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Das jüdische Echo · 1917-06-01 · 22 (1.6.1917) · p. Seite 247

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
22 (1.6.1917)
Date
1917-06-01
Page
Seite 247 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 22 Das Jüdische Echo 247 'Um gungsziffer aufweisenden Jahren überstieg die Anzahl der Juden an der eigentlichen revolutionären Bewegung ihren Bevölkerungsanteil bei weitem3). Von besonderem Interesse ist die Feststellung der Beteiligung der jüdischen Frauen an der revolutionären Bewegung. Auch hier marschieren die Juden an der Spitze. Insgesamt bildeten die revolutionären Frauen im Jahre 1901—1903 durchschnittlich 5,5%, 1906—1911 12,5% aller politischen Inkulpaten. Dem Glaubensbekenntnisse nach gestaltete sich der prozentuelle Anteil der Frauen wie folgt: Prozentverhältnis der revolutionären Frauen zur Gesamtzahl der „polit. Verbrecher“ jeder Gruppe 1901—1903 1906—1911 Bei den Juden 12,3 19,6 Bei den Rechtgläubigen 4,8 10,1 Der prozentuelle Anteil der jüdischen Frauen an der revolutionären Bewegung war mithin in der Zeit vor der Revolution von 1905 weit mehr als doppelt, in der Zeit nach ihr annähernd doppelt so groß wie der der Nichtjüdinnen. Leo Rosenberg. Die Evakuierung in Jaffa. Vom derzeitigen Leiter des Zionistischen Palästina-Amtes in Jerusalem. Herrn Dr. Jacob Thon, erhalten wir soeben ein am 28. Mai dort aulgegebenes Telegramm folgenden Wortlautes: Die Havasagentur verbreitet unwahlre Nachrichten über grausame Maßnahmen türkischer Behörden, insbesondere seitens des Kommandanten der 4. Armee und Marineministers Diemal Pascha, welche richtigzustellen die leitenden iüdischen Persönlichkeiten Palästinas sich veranlaßt sehen: Es ist nicht wahr, daß die Evakuierung nur gegen die jüdische Bevölkerung sich richtet, ebenso ist es unwahr, daß die Behörden die Juden gezwungen haben, ohne etwas mitzunehmen, unverzüglich den Platz zu verlassen. Vollständig aus der Luit gegriffen ist, daß zwei Juden aus Telawiw, die sich den Behörden widersetzt haben, sofort aufgehängt wurden. Wahr ist vielmehr, daß von der Evakuierung die gesamte Bevölkerung — auch die nichtiüdische — betroffen wurde, daßi die Behörden, gemäß dem ausdrücklichen Wunsche Diemal Paschas. keinerlei Ausschreitungen sich zuschulden kommen ließen, daß Diemal Pascha zugunsten der Juden, um ihnen die Einhaltung des Sederabends zu ermöglichen, die Evakuierungsfrist um 10 Tage verlängert hat. Kein Jude wurde aufgehängt oder gelegentlich der Evakuierung mit einer anderen Strafe bestraft. Die Räumung Jaffas und Telawiws vollzog sich in voller Ordnung, geleitet von einer jüdischen Kommission mit Hilfe von Wagen und Lasttieren, die jüdische Pflanzer und Ackerbauer hauptsächlich aus Galiläa zur Verfügung stellten. Für die notleidende jüdische Bevölkerung Palästinas im allgemeinen und die Evakuierten insbesondere, die. wie auch die Bevölkerung anderer Länder in der Kriegszone, stark gelitten hat, ist umfangreiche Hilfeleistung erforderlich, trotz gewährter Hilfsbereitschaft Diemal Paschas, der 3) Im übrigen sei zum bessseren Verständnis und zur Ergänzung der obigen Ausführungen auf eine demnächst erscheinende größere Studie über „Russische Revolutionss.tatistik“ vom Verfasser hingewiesen. zur Linderung der Not über 100 000 Franken bereits verausgabte. Bei dieser Gelegenheit ist von neuem Diemal Paschas während der Kriegszeit wiederholt bekundetes Verständnis und Interesse für die emsige und aufopferungsvolle kulturelle jüdische Arbeit auf landwirtschaftlichem Gebiete zum Ausdruck gelangt, der auch jüdische Fachleute auf den Gebieten des Ackerbaus und der Technik mit Vorliebe zu wichtigen Arbeiten heranzieht. Der Münchener Kritikerprozeß. „Die Schaubühne“ vom 26. April (Herausgeber Siegfr. Jacobsohn) schreibt: Die Münchner Musikkritik ist die höchststehende und ehrlichste der Welt. Das ist Tatsache. Mehrere Chefredakteure und andere Sachverständige haben es gesagt und beschworen. In dem Prozeß, den die Münchener Kritiker gegen den Privatdozenten Dr. August Mayer anstrengten. Weil er ihnen im „März“ mangelhafte Beherrschung der deutschen Sprache, Voreingenommenheit gegen Bruno Walter und Zugänglichkeit für allerlei Liebenswürdigkeiten (nicht Bestechlichkeit!) nachgesagt hatte. * * * Es haben nicht alle geklagt. Leider, leider. Herr Paul Ehlers zum Beispiel, der Rezensent der „Münchner Neuesten Nachrichten“, zog es vor, die Klage zwei Tage vor dem Prozeß zurückzunehmen. Auch Herr Alexander Dillmann, der die schwere Last eines fürstlich thurn- und taxisschen Hofrates trägt und der Hüter der geheiligten Wagner-Tradition Münchens ist, auch er klagte lieber nicht. Warum nicht? Warum? Die Münchener Wagner-Tradition — ach, es war nicht der langweiligste Augenblick dieses Prozesses, als ein Sachverständiger zornig fragte, weswegen man immer mit diesem alten Unsinn daherkäme. Was eigentlich die berühmte Wagner- Tradition sei? Großer Gott, das ist leicht zu sagen. Man kann es wenigstens erraten. Wenn man bedenkt, daß in München die ganze Presse auf anderm Felde den deutschen Werkbund bekämpft und dafür die Tradition des gemütvollen Münchener Kunstgewerbes verteidigt. Die wird symbolisiert durch die Schöpfungen des berühmten Professors Hinterhuber, der etwa den Rettich zur gemütvollen Bierseidelattrappe ausgestaltete. Aber das nebenbei. Ganz nebenbei. * * # Der Beklagte hat behauptet, die Münchner Kritik könne nicht Deutsch schreiben. Sie kann 1 Xgf. ‘Bayer. cPorzeffan= I I ‘Ulanufa kiur Uympßenburg 1 iTfauptniederlage QJißncßen: Odeonsplag 1 ßCunste u. ßuxusgegenstände, Tafel•>, bessert», E g i.'Kaffeeu. Teegeschirre, Tiguren, Gruppen eie. 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