Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 17 (27.4.1917)
- Date
- 1917-04-27
- Page
- Seite 197 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 197 schied der Gemeinde und Richtung verteilt werden. — Der Flecktyphus, der im Abnehmen zu sein schien, trat von neuem auf. Nachdem auch einige angesehene Mohammedaner schwer betroffen worden waren, sandte die Regierung eine kleine medizinische Expedition nach Jerusalem. Die Ärzte erließen einen Aufruf an die Bevölkerung über die Beachtung der Reinheitsvorschriften und eröffneten ein neues provisorisches Krankenhaus für alle Kranken in der Stadt ohne Unterschied der Nationalität. Eine jüdische Gesellschaft zur Pflege der Erholungsbedürftigen, die den Flecktyhpus überstanden haben, wurde begründet. Gleichzeitig wird auch berichtet, daß die Pockenkrankheit gegenwärtig in Jerusalem verbreitet ist. Dr. A. Beham veranstaltete daher im Gesundheitsamt wie auch in den Krankenhäusern „Schaare Zion“ und „Meir Rotschild“ eine unentgeltliche Impfung gegen Pocken. A. M. Luncz. Der unermüdliche, von hohem Idealismus und tiefer Liebe zum Palästina der Vergangenheit und Gegenwart beseelte Forscher in Jerusalem feiert seinen 60. Geburtstag. Als zehnjähriger nach Palästina gekommen, zeigte er schon in ganz jungen Jahren Interesse für die Archäologie und Geschichte Palästinas und bildete sich als Autodidakt in den Hilfsdisziplinen dieser Wissenschaft aus. Kaum zwanzigjährig, veröffentlichte er einige kleinere Arbeiten über die Geographie und Topographie Palästinas. Er besorgte eine revidierte Neuauflage des seinerzeit vielbeachteten hebräischen Handbuches der Palästinakunde von Joseph Schwarz „Tebuoth Haarez“, gab später auch das klassische Werk über Palästina „Kaphtor-waferach“ neu heraus; in seinem „Hameammer“ und anderen Veröffentlichungen bereicherte Luncz die hebräische Palästinakunde; er schuf in seinem Sammelbuch „Jerusalem“, von dem bereits 11 Bände erschienen sind, ein ständiges Organ zur Erforschung Palästinas, gründete den jährlich erscheinenden „Palästina-Almanach“ und befaßte sich mit der Gründung einer Universalbibliothek der hebräischen Literatur, die in Palästina entstand oder sich auf Palästina bezieht. Ferner übernahm Luncz eine neue wissenschaftliche Edition des palästinensischen (jerusalemischen) Talmuds, von der schon mehrere Lieferungen erschienen sind. Ostiuden in Stockholm. Bekanntlich ist in Stockholm (wie in anderen skandinavischen Großstädten) seit Kriegsbeginn eine größere Kolonie von Ostjuden entstanden, die auch eigene Preßorgane, Theater usw. haben. Nach der soeben veröffentlichten Statistik befinden sich zur Zeit in Stockholm über 2000 solcher „zugereisten“ Juden. Einer weiteren Meldung aus Stockholm zufolge, hat ein Teil dieser Juden beschlossen, infolge der in Rußland verkündeten politischen Amnestie, in ihre Heimat zurückzukehren. Die Rechte der Juden in Finnland. Die finnischen Juden, die laut der finnischen Verfassung keine Rechte besitzen, schickten eine Abordnung nach Helsingsfors, welche die Wünsche der finnischen Juden vorbrachte. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Finnen nun nach Wiedereinführung ihrer Verfassung weiter so hartnäckig den jüdischen Forderugen gegenüber ablehnend verhalten werden. Vom amerikanisch-jüdischen Kongreß. Nach einer Kabelmeidung aus Amerika wurde der Kongreß auf den 2. September 1917 einberufen. Das englische Asylrecht von heute. Im englischen Oberhaus hat Lord Sheffield den Kriegsminister interpelliert über die Verweigerung des Reisepasses nach Amerika für einen russischen Juden, der amerikanisches Bürgerrecht besaß und kurz vor dem Krieg in Geschäftssachen nach London gekommen war. Er forderte, die „Defence of Reals Acts“ möchte nicht in einer Weise gehandhabt werden, die die bürgerliche Freiheit ernstlich gefährdet. Der Kriegsminister antwortete, daß das Ministerium den russischen Untertanen die Erlaubnis, das Land zu verlassen verweigere und das im Allgemeinen, damit die Russen ihrer Militärpflicht nachkommen. Er erklärte, daß der von Sheffield erwähnte Jude um das amerikanische Bürgerrecht zwar schon nachgesucht, dasselbe jedoch noch nicht erhalten habe. Feuilleton Äus der Welt der Chassidim. Von Chiaim Bloch, Delatyn. (Dem Andenken meines teuern Onkels Zwi-Hirsch ben Izchok Bloch, gestorben in Wien 23. Schwat 5677.) Es ist ein Teil der Wahrscheinlichkeiten, daß viele unwahrscheinliche * Dinge geschehen. (Aristoteles Poetik.) Einleitung.*) Es ist gesagt worden, daß unsere Zeit, unter der Einwirkung des Krieges, eine Wiedergeburt aller historischen Bewegungen und geistigen Strebungen erleben würde. Eine solche geistige Bewegung, die jetzt in den Brennpunkt aktueller Betrachtungen gerückt ist, ist unstreitbar der Chassidismus, der in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts mit gewaltiger Kraft das ganze Judentum im slavischen Osten erfaßt hatte, in dessen Schoße er sich noch heute unter verschiedenen Gegensätzen und Kämpfen bewegt. Wir verdanken dies in erster Reihe Martin Buber, der schon vor Jahren die allgemeine Aufmerksamkeit auf diese Bewegung gelenkt hat. Es bedurfte wirklich dieses unerschrockenen jüdischen Denkers, um in das tiefe Geheimnis der chassidischen Welt einzudringen und den problematischen Genius des Ostjudentums in seiner Ganzheit und Ursprünglichkeit zu erfassen. Buber hat seine Aufgabe in einer Weise erfüllt, wie es vielleicht kein anderer vermochte. In seinem Vorwort zu der „Legende des Baalsehem“ legte Buber ein Geständnis seiner Sympathie für den Chassidismus und seiner Liebe zur chassidischen Ideenwelt ab. Heute kommen sie alle die begeisterten Bußetuer und tragen mit staunenswertem Eifer die herrlichsten Mosaikstücke zusammen. Kein Wunder, wenn sich nun der dichte Nebel von Irrtümern und Mißverständnissen, Lügen und Verleumdungen, der den Chassidismus verdunkelt hat, Tag für Tag zerstreut. Schon aus den herrlichen Sagen und Geschichten, die bisher ins *) Dieser Einleitung lassen wir in den nächsten Nummern eine Reihe bisher unveröffentlichter, vom gleichen Verfasser gesammelter und verdeutschter chassidischer Gleichnisse und Sagen folgen. Die Redaktion.