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Das jüdische Echo · 1917-05-11 · 19 (11.5.1917) · p. Seite 219

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
19 (11.5.1917)
Date
1917-05-11
Page
Seite 219 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 Das Jfidlsclie Echo 219 daß Genügendes dagegen geschah. Polen und Juden müssen Zusammenleben, deshalb müssen die Ersteren gebührende Rücksicht nehmen. Die Zwangsarbeit bei geringem Lohn traf ausschließlich die Juden. Gegen den Willen des Stadthauptmanns wurden harte Strafen verhängt. Bei einer Zwangsanleihe wurden die Polen bevorzugt. Diese Dinge müssen anders werden. Zufrieden ist die Bevölkerung dagegen mit der Rechtsprechung. Ein Fortschrittler bestätigt die Klagen über die Verwaltung in Litauen. Mit jedem Tag werde es dort ärger. Es müsse ein Wechsel an der Obersten Stelle erfolgen, ein anderer Träger des dort herrschenden Systems sei ja glücklicherweise entfernt. Der Redner wiederholt die Beschwerden über das Schulwesen in Warschau, das Wahlsystem, das Unterstützungswesen, die Zusammensetzung des Staatsrates usw. Am 5. Mai wurden die Beratungen fortgesetzt. Ein Zentrumsredner wies darauf hin. daß in Wilna sich die Juden über die Polen beschweren aber auch die Polen über die Juden. Nach seiner ganzen Weltanschauung passe Graf York nicht dahin. Die sprachlichen Schwierigkeiten, der Mangel an geeignetem Personal führen zu Klagen. In Wilna wird man stets anstoßen, da man nicht alle Nationalitäten zufriedenstellen kann. Ein Redner, der Soz. A.-G. erkannte an, daß auf dem Gebiete der Hygiene und der Rechtsprechung manches Gute geschaffen wurde, in der Hauptsache allerdings um militärischer Zwecke willen. Daneben laufen aber zahlreiche Klagen hinsichtlich der Arbeiterbeschaffung, der Behandlung der Bevölkerung im allgemeinen, des Verhaltens der Verwaltung gegenüber den religiösen Bedürfnissen und Anschauungen, gegenüber den Schulen und wohltätigen Vereinen. Ein polnischer Abgeordneter wendet sich gegen den Vorwurf, daß die Polen die Juden schlecht behandeln und erörtert das geschichtlich und wirtschaftlich bestehende Verhältnis der beiden Volksstämme. Unterdrücken können die Polen überhaupt nicht, das kann nur die Bureaukratie. Die Polen beschweren sich über dieselben Dinge wie die Juden. Staatssekretär Dr. Helfferich wies darauf hin, daß bei der notwendigen Anspannung aller unserer Hilfsquellen naturgemäß — wie in der Heimat — so auch in den besetzten Gebieten Härten nicht vermieden werden können. In der Sitzung vom 7. Mai sagte ein Mitglied der Deutschen Fraktion, ein wichtiges Problem sei die Lösung der Judenfrage; die Einwanderung der Juden solle möglichst verhindert, dafür die Juden in ihre ursprüngliche Heimat überführt werden. Ein Mitglied der Fortschrittler trat nochmals für entsprechende Behandlung der Juden in Litauen ein, die nicht schlechter sein dürfe als die der Deutschen. Die Beteiligung der Bevölkerung und der Vereine bei Ausübung der Wohlfahrtspflege usw. dürfe nicht beschränkt werden. Das Selbstverwaltungsrecht sei zu erweitern. Der Vorschlag des Vorredners auf Unterbringung der Juden in Palästina sei angesichts der dortigen Bodenbeschränktheit undurchführbar. Die Aussichten der antisemitischen Bewegung in Deutschland sieht die „Staatsbürgerzeitung“ recht pessimistisch an: „Der Karren ist in der antisemitischen Bewegung verfahren, und es wird eine Weile dauern, bis er wieder flott wird. Die übertriebenen großen Erwartungen auf einen ungewöhnlichen Aufschwung des Antisemitismus nach dem Frieden sind unseres Erachtens unberechtigt. Zweierlei ist geeignet, dem deutschen Antisemitismus Abbruch zu tun: 1. Die russische Revolution und 2. die Unzulänglichkeit in der derzeitigen Führung der deutschvölkischen Partei. Die russische Revolution befreit Deutschland von dem Schreckensgespenst der ostjüdischen Masseneinwanderung. Das macht natürlich was aus. Die russische Revolution wird des weiteren eine große demokratische Welle auch in Deutschland erzeugen. Die Herren Werner, Wiegershausen und Hennigsen, die zielbewußt gegen diesen Strom zu schwimmen unternehmen, werden dabei keine Triumphe feiern. Was die Unzulänglichkeit in der derzeitigen deutschvölkischen Partei betrifft, so ist das ein besonderes Kapitel, über das wir uns ein andermal eingehender verbreiten wollen,“ Aus Palästina. Über die Evakuierung Jaffas und der judäischen Kolonien südlich von Jaffa sind im Auslande am 7. Mai längere Berichte verbreitet worden. Da wir gegenwärtig nicht in der Lage sind, authentisch über die diesen Meldungen zugrunde liegenden Tatsachen zu berichten, müssen wir ihre Veröffentlichung bis zu dem Zeitpunkt verschieben, wo wir die eingeforderten Berichte erhalten werden. Im Hauptausschuß des Deutschen Reichstages wurden an das Auswärtige Amt Anfragen wegen der im Ausland verbreiteten Gerüchte über die Vorgänge in Palästina gestellt. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes. Exzellenz Zimmermann, antwortete in der Sitzung des Hauptausschusses vom 8. Mai auf diese Anfragen. Zionistisches aus Lodz. Am 10. April wurde anläßlich des Schekeltages das erste Lodzer Zionistische Volksmeeting abgehalten, an dem sich 1500 Personen beteiligten. Den Vorsitz führte Herr Dr. Rosenblatt. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Da die Juden als besondere Nation mit einem ausgesprochenen Willen ihrer nationalen Fortexistenz das Recht haben, Garantien für die freie Entwickluug ihrer eigenartigen nationalen Kultur zu fordern, stellt die Versammlung vom 10. April im Konzertsaal in Lodz fest, daß, während die Regulierung der Judenfrage und die Erhaltung des jüdischen nationalen Organismus nur durch die Schaffung einer ständigen jüdischen Siedlung in dem historischen Vaterland der Juden möglich ist, im Golus, besonders in den Ländern mit einer großen jüdischen Bevölkerung, die Rechte der Juden als nationaler Minderheit anerkannt werden müssen. Es wird daher gefordert: 1. die Anerkennung der jüdischen Nation in Polen und konstitutionelle Garantien für die Rechte der jüdischen nationalen Minderheit. Zur Sicherung dieser nationalen Rechte eine entsprechende Vertretung in allen Staats- und Kommunal-lnstitutionen wie auch volle Rechte der LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIAL-DAMEN -SALON NÜR FÜR DAMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DAMEN UND HERREN Parkhotel Majdmiliansplatz 21 SPEZIALITÄT: Künstlerisch ausgeführte ERSATZ* FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz voll u. ganz angepaßt

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