahren wahrhaft vorbildliche Parität übte, indem sie die städtische jüdische Schule zu einem großen vierzehnklassigen Schulorganismus ausbaute, so dürfte Köln auch jetzt wieder in ganz Deutschland die erste Stadt sein, die einer so reich gegliederten jüdischen Schule ein ihrer Größe entsprechendes, allen neuzeitlichen Anforderungen gerecht werdendes Gebäude errichtet hat. Infolge des Krieges hat sich der Einzug in das neue Schulgebäude verzögert. Zunächst hatte unmittelbar nach ihrer Vollendung die Schule als Lazarett gedient. Nun sollten in einem Teile des Schulgebäudes Klassen eines daran grenzenden städtischen Lyzeums, dessen Neubau während des Krieges nicht ausgeführt werden konnte, untergebracht werden. Daß dies vermieden wurde, daß in dem Widerstreit der Pflichten, in den die städtische Verwaltung geraten war, die Entscheidung zugunsten! der israelitischen Schule fiel, ist dem tatkräftigen Eingreifen der maßgebenden Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde zu verdanken. (Die jüdischen Gemeindevorstände von Köln scheinen in der Tat der Frage jüdischer Jugenderziehung ein rühmliches und nachahmenswertes Interesse entgegenzubringen! D. Red.) Von der Kriegskommission für rituelle Lebensmittel. Auf Veranlassung des Herrn Präsidenten des Kriegsernährungsamtes ist zu seiner Unterstützung in allen die rituell lebende jüdische Bevölkerung betreffenden Lebensmittelfragen die „Krlegskommission für rituelle Lebensmittel in