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Das jüdische Echo · 1917-05-18 · 20 (18.5.1917) · p. Seite 226

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
20 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
Seite 226 (sequence 2)
Language
German
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226 Das Jüdische Echo Nr. 20 wollen wir nur wünschen, daß sie nicht zu viel Zerstörungen und Ruinen antreffen werden. Eine einzige Sache beschäftigt in diesem Momente den heiligen Stuhl, daß der Traum des Zionismus sich nicht verwirklicht und daß^ Palästina, anstatt wieder ein jüdisches Königreich zu werden, das. unveräußerliche Eigentum aller christlichen Mächte bleibt. Eine italienische Zeitung, die sich mit der zionistischen Frage beschäftigt, machte kürzlich zu dieser Sache eine interessante Bemerkung. Die Wiederherstellung Palästinas als autonomer jüdischer Staat würde die Entnationaliserung aller Juden Europas zur Folge haben, welche von jetzt an, stolz gemacht durch ihre wiederhergestellte Nationalität, in allen Ländern, wo sie wirklich wohnen, als Fremde betrachtet und behandelt würden. Wohlan, die Juden haben gar kein Interesse, ihre gegenwärtige Lage gegen diejenige auszutauschen, welche aus einem kleinen, asiatischen Staatswesen hervorgehen würde. Es ist daher wenig wahrscheinlich, daß der nächste Friedenskongreß, wenn er sich mit Palästina beschäftigen wird, dieses Hirngespinst des Zionismus, womit sich die Einbildungskraft eines nur kleinen Teils der Israeliten umgibt, ernst nehmen wird. Es scheint sicher, daß das heilige Land internationalisiert und direkt den großen christlichen Mächten unterstellt wird.“ III. Das „Israel. Wochenblatt für die S c hw e i z“ knüpft hieran folgende Betrachtungen: „Auf die Anklagen gegen die Türkei will ich nicht eingehen, obwohl die Beschuldigung der Zerstörung christlicher Heiligtümer neu ist. Für uns ist der Artikel nach vielen Seiten hin interessant. Erstens schon darin, daß man sich in der großen Öffentlichkeit, in allen Ländern, mit der Palästinafrage für uns Juden befaßt und der Ansicht ist, daß sie auf der zukünftigen Friedenskonferenz ernstlich in Betracht gezogen werden wird. Ein Beweis dafür ist, daß man in kirchlichen Kreisen schon die Möglichkeit der Wiedererrichtung eines autonomen jüdischen Staatswesens befürchtet. Das zweite ist, daß auch in den Ententekreisen — wir sehen das aus dem vorwöchigen Bericht aus London — keine Neigung zu bestehen scheint, Palästina jüdisch zu machen, sondern daß es durch seine Internationalisierung christlich gemacht werden solle. Man will es nicht internationalisieren in Bezug auf die Volksstämme, sondern in Bezug auf die Religionen. Freilich nur in Bezug auf die christlichen. Allerdings sind wir noch nicht so wert. England hat Jerusalem noch nicht erobert. ZIGARREN-IMPORT BERNHARD OSTERMAI ER MÜNCHEN PROMENADEPL* und selbst, wenn es die heilige Stadt erobert hätte, ist die weit wichtigere Frage, ob die jetzt so eng verbundenen Mächte nicht bei den Verhandlungen auf dem Friedenskongreß, wenn die nüchterne Überlegung den Kriegseifer und die durch ihn rege gehaltenen Hyperpläne verdrängt haben wird, die Notwendigkeit des Weiterbestandes der Türkei als Zwischenstaat einsehen und danach beschließen werden. Sollte es aber wirklich, so werden, wie man jetzt in London, Paris und Rom schreibt, daß Palästina christlich internationalisiert wird, gehen wir da nicht der Gefahr entgegen, daß das internationale Judentum dadurch schweren Schaden erleiden wird, schwereren als unter einer freien Türkei, die der nationalen Entwicklung der Juden kein Hindernis in den Weg legt? Jedenfalls sind alle diese Berichte eine ernste Mahnung an die zionistische Leitung, dafür zu sorgen, daß die führenden Kreise in allen Ländern Fühlung mit ihren Regierungen suchen und Propaganda für die zionistische Idee machen, damit nicht später deren widerstreitende Ansichten uns dann zu einer quantite negligeable machen, über die es sich nicht lohnt, weiter zu verhandeln, wenn ihnen wichtiger scheinende Dinge dadurch gefährdet werden könnten. Für uns alle aber ist es eine Mahnung, einig zusammenzuarbeiten, uns nicht zu zersplittern oder gar gegenseitig zu bekämpfen. Die Sache, der wir dienen und die uns heilig erscheint, kann nur durch geschlossene Einigkeit gefördert werden.“ IV. Im Jahrbuch des „R j e t s c h“ bespricht der jetzige Minister des Äußeren, M i 1 j u k o w , die Ansprüche Frankreichs auf Syrien. Er weist in seinem Artikel sehr energisch darauf hin, daß die Gerechtigkeit eine Berücksichtigung der historischen Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina verlange, wenn auch die Juden nicht die Mehrzahl der Bevölkerung dieses Landes bildeten. Miljukow drückt seine Überzeugung aus, daß die jüdische Kolonisierung Palästinas ein große Zukunft vor sich habe. Zum Schluß schlägt er vor, Palästina unter internationale Kontrolle zu stellen. V. Im Berliner „R e i c h s b o t e n“ lesen wir folgenden Artikel von Gustav v. Dobbeler: „Der Zionismus beschäftigt sich schon längere Zeit mit der Sammlung, zunächst der geistigen Sammlung, des in der ganzen Welt verstreuten Judentums, mit der Aussicht, dasselbe auf einmal politisch zu vereinen, ihm einen neuen Staat, wenn möglich im Lande der Erzväter, in Palästina, zu geben. Eine nicht unerhebliche jüdische Rückwanderung in das aller Juden Sehnsucht erfüllende Land hat sich in den letzten Jahren betätigt, der das Jungtürkentum fast keine Schranken mehr entgegensetzte. Blühende Kolonien entstanden am Karmel und Libanon. Altes Fruchtland begann wieder ertragreich zu werden, jüdischer Handel und Wandel Einzug in das Land der Erzväter zu halten; und in christlichen Kreisen fehlte es nicht an Freunden, die mit Begeisterung der Rückkehr des „auserwählten Volkes“ Weg und Steg zu bereiten suchten, knüpfte sich doch eine biblische Hoffnung, die Hoffnung auf die Wiederkehr Christi, an dieses voraufgehende Zeichen. Hatte man unter diesen frommen christlichen Wegbereitern bislang uneigennützige, aufrichtige, von religiöser Kraft getragene Charaktere zu suchen, deren Tun vielleicht nicht allgemeinverständlich war, jedenfalls

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