Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 216 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Das Jüdische Echo Nr. 19 Schaft selbst mitgewirkt. Er konnte einen erheblichen Teil des Materials aus eigenen Akten schöpfen; er hatte in seiner amtlichen Tätigkeit als Leiter des Jaffaer Palästina-Amtes tausendfältige Gelegenheit, mit den kleinsten Einzelheiten des wirtschaftlichen Gebietes sich vertraut zu machen; niemand hatte so vielfache Beziehungen zu allen Schichten der jüdischen, europäischen und einheimischen Bevölkerung wie er; zahlreiche Reisen, auch im weiteren Syrien, haben seinen Gesichtskreis erweitert und sein Material vervollständigt; ihm standen, besonders auch durch den Einfluß Djemal Paschas, Quellen offen, die jedem bisherigen Bearbeiter verschlossen waren. Endlich brachte er auch zu dieser Arbeit die gründlichste volkswirtschaftliche Vorbildung und den scharfen Blick des geschulten Statistikers mit, vor allem aber als höchst persönliche Gabe die unbeirrbare Sachlichkeit und Objektivität, die ihn vor Tausenden auszeichnet. So konnte ein Werk erstehen, dessen größte Leistung vielleicht die Zusammendrängung des ungeheueren Stoffes auf 418 Seiten ist. Freilich ein solches Buch, das von Zahlen wimmelt, ist keine spannende Lektüre, keine literarische Süßspeise. Es fordert, wie von seinem Schöpfer, auch von seinem Leser harte und eindringliche Arbeit. Aber aus den Tabellen und Vergleichszahlen steigen dem, der Sinn für die Zahl hat, Kritik und Folgerungen, Forderungen und Aussichten machtvoll empor. Kein Wort der Schönrednerei schwächt die nüchterne Gewalt der gegebenen Tatsachen ab, und der ordnende Geist, der diese Massen von Daten zusammengeführt und gruppiert hat, kann am Schluß einer Wirkung sicher sein, die tief und weitreichend, klärend und aufbauend, befruchtend und anspornend ist. Die Zahlen haben Leben, das Buch hat eine Tendenz: Werdet sachlich! Wir wollen ganz kurz den Inhalt des Buches überschauen; zu einer Diskussion von Einzelheiten ist gegenüber einem so grundlegenden Werk hier nicht der Platz. Die Einleitung gibt ein Abschnitt über das Land Syrien, von Alexandrette bis an die ägpytische Grenze, und seine Bewohner. So kurz er ist, so wertvoll ist er durch die Zuverlässigkeit seiner Angaben, die überall, wo nicht exakte Daten vorliegen, auf vorsichtigste Schätzung gegründet sind. Es folgt dann ein zusammenfassendes Kapitel „Der wirtschaftliche Aufbau des Landes und der Gesamtwert seiner Gütererzeugung“. Mit einem alten jüdischen Worte kann man auch hier sagen: In der Arbeit das Schlußstück, im Gedanken das Erste, Denn es kommt für das Verständnis des Lesers vor allem darauf an. sich die Tatsache klar zu machen, daß die Grundlage der Wirtinuimiimimiiniiinnimimniniiinmiininimnimminmunnniiininnnmmmminuuntinnui „ESKfi" 1 KLEINKUNST- I VERSAND I MÜNCHEN Promenadestraße 5 Russtellung aller Zweige | des Kleinkuhst-Gewerbes fiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiHiiimiiiiiniMiiitiiHiiiiiiiiiiHiiiiiiHimiiiiiiiiimimiimiiiiiimiiiiimm schaft Syriens die Landwirtschaft ist, und daß auch die Anfänge der Industrie auf ihr basieren. Deshalb ist der folgende Abschnitt „Die Landwirtschaft“ das Rückgrat des Buches. Er ist es auch, der die höchste Aufmerksamkeit aller Juden erfordert, die sich für die jüdische Kolonisation Palästinas interfessieren. (Ruppin gibt zunächst eine Übersicht der bisherigen Produktion nach Art und Menge. Dann schreitet er zu einer hochwichtigen und originellen Untersuchung der Einzelwirtschaft und der Zweckmäßigkeit der bisher im Lande angewandten Bewirtschaftungsformen. Diese Untersuchung ist für uns besonders wichtig, weil sie sich auf das im engeren Palästina gewonnene Zahlenmaterial gründet. Ruppins Rentabilitätsberechnungen zeigen, daß die primitivste Form, die Fellachenwirtschaft, zurzeit durchaus nicht die unrentabelste ist. Am ungünstigsten stehen vielmehr die jüdischen Wirtschaften mit einseitigem Ackerbau da, zumal die kleineren. Die erfolgreichste Wirtschaft ist die der deutschen Kolonisten. Sie erreicht diesen günstigen Stand durch ihre Intensivierung und ihre Vielseitigkeit, indem sie zum Ackerbau und zur Pflanzungskultur die Viehwirtschaft, den Gemüsebau und — was sehr wesentlich ist — die von der Bäuerin geleiteten Nebenbetriebe der Landwirtschaft pflegt. Sie kommt damit, abgesehen von der hohen Rentabilität, dem Ideal des Bauern, der völligen Selbstversorgung, am nächsten. Auch die jüdischen Pflanzungsbetriebe rentieren gut; doch hat hier der Krieg ein warnendes Menetekel gegen die Einseitigkeit aufgestellt, indem diese Betriebe meist auf Export angewiesen sind und in der Beschaffung der wichtigsten Lebensmittel nicht Produzenten, sondern kaufende Konsumenten sind. — Ruppins vorsichtige Stellungnahme gegen den Glauben, daß allein durch technische Modernisierung der Betriebsmittel die Rentabilität der Landwirtschaft gehoben werden könne, verdient hohe Beachtung. Im Anschluß an diesen Abschnitt bespricht Ruppin die Maßnahmen zu einer Hebung der syrischen Landwirtschaft. Er verliert sich dabei nicht in uferlosen und utopischen Plänen, sondern bleibt überall auf dem Boden des Gegebenen und des Möglichen. Seine wichtigsten Vorschläge beziehen sich auf Maßnahmen des Staates zur Verbesserung der allgemeinen Produktionsbedingungen (Steuerreform, Landesgesetze, Besserung der Verkehrswege, Schaffung von billigem Kredit u. a.) und auf berufliche Zusammenarbeit der interessierten Kreise (Schaffung einer landwirtschaftlichen Gesellschaft nach dem Muster Ägyptens, Einrichtung von Lagerhäusern, Versuchsstationen usw.). Wer in diesem Abschnitt Ruppin als gründlichen Kenner der landwirtschaftlichen Dinge bewundert hat, muß überrascht sein, in dem folgenden großen Kapitel über die Industrie Syriens, die gleiche gediegene Sachkenntnis zu finden. Es ist erstaunlich, mit welchem Spürsinn Ruppin die Quellen erschlossen hat, um zuverlässige Auskünfte über die sehr zersplitterten und unübersichtlichen Verhältnisse dieser unorganisierten und zum großen Teil in der Form der Hausarbeit sich betätigenden Industrie zu erhalten. Seine Angaben sind trotz ihrer Kürze außerordentlich erschöpfend, und es dürfte kaum irgend ein einigermaßen wesentlicher Industriezweig fehlen. — Ganz besonders lehrreich ist hier der Abschnitt „Gescheiterte industrielle Versuche und ihre Lehren“, ein bitteres Kapitel der Rückschau gerade auch für die jüdische Kolonisation. Das sichere Urteil Ruppins weist hier Kritik und Abhilfe so überzeugend auf. daß es für die Zukunft von höchster Bedeutung