Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 20 (18.5.1917)
- Date
- 1917-05-18
- Page
- Seite 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Das Jüdische Echo 227 aber in seiner Reinheit sympathisch berührte, so kann man sich nur mit Widerwillen abwenden, wenn nunmehr rein religiöse Motive politisch ausgenützt werden, wenn England den Zionismus als neuestes Roß vor den Wagen seines Imperialismus spannt. Es soll nicht geleugnet werden, daß eine Stärkung des türkischen Staatswesens durch den arbeitsfrohen jüdischen Einfluß gerade an der heißbegehrten Brücke zwischen Ägypten und Indien den Mittelmächten nur gelegen kommen würde und daß wir nicht davor zurückzuschrecken brauchten, eine solche Entwicklung zu fördern. Wir würden eine solche Unterstützung aber offen als dem politischen Judentum allein geltend zugestehen und unseren rein politischen Taten nie den Mantel erheuchelter Frömmigkeit umhängen, wie England und sein erster Verfechter Wilson es glauben tun zu müssen. England denkt ja auch gar nicht daran, dem Reiche Gottes durch Zurückführung der Juden einen Dienst leisten zu wollen, wenn es dergleichen auch mit größtem Pathos behaupten mag, es denkt nicht daran, den Juden eine Wohltat zu erweisen, es will lediglich einen Staat schaffen, der der jüngste und vielleicht nicht schlechteste Vasall seines Weltreiches sein soll. „Es ist klar, daß England im Begriff steht. Hand in Hand mit der „friedlichen Durchdringung“ Arabiens, der kriegerischen Eroberung Bagdads durch Schaffung einer jüdischen Republik den allerklügsten politischen Schachzug zu tun, einen Zug, der bei sonst für ihn unglücklichem Ausgang des Krieges alle sonstigen Verluste reichlich wieder wett macht. Wir haben sehr auf der Hut zu sein, um hier nicht in eine diplomatische Falle zu geraten! „Eine starke Türkei ist der weisen Voraussicht unseres Kaisers seit Jahren Gegenstand vieler mühevoller politischer Arbeit gewesen. Wir werden im kommenden Frieden mehr denn je unserem türkischen Bundesgenossen zur Seite stehen müssen, um ihm zur inneren Erstarkung zu verhelfen. Ein gewiß nicht zu verachtendes Mittel würde hierzu die Schaffung eines in strengster Abhängigkeit von der türkischen Oberhoheit befindlichen jüdischen Staatswesens sein, dem dennoch Gelegenheit gegeben sein muß, sich in seiner Volkseigentümlichkeit zu entwickeln. Der Jude ist ein geborener Kolonist. Wie kein anderer Mensch auf Erden versteht er es. alle gebotenen Vorteile auszunützen. Sein betrieblicher Sinn wird die Bodenschätze Palästinas erschließen, wird Wälder anlegen, Brunnen finden, wird dem Ackerland die schönsten Früchte entlocken — wenn er auch nicht selber Landwirt ist, Arbeitskräfte findet er unter den Fellahs dort genug. — Der Handelsverkehr der ganzen Türkei wird mit dem geschlossenen jüdischen Element in seinem Reichskörper erstarken und es wird eines Tages dann so weit sein, daß die Türkei ihren Reichtum erkennt und erfaßt und daß sie in der Lage sein wird, sich gegen äußere Feinde zu wappnen, wie die Bundesgenossen in Mitteleuropa. „Wie ein Präriebrand durch Gegenfeuer gelöscht wird, so können wir Englands neuestem imperialistischen Vorhaben begegnen, indem wir ihm vorwegnehmen, was es zu tun beabsichtigt. Die Gründung eines jüdischen Staatswesens unter türkischer Oberherrschaft würde für uns Notwehr sein, wie der U-Bootkrieg die einzig mögliche Antwort auf die englische Blockade ist. Feuer