Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 19 (11.5.1917)
- Date
- 1917-05-11
- Page
- Seite 215 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Das Jüdische Echo 215 servativen Adels, sich den Strömungen der neuen Zeit nicht mehr verschließen konnte, und auch in den dem Hofe und der Regierung nahestehenden Kreisen vernehmliche Stimmen laut werden für eine zeitgemäße politische Erneuerung des Landes. Gegen das neu aufgestellte politische Programm der Mittelpartei des Herrenhauses, besonders gegen den ersten Punkt desselben, in dem die Rechte, Freiheit und Pflichten aller Staatsbürger ohne Unterschied der Konfession und Nationalität gewährleistet werden, hätten wir Juden gewiß nichts einzuwenden; wir zweifeln jedoch, ob diese neuen politischen Richtlinien und Grundsätze, wenn sie überhaupt durchgeführt würden, auch auf die 21/* Millionen österreichischer Juden Anwendung finden werden. Gewiß sind diese Grundsätze auch für die Juden geschrieben, und es wird niemandem einfallen, die Juden von dem ihnen durch die neuen Staatsgesetze gewährten Schutz offiziell auszuschließen. Aber der verhängnisvolle Irrtum und das noch schwerere Unrecht, das bisher an den Juden Österreichs begangen wurde, liegt in der unerhörten Tatsache, daß unsere nationale Sonderexistenz immer und überall verleugnet wurde, wo wir unsere Ansprüche auf gleiche Rechte mit allen anderen Volksstämmen der Monarchie erhoben. Gerade in dieser Beziehung werden die Juden bei der Neugestaltung der Dinge in Österreich die größten Anstrengungen machen müssen, damit sie nicht als eine konfessionelle Gruppe, sondern als ein vollwertiger Volksstamm, den man nicht als einen stummen Statisten heute zu dem einen und morgen zu dem andern Volk hinzuzählen darf, vor der ganzen Welt anerkannt werden. Die österreichische Politik ist im Begriff, mit ihrem alten Parteidünkel zu brechen, und es wäre eine schreiende Ungerechtigkeit, die alten Vorurteile in Bezug auf den jüdischen Volksstamm noch weiter zu pflegen, zumal die Juden stets und mit aller Entschiedenheit die Einheit der Monarchie angestrebt und eine unverbrüchliche Liebe zum Habsburger Herrscherhaus bewahrt haben. Die österreichischen Politiker müssen endlich einsehen, daß ein zufriedener, national gefestigter jüdischer Volksstamm die sicherste Stütze für das Staatsganze der Monarchie bildet und daß mit der Stärkung des nationalen Judentums ein normales und gesundes inneres und äußeres Leben bei den Juden gefestigt werden kann, was von einer weitblickenden Politik herzlich begrüßt und unterstützt werden sollte. i : -i Punkt 7 des erwähnten Programms bezieht sich auf die neue Ordnung in Galizien und enthält u. a. folgenden Satz: „Die politische Gesetzgebung und Verwaltung muß die Gleichberechtigung aller derjenigen Volksstämme Galiziens anerkennen und wahren, von denen ein Teil in den übrigen Ländern der Monarchie lebt“. Mit diesem Volksstamm sind zweifellos die Juden gemeint. Wir müssen aber mit allem Nachdruck und aller Entschiedenheit erklären: neben der bürgerlichen Rechte verlangen wir auch die Gleichberechtigung der Juden als eines Volksstammes. Wenn das kleine Häuflein der Deutschen in Galizien diese Rechte genießt, so müssen sie den eine halbe Million zählenden Juden in Galizien erst recht zuerkannt werden. Das österreichische Judentum im allgemeinen und das galizische insbesondere fordert entschieden seine Gleichstellung mit den anderen Volksstämmen als ein gleichwertiger und gleichberechtigter Volksstamm. In unserem eigenen Interesse wie auch im Interesse des Staates wollen wir nicht das Gefühl haben, daß während der Jude im neuen Rußland auch in seinen nationalen Rechten den übrigen Volksstämmen gleichgestellt ist, wir noch schwer für die Anerkennung der Tatsache kämpfen müssen, daß wir ein Volk, einen besonderen jüdischen Volksstamm bilden, dessen Existenz und nationale Entwicklung auch im Interesse des österreichischen Staates liegt. Die Neuorientierung Österreichs wäre nur unvollständig, wenn man ausschließlich in der Judenfrage bei der alten Orientierung, oder richtiger — bei der alten Unorientiertheit bliebe. Syrien als Wirtschaftsgebiet. Von Dr. Elias Auerbach (im Felde). So gewaltig die Literatur über Syrien und insbesondere über Palästina auch ist — den lebendigsten Eindruck erhält man davon aus der großen Thomsenschen Bibliographie — so war es doch dem, der sich über die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Länder unterrichten wollte, bisher nicht leicht gemacht. Das Material war zerstreut vor allem in den verschiedenen Konsularberichten und durch diese Vereinzelung für den Benutzer zunächst fast ungenießbar; die zusammenfassenden Darstellungen waren meist älteren Datums, auf die heutigen Verhältnisse nicht mehr anwendbar und auch vielfach unzuverlässig; tüchtige Arbeiten umfaßten immer nur einen kleinen Teil des riesigen Materials. Jetzt endlich haben wir ein Buch, wir können ruhig sagen das Buch, das die gesamte Wirtschaft Palästinas und des weiteren syrischen Gebietes darstellt, dessen Kenntnis für das Verständnis der palästinensischen Wirtschaft unentbehrlich ist.*) Dieses Buch „Syrien als Wirtschaftsgebiet" hat Dr. Arthur R u p p i n geschrieben. Von den Lebenden dürfte wohl niemand so berufen sein als Ruppin, es so zu schreiben. Seit fast zehn Jahren als Leiter des zionistischen Kolonisationswerkes in Palästina tätig, hat er in einer Arbeitsleistung, deren gewaltigen Umfang nur der recht beurteilen kann, der ihn aus der Nähe kennen gelernt hat, auf fast allen Gebieten der palästinensischen Wirt- *) Dr. Arthur Ruppin, Syrien als Wirtschaftsgebiet. Berlin 1917. Verlag des Kol.-Wirtsch. Komitees, Berlin, Mittler u, Sohn. IV. und 418 S. tOof)Ifetle Künftler*pofthorten ftnb bie „ Sugenb "«poftkarten. SDte Sammlung umfafjt 152 oerfdjiebene harten unö 28 Kriegs* SJohftarten, alles farbige TBiebergaben nad) in ber 9Jtünd)ner „Sugenb" neröffentlidjten 3eid)nungen. Srotj großer ‘Preisfteigerungen in ber £>erfteüung fjaben mir ben alten ‘preis oon 10 Pfennige für jebe Karte beibeljalten, fo bafj bie „3ugenb"='poftkarten fjeute öte billigften Künftledarten J fmb. SHuftr. 'iBeraeidjniffe nerfenbet koftenfrei ber 1 Der lag 6er „3ugenö"| J 9Jtündjen,ßeffingftraj3el §*■ 4 &