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Das jüdische Echo · 1917-05-25 · 21 (25.5.1917) · p. Seite 239

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
Seite 239 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 239 verzichten auf das prunkende Ritual der slawischen und romanischen Kirchen. (Aber die strahlende Pracht, das dramatische Zeremonial des Tempels zu Jerusalem!) Auch in der kollektivistischen Veranlagung sieht Mieses eine Ähnlichkeit zwischen Germanen und Juden; (es berührt etwas sonderbar, wenn er die durch den Kollektivismus ihrer Mitglieder eng verbundenen germanischen bezw. jüdischen Volksgemeinschaften später ausdrücklich als „subjektivische Gruppen“ bezeichnet.) Bezeichnend für die germanischen Völker wie für das Volk der Juden ist ferner ihrer beider Überheblichkeit, die den Deutschen wie den Juden den Haß der anderen Völker einträgt. An zahlreichen Beispielen sucht Mieses eine von jeher bestehende ausdrückliche Vorliebe der Germanen und besonders der Deutschen für die Juden nachzuweisen, ja das Wort „deutsch“ selbst leitete Martin Luther aus dem hebräischen „dodd“ ab, und nirgends gibt es so viele an Juden erinnernde Ortsbezeichnungen wie in deutschen Landen. (Wenn Mieses sagt, daß der Name „Jude“ in Deutschland niemals einen Schimpf bedeutete, so steht ihm freilich als klassischer Zeuge für das Gegenteil Schopenhauer gegenüber.) Groß war der Einfluß der jüdischen Schriftsteller und der jüdischen Werke vom Alten Testament an bis zu Heine und den Allermodernsten auf die deutsche Literatur, weshalb auch die vorwiegend deutschen Gegner der Dunkelmänner sich gegen die Vernichtung der hebräischen Literatur wandten. Und gegen Ende seiner Schrift behauptet Mieses sogar, daß die Knechtung der Juden in Deutschland früherer Jahrhunderte vielfach Legende sei. (Eine Legende, die durch die Chronisten und Historien fast aller deutschen Städte bestätigt wird?) Zum Schlüsse verficht Mieses seine These, daß der moderne Antisemitismus ein Überbleibsel des alten Religionshasses sei, dem man nur neuerdings einiges rassentheoretische Beiwerk gegeben habe, und ohne sie geradezu auszusprechen, läßt er seine Ansicht durchschimmern, daß mit wachsender Erhellung der Geister dieses mittelalterliche Überbleibsel schwinden müsse. Die Schrift ist interessant, auch wenn man sich bewußt ist, daß man sie durch eine andere ergänzen könnte, in der man Hunderte von tiefen Gegensätzen im Wesen des Germanen und dem des Juden aufzählt — man denke z. B. nur an die Verschiedenheit ihrer Erotik, an die Grundverschiedenheit ihres Humors —, und wenn man sie mit der Frage aus der Hand legt: wie konnte es bei so viel Übereinstimmenden geschehen, daß nicht die deutsche Regierung, sondern viele Schichten des deutschen Volkes es dazu brachten, Deutschland in den Augen aller Völker zu einer Hochburg des Antisemitismus zu machen? — Helene Hanna Cohn. Welt-Echo Wahlen zuin amerikanisch-indischen Kongreß. Das zionistische Bureau in Kopenhagen meldet telegraphisch: „Volksversammlungen zur Nominierung der Kandidaten für Mitgliedschaft des jüdischen Kongresses ergaben Majorität Kandidaten Zionisten.“ Über das in Galizien bestehende Verbot des Briefverkehrs in jidischer Schrift beklagt sich das Lemberger „Tagblatt“. Das Blatt schreibt u. a. folgendes: „Wir wissen bis zum heutigen Tage nicht, wodurch sich das hebräische Alphabet versündigt hat, daß die Regierung oder andere Behörden es für nötig befunden haben, die Benützung der hebräischen Schrift im brieflichen Verkehr zu verbieten. Wir wissen nur so viel, daß in ganz Ostgalizien, im größten Teil Mittelgaliziens und in der Bukowina der Jude, der keine andere Schrift schreiben kann als die hebräische, keine Möglichkeit hat, in Familien- oder Handelskorrespondenz mit einem anderen Juden zu stehen, weil die Postzensur regelmäßig diese Korrespondenz mit der. Bemerkung „Jüdisch unzulässig“ zurückstellt. Wir wissen auch, daß auf mehrmalige Anfragen von seiten verschiedener jüdischer Organisationen beim zuständigen Ministerium, ob ein derartiges Verbot herausgegeben worden sei, und womit es motiviert wurde, das betreffende Ministerium niemals eine Antwort zu geben wußte, so daß es bis heute nicht bekannt ist, ob dieses Verbot für die jüdische Schrift von einer höheren Behörde oder von einer unteren Instanz ausgegangen ist. Niemand weiß, wer das ganze' Verbot veranlaßt hat und an wen man sich um Aufklärung wenden soll. Inzwischen aber liegt der jüdische Soldat in irgend einem Schützengraben und kann kein Lebenszeichen nach Hause schicken. Der jüdische Soldat bleibt wochenlang ohne eine Nachricht von Frau und Kind, von Vater und Mutter, weil das Schicksal es gewollt hat, daß sie gerade aus Galizien sind, wo das Jüdische „unzulässig“ ist. Inzwischen stockt der Handel und die schnelle Zufuhr von Waren, die in heutigen Zeiten für jede Stadt eine Lebensfrage ist, weil der jüdische KauL mann in der galizischen Kleinstadt sich in keiner anderen Schrift mit den Kaufleuten verständigen kann als der, in der die Bibel geschrieben ist. Dieses Kuriosum wird so weit getrieben, daß das schlechteste Jidisch, ja sogar ein reines Hebräisch in lateinischer Schrift „zulässig“ ist: die Postzensur läßt es ohne irgend ein Hindernis durch. Wenn aber sich darin ein hebräischer Buchstabe befindet, so ist der Brief „unzulässig“ geworden, selbst wenn er auch der letzte Gruß einer sterbenden Frau an ihren Mann irgendwo im Feld sein sollte.“ Und weiter schreibt das „Tageblatt“: „Wenn man in Wiener Pressekreisen erzählen würde, daß eine Zeitung keine Zeile Manuskript von außerftalb erhält, weil das jüdische Manuskript von der Post Kostümfabrik F. u. A. Diringer München, Herrnstraße 23, Hochbrückenstraße 13 königl. bayer., königl. Württemberg., grossherzogl. badisebe Hoflieferanten Bankkonto: K. Filialbank, München und Bankhaus Martini u. Simader, München. —* Postscheckkonto: Nr. 3613 München. Telegramm-Adresse; „Diringer München“. — Telephon-Nr.; 21774, 21775, 21776. GrShto Fabrik und Verlelhanatalt dieser Art In Deutschland. Vorrat von über 60000 Kostümen aua allen Zelten u.allen LSndern.mm Getrennte Herren-, Damen-, Kinderu. Mllltar-A bteilungen. Reiches Lager In Watten und Ausrustungon. Vollständig neuxeltlich eingerichtet und umgebmut. SpezialitSt; Ganze Ausstattungen fürlheaterstUcke u. Filmaufnahmen 8MF~ Spezialkataloge stehen auf Wunsch kostenlos zur Verfügung.

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