Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 221 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 221 zu beklagen, daß in einem sonst angesehenen Organ bei allen Ausführungen und Artikeln, wo die Juden in ihrer Gesamtheit genannt werden, stets das Urteil über diese ein voreingenommenes ist. So war es anläßlich des Beilisprozesses auffällig, daß das „Journal de Genöve“ es schon für nötig fand, den unschuldigen Angeklagten zu verdammen und den russischen Gerichtshof zu verteidigen, wo es doch für die ganze Welt klar war, daß der ganze Verdacht von bekannten Kreisen angestiftet war, um die Juden zu treffen. Ebenso verfehlte das Blatt nicht, die Nachricht zu verbreiten. daß die russischen Juden über Rumänien Getreide nach Deutschland und Österreich während des Krieges geliefert hätten. Diesem Blatt war es auch Vorbehalten zu behaupten, daß die polnische Unabhängigkeits-Erklärung durch die Zentralmächte durch Sozialisten und Juden verursacht worden wäre. Und jetzt wird die gute Gelegenheit wahrgenommen, zu behaupten, daß Skobelew, der Urheber der Friedensbewegung (zu Gunsten der Zentralmächte) in Rußland, ein Jude ist und überhaupt die Juden die Führer der Bewegung sind. literarisches Echo Jahrbuch für lüdlsche Geschichte und Literatur. Berlin, M. Poppelauer, 1917. Der 20. Band des „Jahrbuchs“ ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Elbogen: Rückblick auf das Jahr 5676. Bernfeld: Literarische Jahresrevue. Bergmann: Judentum und Griechentum. Lewkowitz: Religion und Nationalismus. Ludwig Geiger: Briefe an, von und über Mendelsohn. N. M. Nathan: Aus den Jugenderinnerungen K. F. v. Klöden (außerordentlich interessant!). Rosalie Perles: Jüdische Kriegsgedanken. Ulla Wolff-Frank: Mirele. — Leider ist das Jahrbuch wieder ebenso minderwertig gedruckt und unwürdig ausgestattet wie die vorhergehenden. Die Blalik - Nummer der „Jewreiskaia Shlsn“ (Moskau) vom 3. April 1916 kommt erst jetzt durch den jüdischen Verlag (Berlin W. 15, Sächsische Str. 8), zum Verkauf. Preis mit Porto M. 1.45. Das mit einigen Bildnissen des Dichters (darunter einer schönen Zeichnung Pasternaks) und hübschen Vignetten geschmückte Heft enthält mehrere ausgezeichnete Aufsätze über Bjalik von hervorragenden russisch-jüdischen Schriftstellern und Proben seines Schaffens in Übersetzung der ersten russischen Dichter: Brjussow, Ssologub. Wjatsch. Iwanow u. a. Das Heft ist eine des großen Dichters durchaus würdige Jubiläumsausgabe. »Neue Jüdische Monatshefte“. Heft 14 ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Eduard Bernstein, Vom Mittlerberuf der Juden. Leop. v. Wiese, Deutschtum und Judentum (Schluß). M. Balaban, Der Kahat in Polen. Adolf Fried e m a n n, Der Refraktär. Felix A. T h e i 1 h a - b e r, Blätter aus dem Felde. Prof. S. Krauß, Ein Wort zur buddhistischen Bewegung in Deutschland. Umschau. Literaturblatt. „Morlah“, jüdische Monatsschrift in polnischer Sprache. Das Pessachheft hat folgenden Inhalt: W. B. „Exodus“. El. Ri eg er „Pessach“. Hugo Bergmann „Der Meister der Propheten“. „Aus der Agadah und dem Midrasch“ (Pessachfragmente). Achad Ha am „Moses“. Zwi Kasdai „Pessach im Kaukasus“. Max B r o d „Ostjuden — Talmud Gymnasium“. D. H. „Spinozastrophen“ (Fragmente aus einer Dichtung). B. D u 1 b e r g „Der Dichter der Hatikwah“ (Naphtali Herz Imber). Martin B u b e r „Das Problem der jüdischen Erziehung“. Gedenktafel für die im Kriege gefallene Jugend Galiziens. Rundschau. A. Tartakower „Palästinaprobleme". Dr. W. B e i g e 1 „Fünfzehn Jahre Jüdischer Nationalfond“. Bibliographie. — Zu beziehen durch „Moriah'L Verlag, Wien I, Ebendorferstraße 3. Feuilleton Aus der Welt der Chassidim. Von Chaim Bloch, Delatyn. II. Wie der Nikolsburger und der „Hafiaah“ zu den Chassidim kamen. 1. Aus wessen Munde man die Lehre suchen soll. Unermüdlich und zielbewußt arbeitete der Magid von Mizricz und der kleine Kreis seiner Jünger an der Verwirklichung des chassidischen Ideales, Und dieses Ideal' begann sich aus den ersten noch ziemlich isolierten Anfängen seines Schöpfers, Baalschem, allmählich in schärferen Umrissen zu entwickeln. Die unsicheren, tastenden Versuche, den heiligen Gedanken ins Volk zu verpflanzen, wichen einer methodischen Verbreitung und wurden zu einer großen Strömung in ganz Polen. Mit staunenswerter Beharrlichkeit bemühten sich die Jünger des Magid, unter denen sich Rabbi Susja von Annopol durch seine nahezu unerschöpfliche Fülle von Einfällen und Schrifterklärungen auszeichnete, die Rabbiner, von welchen sie wie eine Pest bekämpft wurden, zu gewinnen. Die Funken der chassidischen Lehre fielen bald auch in diese Kreise und brachten einige Herzen zum heiligen Glimmen. — Die Brüder, Rabbi Schmelke Horwiz (nachher Rabbiner in Nikolsburg) und Rabbi Pinchas Horwiz (nachher Rabbiner in Frankfurt a. M.) eröffneten den Reigen. Sie kamen zum Magid nach Mizricz, um seine Wege und Ziele und die Art und Weise, wie er dem Herrn diente, kennen zu lernen. Sicher auch um sich zu überzeugen, ob die verschiedenen gegen ihn erhobenen Anklagen auf Wahrheit beruhten. Ihre Eltern und Freunde rieten ihnen von dieser Reise ab, weil sie darin eine Billigung der chassidischen Lehre sahen. Den Jüngern des Magid war es sehr daran gelegen, die beiden Gäste, die Blüten der rabbinischen Gelehrsamkeit, die Söhne des bekannten Rabbiners Hirsch von Czortkow und Urenkel des berühmten Rabbiners Jesaje Horwiz, Verfasser des Buches „Die zwei Tafeln des Bundes“, für ihren Kreis zu gewinnen. Sie drangen daher auf den Magid ein, daß er sich den Gästen offenbare und ihnen den ganzen produktiven Aufwand seines Geistes und seiner Gelehrsamkeit zeige. Der Magid aber blieb verschlossen, wie er es immer den Neugekommenen und Nichteingeweihten gegenüber war. Er empfing die beiden Talmudgelehrten sehr freundlich, benahm sich aber sonst so, daß diese annehmen mußten, er verfüge über ein kleines Maß rabbinischen Wissens. Sie verabschiedeten sich daher und begaben sich in das Gasthaus, um bald die Reise in die Heimat anzutreten. Die Jünger des Magids sahen, daß die Gäste keinen guten Eindruck mitnahmen, und es tat ihnen sehr weh, daß sie diese beiden „heiligen Tauben“ — wie sie