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Das jüdische Echo · 1917-05-25 · 21 (25.5.1917) · p. Seite 238

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
Seite 238 (sequence 6)
Language
German
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238 Das Jüdische Echo Nr. 21 auch Apfelsinentriark und andere Halbfabrikate (in Stücken geschnittene und gedörrte Früchte) finden immer zunehmende Verbreitung als ganz besonders hygienische Nahrungsmittel, namentlich in den englisch sprechenden Ländern. Die Zitrone findet in den letzten Jahrzehnten eine stets wachsende umfangreiche Verwendung und zwar hauptsächlich durch den großen Verbrauch des Zitronensaftes und des Zitronensyrups. der die^ gesamte, in bedeutender Entwicklung befindliche sogenannte ,Alkoholfreie“ Industrie speist. Eingelegte Oliven bestimmter Sorten haben als Volksnahrungsmittel eine sehr große Bedeutung in allen mittelländischen Ländern (auch in Südrußland). Die Verwendung von Oliven zur Speisung ist häufig rentabler als die Verarbeitung zu öl und Seife, da das Olivenöl durch andere Pflanzenöle immer mehr aus dem Massenkonsum verdrängt wird. Fast alle Maschinen und Vorrichtungen, die für die Herstellung von Gemüse- und Fruchtkonserven notwendig sind, können auch zur Konservierung von Fischen verwendet werden. Die Fischerei ist, gemäß dem Urteil kompetenter Spezialisten, die kurz vor dem Kriege aus einer fischreichen Gegend Rußlands (Astrachan) zum Studium der einschlägigen Fragen nach Palästina gekommen waren, in den Seestädten Jaffa. Haifa und anderen sehr entwicklungsfähig. Von Wichtigkeit ist dabei, daß die Baulichkeiten und Maschinen, das Personal und die Arbeitskräfte einer Konservenfabrik in höherem Maße während der verschiedenen Jahreszeiten ausgenützt werden können, wenn zu der Verarbeitung von Gemüse- und Fruchtarten auch noch die von Fischen mit der Zeit hinzukommen kann. Die wichtigsten Zusätze zu den Fischkonserven — Tomatensauce und öl — sind im Lande zu haben, was auch hier in Betracht gezogen zu werden verdient (ganz wie bei der Herstellung südlich-orientalischer Gemüsekonserven). Die Rentabilitätsaussichten der Konservenindutrie sind in Palästina zweifellos sehr gute, namentlich im Zusammenhänge mit den neuen bevorstehenden Konjunkturen nach dem Kriege. Allerdings wird die Rentabilität der Konservenindustrie neben den Produktionskosten und den Absatzbedingungen in bedeutendem Maße von den zukünftigen Zollverhältnissen abhängen. In Zukunft werden wohl für Palästina die für die Industrie notwendigen Maschinen und Rohmaterialien von Einfuhrzöllen befreit oder bloß geringen Sätzen unterworfen werden. Dagegen werden Fabrikate, die im Lande hergestellt werden können, eventuell durch Schutzzölle zu begünstigen sein. Die Konservenindustrie wird der einen oder anderen Konstellation auf dem Gebiete der Zollpolitik sich anzupassen haben. Eher steht eine günstige Konstellation bevor als umgekehrt. Die guten Ausichten für die Konservenindustrie in Palästina verdienen die ernste Aufmerksamkeit jüdischer kapitalkräftiger Kreise. Sowohl für einzelne Kapitalisten als auch für Aktiengesellschaften resp. Genossenschaften m. b. H. wird sich demnächst auf diesem Gebiete die Möglichkeit lohnender Unternehmungen eröffnen. In einigen Ländern und speziell in Amerika, Rußland und Holland scheint sich bereits jetzt das Interesse des unternehmungslustigen jüdischen Kapitals nach dieser Richtung zu wenden. Uns ist bekannt, daß gegenwärtig u. a. eine Organisation in Vorbereitung ist, welche den Zusammenschluß der Interessenten für palästinensische Konservenindustrie erstrebt. Wahrscheinlich werden bald genauere Einzelheiten über die geplante OrganL sation verlauten. Die Kolonisation, die auf der landwirtschaftlichen Basis aufgebaut werden muß. um der jüdischen palästinensischen Gemeinschaft ihren dauernden Bestand und ihren nationalen Charakter zu sichern, wird in der Begründung und in dem Ausbau einer Industrie, die die Landesprodukte verarbeiten wird, einen starken Rückhalt finden. Germanen und Juden? Die Schriften, die sich mit Juden und Judentum beschäftigen, sprießen heute hervor wie die Gänseblumen im Mai. Aber selten ist eine wirklich interessante darunter. Umso erfreulicher ist es, wenn man von einer Arbeit sagen kann, daß sie vom ersten bis zum letzten Worte zu fesseln vermag. Und von der kürzlich erschienenen Schrift „German e n und Juden“ von Matthias Mieses*) (dessen Arbeit über die Entstehungsursache der jüdischen Dialekte bereits einiges Aufsehen erregte) vermag man das zu sagen, gleichgültig ob man überall mit den darin vertretenen Anschauungen übereinstimmt oder nicht. Es wirkt immer höchst angenehm, wenn ein gründlich Gebildeter sich dazu herabläßt, mit dem Publikum wie mit seinesgleichen zu reden, und Mieses tut dies. Die Schrift könnte ebensogut „Deutsche und Juden“ heißen, denn ihre Aufgabe ist vorwiegend die gleiche, die sich Nachum Goldmann in einer ebenfalls an dieser Stelle besprochenen Arbeit stellte: der Nachweis einer Wesensverwandtschaft von Deutschen und Juden. Nur daß Mieses darauf verzichtet, einzelne Seiten dieser Wesensverwandtschaft herauszugreifen und im einzelnen zu behandeln, sondern offenbar absichtlich sich damit begnügt, seinem Stoff immer neue Seiten abzugewinnen, in denen sich jene These spiegelt wie in einem vielkantigen Prisma. Diese These, in der seine Anschauung gipfelt, aber besagt, daß der Antisemitismus in Deutschland nicht auf der Abneigung gegen eine fremde Wesensart beruht, sondern lediglich einem Beharren in der ablehnenden Haltung gegen eine fremde Konfession entspringt. Die Wesensgleichheit zwischen Germanen (oder Deutschen) und Juden wird an einer Fülle von interessanten Beweisen dargelegt, aus denen wir die wichtigsten herausgreifen: Die Neigung des Juden hat jederzeit den Germanen gegolten, und die Sprache der Massen des jüdischen Volkes ist ein deutscher Dialekt. Beide stellen den Inhalt hoch über die Form, beide geben ihre Empfindungen mehr in musikalischer und lyrischer als in epischer Form Ausdruck. (Der Behauptung des Verfassers, daß weder die Hebräer noch die Araber jemals epische Erzeugnisse zustande brachten, möchte ich die Namen zweier Werke entgegenstellen: die Bibel und „Tausendundeine Nacht1). Der Hebräer wie der Germane hat im Gegensatz zum Südarier weniger Empfindung für Raumesals vielmehr für Zeitnuancen was sich im ähnlichen Gebrauch des Verbums in ihrer beiden Sprachen ausdrückt. Auch die von rechts nach links laufenden Schriftzeichen des hebräischen Alphabetes wie der Runen scheinen auf eine verwandte seelische Anlage hinzudeuten. Der (deutsche) Protestantismus wie das Judentum suchen einfache kahle Bethäuser auf und *) Erschienen im Verlage R. Löwit, Wien-Berlin.

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