gegen Feuer. Die Wiederherstellung des jüdischen Staates dürfte aber noch in weiterer Hinsicht als wünschenswert erscheinen. Bei aller Anerkennung der jüdischen Tüchtigkeit und nie zu verwischenden Charaktereigentümlichkeit müssen wir bekennen, daß wir darunter leiden. Der Jude hört nie auf. Jude zu sein — selbst wenn er Christ wird. DasVölkische in ihmist nie zu ersticken. Ist er ein Deutscher, kämpft er für das deutsche Vaterland nicht selten mit anerkennenswerter Tapferkeit und Hingabe, — trotz alledem wird der Jude nie verleugnen können, daß er über allem Deutschpatriotismus ein jüdischer Patriot ist, daß sein jüdisches Gemeinschaftsempfinden alle anderen Regungen unbedingt in zweite Linie stellt. Darum steht der Jude, wenn er sich auch aufs regsamste im deutschen Geistesleben betätigt, immer wie ein Fremder unserem tiefsten Denken und Fühlen gegenüber. Er mischt sich in unsere Politik mit fanatischem Eifer. Uns ist es lästig; denn der Jude kann wohl Urteilslose fortreißen, fern steht er in Wirklichkeit der deutschen Volksseele. Der jüdische Geist zerlegt alles, ordnet es restlos unter Gesetze der Nützlichkeit und Vernunftmäßigkeit und kann die phantasievollen schöpferischen Eingebungen des deutschen Geistes nicht miterleben. Der Jude ist Gesetz. Wir sind Glaube! Eine jüdische Abwanderung würde uns von einem Druck, unter dem unsere Politik, unsere Kunst, unser Zeitungswesen, Handel und. Wandel stehen, befreien! Wir könnten uns deutsch-völkischer entwickeln und brauchten uns den überlegen sich gebahrenden Spott des Juden nicht mehr bieten zu lassen, wie er uns täglich in den Spalten gewisser Tageszeitungen entgegengrinst! Die Gründung eines jüdischen Staatswesens würde aber dem unruhevollen Volke der Juden neue Geschlossenheit und eine positive — nicht mehr zersetzende — Kraft verleihen. Als betriebsamer Handelsstaat würde es die Türangel zwischen den Weltteilen Europa, Asien, Afrika werden, als Kolonistenvolk eine bedeutsame Blutauffrischung für die einer solchen bedürfenden Türkei. Da die Juden politisch meist zur republikanischen Seite hinneigen, so soll man ihnen eine Republik auf dem Urväterboden schenken. Die jüdische Republik hat aber für alle Zeit ein Bestandteil des Osmanischen Reiches zu bilden! Der Gedanke der Gründung eines jüdischen Staatswesens ist gut für den, der ihn ausführt.“ Diesen kuriosen Ausführungen, die natürlich durchaus nicht unserer Stellungnahme zum Problem entsprechen, brauchen wir wohl kaum etwas hinzuzufügen. Ein unnatürliches Bündnis. Unter dieser Überschrift schreibt das „Frankfurter Israelitische Familienblatt1: Wir haben einen Briefwechsel zwischen Herrn Paul Nathan, dem Leiter des „Hilfsvereins“, und dem Grafen R o n i k e r , einem der führenden Männer der polnischen Aktivistenpartei, publiziert. B. Müllers Musikinstitut München Fraunholerstr. 29 :: Telephon 24540 Inhaber: Bruno Müller, Konzertmeister a. D. Schüler von: Prof. Dr. Joseph Joachim, Prof. Dr. Carl Reineoke Prof. Dr. Heinrich Bellermann und Hofoperndirektor Gustav Mahler Unterricht in allen praktischen (Klavier, Violine, Orgel, Cello usw.) u. theoretischen Fächern (Harmonie, Kompositions- und Instrumentationslehre, Kontrapunkt, Fuge usw. einschließlich Musikwissenschaft) von den ersten Anfängen an bis zur künstlerischen Reife für Kinder und Erwachsene (Kinder werden vom 6. Lebensjahre an aufgenommen) Prüfung, Auskunft und Einschreibung kostenlos.