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Das jüdische Echo · 1917-05-25 · 21 (25.5.1917) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halb). M. 2.—, Ganzj. M.4.—, Einzelnummer 10 P!. —V erlag des „Jüdischen Echo“: München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, iwmwm :'\ nzeigen: Die viergespaltene uonpareille - Zeile oder deren Raum 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— “ “ T ~ - Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 21 München / 4. Jahrgang 25. Mai 1917 Was ist Zion dem Zionismus? Seit mehr als zwanzig: Jahren spricht man vom Zionismus, und dennoch lehrt jedes Gespräch, mit Nichtzionisten — gleichviel ob Juden oder Christen— ja sogar manches Gespräch mit Leuten, die der zionistischen Organisation angehören, daß noch heute nur eine geringe Zahl von Menschen sich über die eigentliche Bedeutung des Wortes im klaren ist. „Zionismus? ach ja, das ist das Bestreben, alle Juden nach Palästina zu bringen.“ Das ist die landläufigste Auffassung. Und dann folgt meistens die halbironische Frage, ob denn das neue jüdische Reich ein Königreich sein solle. Dieser erstaunliche Mangel an Verständnis für die Ziele des Zionismus erklärt sich wohl hauptsächlich daraus, daß die sogenannte Bewegung seit ihrem Erwachen bereits eine gewaltige innere Entwicklung durchgemacht hat, über deren Phasen das größere Publikum, das stets geneigt ist, sich an die Schlagworte anzuklammern, mit denen die letzte und höchste Erfüllung alles irdischen Glückes bezeichnet wird, sich nicht völlig klar zu werden vermochte. Man vergesse doch nicht, daß der Zionismus nicht wie seine Feinde behaupten, als eine Reaktion auf den Antisemitismus, sondern eher als eine Reaktion auf die Assimilation, also weit mehr als eine geistig-sittliche denn als eine politische Nationalbewegung entstanden ist. Die sich um Theodor Herzl scharten, hatten vor allem mit Schrecken den Abbröckelungsprozeß am Judentum mitangesehen, hatten gesehen, wie von Tag zu Tag die Assimilation neue Glieder vom Körper des Judentums absplitterte, und sie schlossen sich aneinander in dem vorerst instinktiven Gefühl, daß eine Gemeinschaft bewußt und willig zum Judentum sich Bekennender ein Bollwerk gegen die zersetzenden Kräfte bilden müsse. Aus dieser Gemeinschaft erst erwuchs dann das Verständnis und die Propaganda für die jüdische Zusammengehörigkeit und aus dem erwachenden jüdischen Nationalbewußtsein heraus entstand der Wille und die Kraft, die jüdischen Volkseigenschaften zu stärken und zu veredeln, den jüdischen Menschen durch bereits vorhandene und durch neu zu schaffende jüdische (nicht fremde) Geisteswerte zu erziehen. Selbstverständlich war daneben sofort der Wunsch rege, den Zionismus auch zu einer politischen Bewegung zu gestalten, durch ihn das Volk aus seiner unerträglichen äußeren Lage zu befreien. Dies schien nur möglich, indem man die Massen des Volkes aus ihrer bisherigen Zugehörigkeit zu fremden Staatsverbänden loslöste und zu einer möglichst unabhängigen Existenz im eigenen Lande führte. Das eigene Land — das konnte und durfte nur Erez Israel sein, das Zion, in dem die Wiege des jüdischen Volkes gestanden und um das alle seine Zukunftshoffnungen kreisten. Am Anfang der zionistischen Bewegung steht das Streben nach dem Charter auf Palästina — aus einem doppelten Irrtum heraus: erstens der irrigen Annahme, daß dieses Land Raum und Möglichkeiten biete, in absehbarer Zeit dem gesamten in der Diaspora verelendenden jüdischen Volk eine Heimstätte zu werden; zweitens dem irrigen Glauben, daß allein durch die Verpflanzung des Volkes nach Erez Israel, ohne eine vorhergegangene seelische Umwälzung, die innere Läuterung des Judentums beginnen werde. In seiner Entwicklung von dieser ersten bis zu seiner heutigen Bewertung Palästinas für das Judentum hat der Zionismus seine tiefste Wandlung durchgemacht. Wäre er in erster Linie eine politische Bewegung, eine Bewegung zur Linderung sozialer Nöte, hätte er längst zu gründe gehen müssen, hätte sich an der Erkenntnis, daß Palästina vorläufig weder dem Raume noch den Lebensbedingungen nach imstande ist, Millionen von hilfsbedürftigen Juden aufzunehmen, die Schwindsucht holen müssen. Aber der Zionismus war und ist ja vorwiegend eine geistige Bewegung und lernte als solche imer mehr, jene andere Funktion Palästinas für das Judentum zu würdigen, die er ihm vom ersten Tage seines Bestehens ab zuerkannt: die Funktion eines geistigen Zentrums. In doppeltem Sinne zu verstehen: denen, die im Drange der neuen und vertieften Erkenntnis ihres Judentums und ihrer Verschiedenheit von der nichtjüdischen Umwelt den Zwiespalt mit sich selbst und der sie umgebenden Kultur nicht mehr ertragen konnten, sollte eine Stätte gegeben werden, wo sie in einer rein jüdischen Lebensgemeinschaft am ehesten die Möglichkeit zu einer unverfälscht jüdischen Entwicklung finden würden. Und ferner: die in dieser jüdischen Gemeinschaft sich selbst von allen fremden Wesenselementen Befreienden mußten imstande sein, ein neues und befreites Judentum aufzurichten, das eine ungeheuere Rückwirkung auf die Judenheit der ganzen Welt ausüben mußte. Als „Nachtasyl“ konnte man ebensogut Uganda wählen, als „geistiges Zentrum“ kam nur Zion in Betracht. Und die ständig fortschreitende Abkehr vom Nachtasyl zum geistigen Zentrum Palästina, Palästina nicht als dem einzigen, wohl aber als dem stärksten Mittel zur Regeneration des Judentums, ist die tiefste und für die Massen noch unverständliche Entwicklung, die sich im Zionismus seit seiner Geburt vollzogen hat. Diese ganze Entwicklungszeit über ist in Palä-

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