Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1917-05-25 · 21 (25.5.1917) · p. Seite 234

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102967-9138101--01474-9074298
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

234 Das Jüdische Echo Nr. 21 stina gearbeitet worden, teils aus Unkenntnis dessen was das Land dem Volke werden und was es ihm nicht werden kann, teils auch in ganz richtiger Bewertung des dort Entstehenden für das Judentum. Mit Schweiß und Blut ist der Boden bereitet, sind blühende und schöne Siedelungen geschaffen worden, aus Mühsal, Opfern und Hingabe erwuchsen Felder, Baumgärten, Dörfer, Stadtviertel, schulen und die ersten Anfänge einer Industrie. Der Lösung der jüdisch-sozialen Frage kam man damit freilich kaum eine Handbreit näher. Wer in Palästina gelebt hat der weiß, daß man sich draußen keine Sekunde lang eingebildet hat. daß diese Handvoll Kolonien bereits irgendwelchen Einfluß auf die materielle Lage des jüdischen Volkes haben könnten, und daß die Verhältnisse noch jederzeit so unsicher und unklar waren, daß die neue palästinensische Siedelung bisher absolut nichts mit dem Zukunftstraum einer von äußerer Not befreiten Judenheit zu tun hatte. Nur in einer einzigen Beziehung begannen die jüdischen Siedelungen bereits auf das Leben des ganzen jüdischen Volkes zurückzuwirken: indem sie nämlich sowohl die Juden selbst wie auch die Nichtjuden lehrten, daß den Juden die oft angezweifelte körperliche und sittliche Kraft zur Eroberung eines Landes mit Pflug und Saatkorn und zur Bildung einer organischen Gemeinschaft mit dem Boden des Landes und den Volksgenossen innewohnt. Darüber hinaus konnte und wollte das neue Palästina bisher nichts sein oder scheinen, diese Wirkung aber übte es bereits in ungeahnt hohem Maße aus. Und diese Funktion Palästinas: die Stärkung des Glaubens an die schöpferischen Kräfte im Judentum, ist andererseits wiederum von tiefem Einfluß auf die Stärkung des Zionismus gewesen. Während der Zionismus in Palästina seine Siedlungen geschaffen hat, hat er sich in der ganzen Welt als geistige Bewegung fortgepflanzt und ist nach und nach selbst das geworden, was sein Schöpfer ursprünglich als Erfordernis zu seiner Erfüllung ansah: die Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr in das Judenland. Noch ist diese Rückkehr im Werden und Beginnen, aber die Besten und Tiefsten haben sich ihr angeschlossen und haben angefangen, die jüdischen Werte zu heben und umzuschaffen, mit denen die Judenheit Ifeberseugen 0(e ftd? durch eine kostenfreie Probenumtner oder besser noch durch einen Probeband für 50 Pfennige von der Vielseitigkeit der humoristisch - satirischen Kunstzeitschrift „JUGEND“. Jede Nummer bringt neben ausgezeichne<en Beiträgen in Poesie und Prosa der namhaftesten Schriftsteller auch eine große Anzahl künstlerische Vierfarbendrucke nach Werken erster Meister. Auch die politischen Vorgänge werden in einer eigenen Beilage eingehend behandelt. Die große Anhängerschaft der Münchner »JUGEND* drückt sich am deutlichsten in der wöchentlichen Auflage von über 100000 Exemplaren aus. Vierteljahrespreis.M. 4.60 durch die Feldpost.M. 5.20 pro Monat.M. 1.80 Bestellungen nimmt die nächstgelegene Buchhandlung, Zeitungsexpedition, jedes Postamt oder der Unterzeichnete an. Verlag der „JUGEND“,München Lessingstraße 1 noch in der Diaspora zum wahren Judentum werden soll. Die Erlernung der hebräischen Sprache, die Hebung der jüdischen Literaturschätze, die Ausbreitung der jüdischen Wissenschaft, die Wiederbelebung jüdischer Riten, Feste, Kunstformen, der Beginn einer jüdisch-sozialen Arbeit — sie beweisen, daß die zionistische Bewegung in der Diaspora schöpferische Kräfte zu wecken vermochte, bevor noch die Besiedlung Palästinas einen wesentlichen Einfluß auf das Geschick der Juden haben konnte. Freilich: mit der Zionshoffnung steht und fällt der Zionismus; ohne die Hoffnung auf ein Zion, in dem ein erhöhtes und geläutertes Judentum zur Wahrheit geworden, in dem auch die bittere äußere Not der Juden geschwunden, würden Zionisten niemals die Begeisterung und Schwungkraft erhalten, die sie zu ihrem Werke benötigen. Aber wer da glaubt, daß das Bestehen des Zionismus untrennbar mit dem Bestehen des in Palästina bereits Geschaffenen verknüpft ist, der irrt. Selbst wenn der Zionismus eine Zeit lang ohne Kolonien dastände und keine praktische Palästina-Arbeit leisten könnte, bis in den Verhältnissen wieder ein neuer Umschwung stattgefunden hätte, so wäre seine Tätigkeit nicht gehemmt, sondern nur auf andere Arbeitsgebiete gedrängt. Denn selbst wenn das Schicksal mit einem grausamen Schlage alle zionistischen Kolonien Palästinas plötzlich vernichten und damit der gesamten Bewegung vorübergehend unermeßlichen Schaden zufügen sollte, so würde doch die unheheuere Erweckung der Geister, deren letzte Gipfel, heute noch nicht abzusehen sind, nicht mehr aufhören können. Sie aber haben wir inzwischen als das Wesen des Zionismus erkannt. Helene Hanna Cohn. Das Schicksal der Juden Palästinas Meldung des Wölfischen Telegraphen-Bureaus. Zu den in letzter Zeit durch die Auslandspresse verbreiteten Nachrichten über angebliche Judenv e r f o 1 g’u n g e n in Palästina erhält der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin von einem seiner Vertreter in Palästina das nachstehende Telegramm: Der Bezirk Jaffa ist von der Bevölkerung aus militärischen Gründen geräumt worden, wobei jedoch der landwirtschafttreibenden Bevölkerung der Verbleib gestattet wurde. Aus der Stadt Jaffa mußten die Bewohner, darunter auch etwa 7000 Juden, auswandern, die zunächst in der 18 Kilometer nördlich gelegenen Kolonie Petachtikwah Aufnahme fanden und von dort aus allmählich weitergezogen sind. Da die Leute bei dem Mangel an Transportmitteln nur wenig von ihrer Habe mitnehmen konnten, und da vereinzelt Ausschreitungen vorgekommen sind, herrscht unter ihnen begreifliche Not, die hohe Anforderungen an die Wohltätigkeit der jüdischen Kolonien und Organisationen stellt. Der türkische Oberkommandierende Djemal Pascha hat zu helfen gesucht, indem er mehrere tausend Pfund als Darlehen gab. Er hat auch auf Ansuchen die Durchführung der Räumung wegen des Passahfestes um zwei Tage verschoben. Da die Leute teilweise zu Fuß gehen und im Freien übernachten mußten, sind infolge Erschöpfung, Seuchen und Unglücksfällen vereinzelte Todesfälle — vier Fälle sind bisher bekannt geworden — vorgekommen. Weitere übertriebene Nachrichten sind unrichtig. Die Räumung Jerusalems ist nicht angeordnet worden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.