Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 220 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Das Jütische Echo Nr. 19 Selbstverwaltung in allen inner jüdischen nationalen Fragen. Diese Forderungen stehen im Einklang mit den Rechten und Pflichten des Staates und entsprechen seinen Interessen; 2. eine öffentlich-rechtliche Anerkennung von Palästina als Heim für das jüdische Volk und Garantien für eine jüdische Kolonisation in Palästina, die eine weitere freie Entwicklung ermöglichen.“ Diese Resolution wurde in begeisterter Stimmung durch Akklamation einstimmig angenommen. Unter den Klängen der Hatikwah wurde das zionistische Volksmeeting geschlossen. Der Gerer Rebbe und die iüdische Presse (vgl. Notiz in Nr. 16 des „J. E.“) Der „Hajnt“ berichtet, daß die Zeitung „Moment“ sich an den zurzeit in Otwock residierenden Gerer Rebbe gewandt habe wegen dessen Äußerungen in seinem bekannten Rundschreiben zugunsten des „Jüdischen Wortes“ gegen die Lektüre anderer jidischer Zeitungen. Der „Moment“ fordert das religionsgesetzliche Urteil eines Bes Din und behauptet, daß der Grund (Irreligiosität und Frivolität) für ihn nicht zutreffe. Der Gerer Rebbe soll bereit sein, eine eingehende Untersuchung anzustellen, verlangt jedoch von dem Redakteur des „Moment* das Versprechen, daß er seine Zeitung schließt, falls sich die Beschuldigung bestätigen sollte. Der Stadtrat von Bendzin. Die jüdische Bevölkerung von Bendzin macht ungefähr 70 Prozent der gesamten Bevölkerung der Stadt aus. Zurzeit der Wahlen zum Stadtrat erklärten sich die Polen nur unter der Bedingung bereit, an den Wahlen teilzunehmen, daß die Polen im Stadtrat eine Majorität erhalten. Das Entgegenkommen der Bendziner Juden, den Polen die Hälfte der Sitze im Stadtrat zu überlassen, wurde zurückgewiesen. So sahen sich die Juden von Bendzin gezwungen, die Wahlen zum Stadtrat allein durchzuführen. Am 26. März wurde der Stadtrat von Bendzin, der infolge der Nichtanteilnahme der Polen an den Wahlen aus 24 jüdischen Ratsmännern besteht, eröffnet. Die polnische Presse nennt den Bendziner Stadtrat ironisch das „Synedrion“. Geldüberweisungen von Rußland nach Polen. Das Zionistische Zentralbureau in Warschau hat die Erlaubnis erhalten, zwischen den okkupierten Provinzen Polens und Rußlands einen Geldvermittlungsverkehr einzurichten. Die ersten beiden Listen, eine jede von mehreren hundert Namen solcher Personen, die ihre Verwandten in Rußland tim Geldunterstützungen ersuchen, ist bereits durch Vermittlung des Kopenhagener Bureaus der Zionistischen Organisation abgegangen. Dieser Verkehr wird voraussichtlich einen sehr bedeutenden Umfang annehmen und eine Parallele zu dem Geldvermittlungsverkehr zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und allen Kriegsgebieten darstellen, der bekanntlich ebenfalls durch die Zionistische Organisation geht Rechtsanwalt Isidor Jasslnowskl. Am 1. April verschied in Warschau nach einer langen schweren Krankheit im Alter von 76 Jahren einer der ältesten Führer der Zionistischen Bewegung in Polen, Mitglied des Großen A.-C. und des Präsidiums des ersten Zionistenkongresses, Rechtsanwalt Isidor Jassinowski. Dr. Herzl fand in ihm einen der ersten und eifrigsten Freunde, dem er, zusammen mit Rabbiner Samuel Mohilewer, Dr. Kohan-Bernstein und Professor Mandelstamm die Leitung der zionistischen Bewegung Rußlands anvertraute. Er wurde zum ersten Vertreter für Polen im Zionistischen Aktions-Komitee. In seinem Hause weilte Dr. Theodor Herzl auf seiner berühmten Durchreise über Warschau. Von der ersten Konferenz der Chowewe-Zion in Kattowitz bis zum 7. Zionistenkongreß in Basel stand der Verstorbene in der ersten Reihe der palästinensischen und späteren zionistischen Bewegung als einer der treuesten Diener und Führer. Später wurde Dr. Jassinowski einer der Führer der territorialistischen Bewegung und nahm als solcher an der Brüsseler Konferenz lebhaften Anteil. Eine schwere Krankheit zwang ihn aber dann, von jeder öffentlichen Tätigkeit Abstand zu nehmen. Befreiung der Galizischen Geiseln. In Sibirien und einer Reihe anderer russischer Gouvernements befanden sich bekanntlich zahlreiche Juden, die von der russischen Okkupationsmacht in Galizien als Geiseln verschleppt wurden. Ein Erlaß der provisorischen Regierung, unterzeichnet vom Ministerpräsidenten, Fürsten Lwow und dem Kriegsminister Gutschkow, verordnet die sofortige Freilassung aller Verschleppten, ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens. Sämtlichen Befreiten soll nach Möglichkeit die Rückkehr in ihre Heimat gegeben werden. Die Unbemittelten sollen von den Behörden die Kosten für ihre Reise und Unterhalt erhalten. Eine spezielle Militärkommission wird eingesetzt, die die Aufgabe hat, die einzelnen Fälle zu untersuchen, in denen die Rückkehr nicht gestattet werden soll. Die erneuerte iüdische Presse in Rußland. Der erste Freiheitsmonat in Rußland ließ schon eine ganze Reihe jüdischer Zeitungen entstehen. In Odessa begann von neuem die von Hochberg redigierte zionistische Tageszeitung in jidischer Sprache „Unser Leben“ zu erscheinen. Auch die von der alten Regierung eingestellte politische Tageszeitung „Petrograder Tageblatt“ wurde erneuert. Der „Bund“ begann seine Zeitung „Die Arbeiterstimme“, die er von 1897 bis 1905 im Ausland drucken und in Rußland illegal verbreiten ließ, wieder öffentlich herauszugeben. Von dem Organ der Poale-Zion „Der Sozialdemokrat“, sind schon einige Numern herausgekommen. Pogromhetze ln Beßarablen. Nach einem Bericht der „Times“ versuchten in Kischenew Kosaken einen Judenpogrom zu inszenieren. Es wurden hetzerische Reden gehalten und Gerüchte über Kirchenschändungen durch Juden verbreitet. Es kam aber nur zu unbedeutenden Zusammenstößen, wobei einige Schüsse gewechselt wurden. Der Versuch mißglückte und die Ordnung ist wieder hergestellt. Dem Verband der israelitischen Gemeinden Italiens ist ein Gesuch des Israelitischen Frauenvereins in Siena zugegangen, daß auch die Frauen in den Vorstand der jüdischen Gemeinden wählbar seien. Interessant ist ihre Begründung: Die Männer kümmerten sich zu wenig um die Interessen des Judentums; die Aufgabe falle den Frauen zu, die von den Vorfahren ererbten Güter den neuen Geschlechtern zu überliefern. Vom „Journal de Genöve“. Das „Isr. Wochenbl. f. d. Schweiz“ schreibt: Die antisemitische Tendenz des „Journal de Geneve“ ist in verschiedenen Angelegenheiten und Ereignissen der letzten Zeit öfters zutage getreten und hat in jüdischen Kreisen unliebsames Aufsehen und Ärgernis erregt. Es scheint, daß die Redaktion mit gewisser Absicht diese Tendenz zur Schau trägt, und es ist