Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 21 (25.5.1917)
- Date
- 1917-05-25
- Page
- Seite 236 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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236 Das Jüdische Echo Nr. 21 kann. Diese Industrie wird viele Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen beschäftigen. Ein Teil wird allerdings nicht während des ganzen Jahres in den Konservierungsbetrieben Arbeit finden. Die Saisonarbeiten dieser Betriebe fallen aber mit denjenigen, die für die Gewinnung der rohen Produkte (Früchte oder Gemüse) in Betracht kommen, nicht zusammen. In diesem Umstande liegt ein zweifacher Vorteil: einerseits wird die Konservenindustrie an Arbeitskräften keinen -Mangel in den Monaten haben, in welchen sie ihrer am meisten bedürftig sind, und andererseits werden die Arbeiter eine ergänzende Beschäftigung gerade in denselben landwirtschaftlichen Zweigen finden, deren Entwicklung durch diese Industrie -mächtig gefördert werden wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen Aich zu genossenschaftlichen Gruppen organisieren werden, um event. Lieferungen von Gemüse an die Fabriken zu übernehmen. Der auf diese Weise regulierte und gesicherte Absatz ihrer Erzeugnisse wird ihnen in Verbindung mit der Arbeit in den Fabriken eine gesicherte Existenzgrundlage verschaffen. In der nächsten Nähe der Konservenfabriken wird die Errichtung von Arbeitersiedlungen sehr am Platze sein. In diesen Siedlungen werden sich intensive Landwirtschaft und industrielle Tätigkeit aufs engste verbinden. Von Wichtigkeit wird u. a. dabei der Umstand sein, daß in der Konservenindustrie namentlich Frauen und Mädchen beschäftigt sein werden, so daß alle Arbeitskräfte der hier wohnenden Familien volle Verwendung finden können. Es sei hier auch der Vorteil erwähnt, den die Arbeiterinnen daraus ziehen werden, daß sie in der Konservenindustrie manches lernen werden, was sie in ihrem Haushalte werden verwerten können, da ja das Verfahren des Einmachens und Einlegens im Großbetriebe so ziemlich dasselbe ist, wie das im Haushalte verwendete (Sterilisierung. Bereitung derselben flüssigen Konzentrationen, Luftabschluß usw.). Das Vorhandensein einer bestimmten Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinnen, die mit jedem Jahre geschickter und fachkundiger sein werden, wird einen wichtigen Faktor für die Möglichkeit einer stetigen Ausdehnung der Konservenindustrie ausmachen. Neben den einfachen Arbeitern werden Konservenfabriken auch eine beträchtliche Anzahl von qualifizierten Arbeitskräften bei dem Dampfbetriebe, bei der Anfertigung von Verpackungsmaterialien und bei der eigentlichen Zubereitung der Konserven beschäftigen. Überdies wird für Leitung und Bureauarbeiten ein tüchtiges technisches und kaufmännisches Personal erforderlich sein. In bezug auf die anfänglichen Dimensionen von Anlagen für Konservenherstellung möge darauf hingewiesen werden, daß sowohl kleinere als auch mittlere und größere Einrichtungen möglich sind. Kleinere Betriebe können mit verhältnismäßig geringem Kapital anfangen und sich bloß auf die Herstellung von einem oder höchstens zwei bis drei Fabrikaten beschränken. Dabei wird von Kraftbetrieb und auch von einer Dampfanlage abgesehen werden können. Der kleinere Unternehmer muß aber unbedingt in der Lage sein, sowohl die technische wie die kaufmännische Seite selbst zu führen.' Was große Einrichtungen anbetrifft, so denken wir an moderne Konservenfabriken, welche möglichst viele Fabrikate hersteilen. Diese Fabriken sind in der Leitung, sowohl in technischer als in kaufmännischer Beziehung, so vielseitig und kompliziert, daß sie von Anfang an nur erstklassige Leitungskräfte heranzuziehen haben. Große Konservenfabriken müssen die verschiedensten Konservierungszweige aufnehmen können und müssen vor allem auch für den Vertrieb der Produkte rechtzeitig großzügige Propagandamittel anwenden. Zwischen diesen beiden Extremen, also einer kleinen und bescheidenen Einrichtung und einer großen Fabrik, welche alle in der betreffenden Gegend möglichen Konservenzweige gleich von Anfang an aufnimmt, lassen sich Betriebe denken, welche erst allmählich imer neue Fabrikate einbeziehen, von vornherein jedoch mit modernen Verarbeitungsapparaten, hinreichenden Räumlichkeiten und tüchtigem Leitungspersonal versehen sind. Für die technische Verarbeitung, gleichviel in welchen Dimensionen, handelt es sich in Palästina hauptsächlich um folgende vier Kategorien von Rohprodukten: 1. von Gemüsearten; 2. von Fruchtarten, die in rohem Zustande weniger haltbar sind; 3. von haltbaren Fruchtarten bei solchen Preiskonjunkturen, die den Absatz roher Früchte weniger rentabel erscheinen lassen, als den konservierter; 4. von Fischen. Den ersten Platz unter allen Konserven werden in Palästina wohl die Gemüsekonserven einnehmen. Die arabische palästinensische Bevölkerung treibt in der Nähe der Städte viel Gemüsebau und bereits jetzt könnten Konservenfabriken mit beträchtlichen Quantitäten mannigfaltiger Gemüsesorten sich versorgen. Jüdische Siedelungen werden sich gleichfalls den Gemüsekulturen in steigendem Maße gewiß zuwenden, sobald sie ihre Produkte an Fabriken in nächster Nähe werden absetzen können. Die Kultur und Verarbeitung von Tomaten, Erbsen. Bohnen usw. ist in Palästina einer ähnlichen großartigen Entwicklung fähig, wie man sie in den letzten zwei Dezennien in manchen Gegenden Italiens erlebt hat. Der Verbrauch von Gemüse ist namentlich während der Kriegsjahre überall außerordentlich gestiegen und die im Felde stehenden sowie die zu Hause gebliebenen Volksmassen haben sich an den Gemüseverbrauch gewöhnt. In vielen Gegenden, wo die Bevölkerung früher das Gemüseessen als Luxus betrachtete, erblickt man jetzt in den Gemüsespeisen eine nicht mehr zu entbehrende gesunde Nahrungsweise. Der Verbrauch von Gemüse in frischem und nach modernen Methoden konservierten Zustande wird nach dem Kriege ungeheuer anwachsen. Die Ko'nservenindustrie wird sich umso leichter der gestiegenen Anfrage anpassen lassen, als zur Erzeugung von Gemüse in großen Mengen sehr wenig Zeit nötig ist. Die Gemüseverwertungsfabriken werden ebenso schnell ausgebaut werden können, wie etwa die Zuckerfabriken, die sich das zu verarbeitende Rohmaterial in kurzer Zeit durch die in ihrer Umgebung entstehenden Rüben- oder Rohzuckerplantagen sichern. Die Verarbeitung verschiedenartiger Gemüsearten in Dauerware weist folgende Vorteile auf: a) Die Kampagne der Verwertungsfabriken wird auf möglichst viele Monate des Jahres (namentlich in Palästina, wo Gemüse auch während des Winters wächst) ausgedehnt, wodurch eine kommerziell gerechtfertigte, möglichst gleichmäßige Verteilung der Arbeitssaison und eine ausgiebige