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Das jüdische Echo · 1917-04-27 · 17 (27.4.1917) · p. Seite 196

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
Seite 196 (sequence 8)
Language
German
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196 Das Jüdische Echo Nr. 17 den Wünsche und Postulate versäumen können. Zu früh nicht, weil der Kongreß, wenn er seine Mission gehörig erfüllen soll, gut vorbereitet werden soll. Besser kein Kongreß, als ein schlecht vorbereiteter. Besprechungen maßgebender Juden aller Parteien müssen ihm vorangehen, eine Klärung der Differenzen muß erfolgen, jede der Materien, die auf der Tagesordnung steht, muß von tüchtigen Fachmännern studiert, besprochen, begründet und klar präzisiert werden. Für die Vorarbeiten zu einem solchen Kongreß schlage ich vor, daß die löbliche Redaktion der „Selbstwehr“, die für die Initiative in dieser wichtigen Angelegenheit und das Verständnis, das sie ihr entgegenbringt, unser aller Dank verdient, sich an maßgebende Führer der östereichischen Judenschaft aller Parteien mit einem allgemeinen Vorschläge, der die Nützlichkeit und Dringlichkeit des Kongresses begründet, wendet und dieselben ersuchen, sie mögen zu einer ersten Aussprache in Wien, — ich wähle Wien, weil es die Residenzstadt der Monarchie ist und weil hier entweder die maßgebenden Repräsentanten der Judenschaft dauernd wohnen oder sich vorübergehend hier aufhalten, für diejenigen, die anderwo wohnen, ist Wien der beste Treffpunkt — spätestens im Mai d. J. Zusammenkommen und sich über den Kongreß äußern. Bei allseitigem guten Willen, bei richtiger Beurteilung der Gesamtlage des Judentums, bei dem reifen Ernste, starken Verantwortlichkeitsgefühl, die ich bei den Teilnehmern der Beratung voraussetzen will, habe ich die Überzeugung, daß die Teilnehmer der Konferenz nach Besprechungen und Beratungen die gemeinschaftliche Plattform, die zu einem gehörig vorbereiteten Kongresse führen wird, finden werden. Ein Kongreß der Gesamtjuden Österreichs wäre ein Markstein in der Geschichte des Judentums.“ Welt-Echo Gemütsroheit und Burgfrieden. Die „Tägl. Rundschau“ meldet: „Folgender kaum glaublicher Vorfall wird uns zuverlässig berichtet: Aus einem westlichen Vorort Berlins wurden 8 Primaner zur landwirtschaftlichen Flilfeleistung auf ein Gut beurlaubt. Unter ihnen befand sich ein Jude. Diesem ließ die Gutsherrin einige Stunden nach seiner Ankunft durch einen seiner Kameraden sagen, daß sie mit Juden nichts zu tun haben wolle und wünsche, daß er gleich wieder seines Weges fahre, daß sie übrigens gegen seine Person nichts habe. In welcher Gemütsverfassung der junge Mensch zu seinen Eltern zurückkehrte, braucht nicht weiter ausgemalt zu werden. Der Leiter der Schule rief auf die Meldung von diesem Vorfall hin sofort die beurlaubten Schüler sämtlich zurück, gab sich aber dann im Einvernehmen mit dem Vater des so häßlich Behandelten damit zufrieden, daß die Gutsherrin sich wegen des Vorfalls schriftlich entschuldigte.“ Hierzu bemerkt sogar die nicht gerade judenfreundliche Zeitung: „Damit kann dieser Fall an sich für erledigt gelten, als Beispiel aber für eine gewisse Sorte von Gemütsroheit aus Doktrinarismus verdient er eine besondere Kennzeichnung. Von jedem Gesichtspunkt aus gesehen, ist diese Handlungsweise bedauerlich und der Brandmarkung wert.“ Wir brauchen dieser Bemerkung wohl nichts mehr hinzuzufügen. Jüdische Volksküchen in Warschau. Dem Bericht der Sektion der jüdischen Volksküchen in Warschau, die am 1. März 1916 gegründet wurde, entnehmen wir folgende interessante Zahlen: Im Verlauf der ersten zehn Monate (März bis Dezember) wurden 8 549 736 billige Mittagessen verteilt, darunter 2 730 675 völlig unentgeltlich. Die Zahl der Küchen beträgt 24, darunter 3 Arbeiter¬ und 2 Schulküchen. Im Interesse der besseren Organisierung wurde beschlossen, bezahlte Bedienung anzustellen. An diesen Küchen sind nunmehr 352 Personen mit einem monatlichen Gehaltsbudget von 5000 Rubel angestellt. In der Spitze dieser Sektion der Jüdischen Volksküchen steht der Zionist Selig Weitzmann. Die Zahl der Warschauer Juden. Zur Verteilung der Mazzothkarten ist eine Zählung der hiesigen Juden vorgenommen worden, die ergab, daß gegenwärtig in Warschau 357 000 Juden wohnen. Im vorigen Jahre betrug ihre Zahl 350 000. Daraus ergibt sich, daß sich die hiesige jüdische Einwohnerschaft um 7000 Seelen vergrößert hat. Gegenüber der Tatsache, daß die Gesamteinwohnerzahl in Warschau sich um etwa 100 000 verringert hat, ist der Zuwachs an Juden charakteristisch und beachtenswert. Dr. Ludwig Zamenhof, der Erfinder des Esperanto ist am 14. April in Warschau gestorben. Der Augenarzt Dr. Zamenhof, der aus Bialystok stammte, wurde dort als Sohn eines jüdischen Religionslehrers geboren. Schon in seiner Jugend kam er infolge der in seiner Heimatstadt herrschenden Sprachverschiedenheit (es werden in Bialystok die polnische, litauische, russische und jidische Sprache gesprochen) auf den Gedanken, eine Einheitssprache zu schaffen, die Weltverkehrssprache werden solle. Er schuf dann das Esperanto. Zamenhof wurde durch diese Erfindung weltberühmt und erhielt verschiedene Auszeichnungen, darunter auch eine vom Papst. Dr, Zamenhof ist Zeit seines Lebens ein treuer und bewußter Jude geblieben. Dem Esperanto war nur ein kurzer Erfolg beschieden gewesen; der Weltkrieg hat natürlich den letzten Resten dieser „Weltverbrüderungssprache“ den Garaus gemacht. Nach den Berichten Warschauer Zeitungen war die Beerdigung Dr. Zamenhofs sehr bescheiden; nur einige überzeugte Esperantisten, darunter auch deutsche Soldaten, folgten der Bahre des einst so berühmten Mannes. Aus Palästina. Die türkischen Behörden, unter deren Aufsicht das jüdisch-amerikanische Komitee in Jerusalem steht, entsandten ihre Vertreter, die Herren Ismail Chaki-Bay und Earaf Efendi, ins Komitee. Diese Vertreter der Behörden wollen dafür sorgen, daß die aus Amerika einlaufenden Gelder unter allen jüdischen Notleidenden, ohne Unter- LÜSTER in Eisen, Messing und Glas, elektrisch und Gas Zuglampen mit Nachlaß zu verkaufen. Beparatnren and Neuanfertigungen werden nach Wunsch geliefert. CARIrWHlGI MCNCIffiX MAXIMILIANS-PLATZ 14 nächst TEL:27227

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