Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 18 (4.5.1917)
- Date
- 1917-05-04
- Page
- Seite 206 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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206 Das Jüdische Echo Nr. 18 Löwen, einen Jacobus, Sohn des Alexander, sowie Nathan und Vivis von Roermonde (Provinz Limburg) und mehrere Familien aus St. Tron (Provinz Limburg). Ihre Blütezeit scheinen die Juden der flämischen Gebiete unter der Regierung des Herzogs Johann des Zweiten von Brabant in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts durchlebt zu haben. Ihre Zahl hatte sich infolge der starken Einwanderung aus England und Frankreich bedeutend vermehrt. Sie erhielten günstige Aufenthaltsplätze, ausgedehnte Freiheiten und Handelsrechte. Von der Bevölkerung aber hatten sie manche Ausschreitungen zu erleiden, es kam zu blutigen Verfolgungen in den Jahren 1310, als der Kreuzzug gepredigt wurde, 1349, anläßlich des schwarzen Todes, und besonders im Jahre 1370 infolge der Beschuldigung wegen Hostienschändung. Der bald darauf erfolgte Ausweisungsbefehl machte dem Bestände der jüdischen Gemeinden in Flandern für Jahrhunderte ein Ende. Erst nach dem westfälischen Frieden unter der Regierung des Erzherzogs Leopold Wilhelm von Österreich (1647—1656) scheint es einigen holländischen Juden gelungen zu sein in Vilvorde bei Brüssel und in Borgerhout bei Antwerpen das Niederlassungsrecht zu erlangen, und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden sogar Juden in diesen beiden Städten als Bürger aufgenommen, wenn auch später die Aufnahme teilweise wieder rückgängig gemacht wurde. Von hohem Interesse ist der Schriftwechsel, der in den 80er Jahren desselben Jahrhunderts zwischen dem Rat von Flandern und der Regierung Josefs II. anläßlich der Aufnahme des Amsterdamer Juden Ezechiel de Jough als Bürger von Ostende gepflogen wurde. Wir ersehen daraus, daß die flandrischen Ratsmitglieder von vorbildlichem Gerechtigkeitsgefühl gegenüber den Juden erfüllt waren. So entstanden denn allmählich wieder einzelne jüdische Gemeinden in den von Flamen bewohnten Gegenden, was wir auch aus dem Vorhandensein von jüdischen Friedhöfen in jener Zeit schließen dürfen. In Brüssel wird in einem Akt von 1783 'erwähnt, daß »die Juden seit „unvordenklicher Zeit“ ihre Toten vor dem Tore von Namur zu begraben pflegten. In Gent hatten die Juden ihren Begräbnisplatz nahe dem katholischen Friedhof bei dem Antwerpener Tor. Ein Stein aus dem Jahre 1786 ist noch erhalten. Den Juden von Ostende wurde durch Dekret vom 14. März 1784 gestattet, einen eigenen Friedhof anzulegen, doch scheinen sie damals von dieser Erlaubnis keinen Gebrauch gemacht zu haben. Über die neuere Zeit ist nur wenig zu berichten. Nachdem im Jahre 1830 die Unabhängigkeit Belgiens erklärt und die Vereinigung des flämischen und wallonischen Gebietes zu einer konö®x£)exsexs><2^s>sxs)x?exs>GX£>!C?e>^)ex5><2xs>Qx9* 1 tKgf. ‘Bayer. ‘Porzeffani 1 ‘Manufaktur ‘Rympßenburg | {Hauptniederlage HTlünchen: ödeonsplaß 1 B {Kunst* u. ßuxusgegensiände, Tafel*, bessert*, H {Kaffee* u. Teegeschirre, Tiguren, Qruppen eic. w nach alten <Rympßenburger Original-Modellen. © Außerdem neue Tormen und Tlodelle nach Gnt• würfen erster Tlünchner {Künstler. stitutionellen Monarchie vollzogen war, wurden bald darauf die jüdischen Gemeinden des Königreichs nach dem Vorbilde der französischen Konsistorialverfassung organisiert. Das belgische Zentralkonsistorium hatte seinen Sitz in Brüssel Erster Oberrabbiner war Eljakim Baer gen. Carmoly aus Sulz (Oberelsaß). Die innere Verwaltung der Gemeinden ist geregelt nach den königlichen Verfügungen von 1871 bis 1876. Vor Ausbruch des Krieges war Belgien von etwa 35 000 jüdischen Seelen bewohnt, die sich auf die Gemeinden Brüssel, Antwerpen, Arlon, Gent, Lüttich und Ostende verteilten. ftus Mazedonien. (Aus einem Feldpostbriefe der Jüd. Presse.) Der Aufenthalt in Mazedonien, das einst Philipp seinem Sohne Alexander als „zu klein“ hinstellte, war für mich außerordentlich lehrreich. Immer und immer wieder tauchten biblische Erinnerungen in mir auf. Ich lernte hier ermessen, warum der Jude inbrünstig um Regen betete. Denn ich war um die Regenzeit gerade in dem gleich Palästina wasserarmen Mazedonien. Ich wußte auf einmal, warum die Bibel so viel Zauber um die Brunnen legt. Die Geschichte von Rebekka und Elieser fiel mir fast täglich ein, wenn ich auf den Landstraßen Mazedoniens die Brunnen, welche breite massige Gedenksteine zieren, und vor ihnen die Steintröge zum Tränken der Pferde, Esel und Maultiere sah, wenn ich die Mazedonierinnen mit den schöngeschwungenen Tonkrügen auf dem Kopfe von den Bergen zur Quelle steigen sah. und wenn sie dem durstigen Soldaten an den Quellen aus ihren Töpfen zu trinken geben. Ich wurde altorientalische Zusammenhänge gewahr, wenn ich auf den Köpfen der Mazedonier Käppchen aus weißer oder schwarzgefärbter Lammwolle bemerkte — halbkugelförmig — wie sie noch jetzt fromme Juden tragen. Achtete ich weiter auf den Abendhimmel des Balkan mit seinen hellglitzernden und viel schärfer als im Okzident hervortretenden Gestirnen, so wurde mir klar, daß gerade unsere Vorfahren so zeitig und mit solcher Vorliebe Sternenkunde trieben. Aber mich interessieren nicht bloß altbiblische Erinnerungen. Ich versuchte auch den Gegenwartsjuden in den mazedonischen Städten Monastir und Prilep kennen zu lernen. Die Zeit meines Aufenthaltes war hierfür leider zu kurz. Soviel erfuhr ich aber aus Gesprächen mit den leider nur französisch sprechenden Juden, daß sie alle spanischen Ursprungs sind, das Hebräische spanisch sprechen, daß sie sich gern und stolz als Juden bekennen, gleich mit strahlendem Gesicht ihren jüdischen Namen nennen und den Fremden nach seinem jüdischen Namen fragen. Es war eine Freude, ihre Mienen zu studieren, wenn ich mich ihnen als Jude zu erkennen gab. Freudig erzählten sie es ihren Bekannten weiter. Interesse verdient, daß mir viele ihr Bedauern aussprpachen, daß Monastir und Prilep keine deutsch-jüdischen Schulen haben. Sie wollen gern statt „französisch“, das zwei Schüler der Alliance früher lehrten, die deutsche Sprache lernen. Der Jude Monastirs und Prileps ist vorzugsweise Galanteriewarenhändler. Aber was er in seinen „Kaufhäusern“ — allenthalben kleine zur Straße herausführende Läden — führt, ist Talmi, westeuropäischer Schund, der auch sonst in bulgarischen Läden rasend teuer verkauft wird. Aber ich sah auch jüdische Eisenhändler, Schneider. Schuster, Lastträger.