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Das jüdische Echo · 1917-05-25 · 21 (25.5.1917) · p. Seite 235

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 Das Jüdische Echo 23$ Kolonisation und Industrie in Palästina Von Ing.-Agr. J. Oettinger. Nur durch1 die Tatsache der Entwicklung einer breiten ländlichen produktiven Volksschicht wird die zukünftige jüdische Gemeinschaft in Palästina ihren dauernden Bestand und ihren nationalen Charakter sichern können. Doch der Vorrang, der der Landwirtschaft bei allen Kolonisationsplänen in Bezug auf Palästina eingeräumt wird und stets eingeräumt werden muß, darf keineswegs dazu führen, die Bedeutung der Industrie für die Entwicklung Palästinas unterschätzen zu wollen. Erst die Industrie wird eine dichte Besiedelung des Landes ermöglichen, da sie mannigfaltige und sehr zahlreiche Existenzmöglichkeiten schaffen kann. Zusammen mit der Landwirtschaft wird die Industrie sozial-wirtschaftliche gesunde Verhältnisse in Palästina herbeizuführen haben. Die bisher geringe Entwicklung der palästinensischen Industrie und die Ursachen davon sind zur Genüge bekannt. Die ersten Ansätze industrieller Unternehmungen wajen in technischer Beziehung rückständig. Die Gewinnung des vielleicht nicht gar so unbedeutenden heimischen Marktes war durch den früheren „Wertzoll“ (8 Prozent bis 1907, 11 Prozent bis Beginn des Krieges) für alle Waren ungeheuer erschwert. Für die Förderung des Absatzes der Industrieprodukte im Auslande fehlten vor allem — neben anderen erforderlichen staatlichen Maßnahmen — günstige Handelsverträge. Obwohl das Fehlen von Kohle im Lande kein Hindernis für die Entwicklung von Industriezweigen, die auf billigen Brennstoff angewiesen sind, bildet, so haben sich bisher Industrien, die wenig oder gar keinen Brennstoff verbrauchen, in Palästina wenig entwickelt. Trotz der schwierigen Verhältnisse hat in Palästina namentlich die Verarbeitung leicht verderblicher landwirtschaftlicher; Produkte beachtenswerte Ansätze für eine zukünftige aussichtsvolle Industrie aufzuweisen. Die Weinerzeugung, die Ölproduktion und die Seifenproduktion überragen an Bedeutung bei weitem andere Industriezweige, von denen mehr oder weniger bescheidene Anfänge vorhanden sind, wie z. B. die kunstgewerblichen Industrien, die Gewinnung ätherischer öle. die Herstellung von Baumaterial, das Bauhandwerk und die anderen einzelnen Handwerke. Die weitgehendsten industriellen Möglichkeiten Palästinas beruhen aber sicherlich vor allem auf der technischen Verarbeitung der wertvollsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse, also hauptsächlich der verschiedensten Gartenbauprodukte. Bisher wurden in Palästina nur zwei Fruchtarten — die Weintraube und Olive — zur Gewinnung von Dauerprodukten — von Wein, „Traubenhonig“ und Rosinen, von öl, konservierten Oliven und Seife — verwertet. Außerdem kann in dieser Beziehung auf die recht verbreitete Herstellung von Aprikosenpasten und Trocknung von Aprikosen in Syrien hingewiesen werden. Mit diesen drei Zweigen der Fruchtverwertungsindustrie ist aber bei weitem nicht die Reihe derjenigen Produkte erschöpft, welche in Zukunft in Palästina und Syrien einer großartigen Entwicklung fähig 'sind. Um die Aufmerksamkeit derjenigen Kreise, welche für die wirtschaftliche Erschließung Palä- *) Aus dem in Vorbereitung befindlichen dritten Heft von „Erez Israel“ über Pflanzungen. stinas sich interessieren, auf dieses mit der landwirtschaftlichen Produktion eng verbundene industrielle Tätigkeitsgebiet,zu lenken, wollen wir hier in Kürze die wichtigsten Momente anführen, die für die Entwicklung einer aussichtsvollen palästinensischen Konservenindustrie in Betracht kommen. Unseren Ausführungen wollen wir die allgemeine Bemerkung vorausschicken, daß wir in Bezug auf industrielle Pläne, ganz ebenso wie hinsichtlich landwirtschaftlicher Siedlungsprojekte, vor allem jüdisch-kolonisatorische Gesichtspunkte im Auge haben. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, stellen wir an eine in Palästina zu entwickelnde Konservenindustrie folgende Anforderungen: 1. Sie muß den investierten Kapitalien eine hinreichend hohe Verzinsung bieten; 2. sie muß, um eine hohe Rentabilität erreichen zu können, vorwiegend Dauerprodukte, die für den Massenkonsum berechnet sind, erzeugen; 3. sie muß eine reichliche, stetig zunehmende Erzeugung wertvoller landwirtschaftlicher Rohprodukte bewirken; 4. sie muß zahlreiche Arbeitsgelegenheiten für jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen schaffen. Für das Gedeihen der Verarbeitungsindustrie ist die richtige Wahl einer für diesen Zweck passenden Ortschaft von ausschlaggebender Wichtigkeit. Zu der gewählten Ortschaft, die in der Nähe einer Bahn und eines Hafens liegen soll, müssen möglichst gute Fahrwege führen, da mangelhafte Verkehrswege große Unkosten bei der Zustellung der voluminösen Rohprodukte verursachen. Am meisten entsprechen in Palästina den Anforderungen in Bezug auf Transportverhältnisse die Hafenstädte Haifa und Jaffa. Das Produktionsgebiet der zu verarbeitenden Rohprodukte muß möglichst nahe bei den projektierten Verarbeitungsanlagen sich befinden. In der nächsten Umgebung soll die Möglichkeit der Anschaffung von möglichst viel Früchten, Gemüse und event. Fischen vorhanden sein. Bei allen Zweigen der Konservenindustrie müssen die Rohprodukte in vollkommen frischem Zustande zur Verarbeitung gelangen. Die aus frischen Früchten, Gemüse und Fischen hergestellten Konserven werden stets höher bewertet sein als diejenigen, die aus Produkten angefertigt waren, die einem längeren Transporte ausgesetzt waren. Die in der Nähe der Fabrik gewonnenen Rohprodukte ergeben nicht nur qualitativ bessere Konserven, sondern sie erweisen sich auch viel ausgiebiger als Rohmaterialien, die aus der Ferne kommen. Die neue Industrie muß an Orten begründet werden, wo bereits eine bedeutende jüdische Arbeiterbevölkerung vorhanden ist, oder wo eine solche in Bälde voraussichtlich sich ansiedeln UJIIIII!!lllllll!lllll!lll!llllillllilllllllll!lllllllllllllill!lllilllillll!lllllll!llllllllimilllllllllllllllllllillllll[li „E5KR“ | KLEINKUNST-! VERSAND I MÜMCHEirsKXT I Ausstellung aller Zweige | des Kleinkunst-Qewerbes | öniiitiiiiiiiiitiiiiimiiiüiiiihiiiiiiiminimKiiiniiiiiiiiuniiiiiiiiiiiiimmiiiüiiiiiimnimiiiiiiimimTl J-4*

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