Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1917-04-27 · 17 (27.4.1917) · p. Seite 191

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/9072829-9102967-9138097--01427-9074251
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 17 Das Jüdische Echo 191 „Die jüdische Volksversammlung in Moskau begrüßt in großer Freude die Freiheit. Wir sind ganz davon überzeugt, daß die Gründungsversammlung, die auf Grund des freien Wahlrechtes gewählt werden wird, in Rußland vollkommene Volksverwaltung herstellen wird und daß dem jüdischen Volke, wie allen anderen Völkern in Rußland, außer der bürgerlichen Freiheit auch nationale Rechte, nationale Selbstverwaltung und freie nationale Entwicklung gesichert werden wird, Die Versammlung beschließt, einen allgemeinen jüdischen Kongreß in Rußland einzuberufen.“ III. Ein Parteitag des „Bund“. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet: Die jüdisch-sozialistische Organisation „Der Bund“ hält am 15. April einen Parteitag in Petersburg ab. Die Tagung wird sich mit 3 Fragen beschäftigen: Sie wird die Haltung der Partei gegenüber dem Krieg, dem Komitee der Arbeiter und Soldaten und der Forderung der nationalen Autonomie festlegen. Auch mit der Frage der Einberufung eines allgemeinen Kongresses der russischen Juden wird sie sich beschäftigen. IV. Jüdische Offiziere in der russischen Armee. Es ist schon gemeldet worden, daß die provisorische Regierung nebst den anderen für die russischen Juden bestehenden Beschränkungen des autokratischen Regimes auch die Bestimmung abgeschafft hat, wodurch die Beförderung jüdischer Soldaten zu Offizieren der russischen Armee verboten war. Der hierauf bezügliche Erlaß ist vom neuen russischen Kriegsministerium herausgegeben worden und lautet: „Alle Juden in der Armee, die bisher nur aus dem Grunde, weil sie Juden sind, nicht Offiziere werden konnten, sollen zu Offizieren ernannt werden. Juden können in Offiziersschulen auf genommen werden. Diejenigen Juden, die sich im Moment als einfache Soldaten schon bei der Armee befinden, die aber auf Grund ihres Bildungsgrades das Recht hätten, Offiziere zu werden, sollen aus der Armee zum Besuch von Offiziersschulen zurückgeschickt werden. Dasselbe gilt auch für das Marineministerium. Doch werden in den Marine- Offiziersschulen vornehmlich die Söhne gefallener Offiziere und Soldaten aufgenommen.“ Was sich auf dem Papier so schön macht sieht inWirklichkeit manchmal weniger schön aus. In dem Petersburger „Rjetsch“ lesen wir nämlich: „Die ersten durch den neuen Erlaß beförderten jüdischen Offiziere konnten sich in der Armee nicht behaupten, weil die Soldaten vor ihnen keinerlei Achtung haben und sich sogar zu tätlichen Beleidigungen hinreißen ließen. Der Antisemitismus ist bei den einfachen Soldaten zu tief eingewurzelt. Man soll daher vorläufig von weiteren Experimenten dieser Art absehen.“ V. Pogrome? Wie „Svenska Dagbladet“ aus Haparanda erfährt, sollen sich in der Umgegend von Kiew ernste Unruhen zugespitzt haben. Bewaffnete Banden entwaffnen die Miliz und rissen die Macht an sich. Militär, das von Kiew ausgesandt wurde, mußte den Banden eine richtige Schlacht liefern. In dem Marktflecken Brusilow fand ein Judenpogrom statt. Weithin herrscht völlige Anarchie. Auch von Odessa gehen ähnliche Nachrichten ein. (Voss. Ztg.) In Balta herrscht panikartige Stimmung, weil das „Schwarze Hundert“ Pogrome vorbereitet. Militär wurde abgesandt, um die Pogrome zu verhüten. Ein Leitartikel der „Birschewyja“ befürwortet eine ernstliche Gegenrevolution und ruft die Intelligenz an, das Volk aufzuklären, damit den Aufwiegelungsversuchen der gegenrevolutionären Agenten entgegengearbeitet würde. Sonst könnten sich Judenpogrome wie im Jahre 1905 ereignen. Zionisten und die russische Revolution. Der Aufruf des Zentralkomitees der zionistischen Organisation in Rußland. An die Zionisten! Der Kampf der Generationen ist vollendet. Die Selbstherrschaft brach zusammen. In einem revolutionären Schwung zerschmetterte das russische Volk die Ketten, die es Jahrhunderte gefesselt haben. Die Folgen der mißlungenen Revolution von 1905 und die großen Erschütterungen des Weltkrieges vereinigten die produktiven Kräfte des russischen Volkes und schufen die Einheit seines mächtigen Willens zur Freiheit, zur Volksherrschaft. Die Einheit dieses Willens, die Gefahr einer Contrerevolution waren es, die der revolutionären provisorischen Regierung ihre Aufgaben diktierten. Diese Aufgaben sind: die Festigung der Errungenschaften der Revolution und die Herstellung der Bedingungen, die für die Einberufung der Konstituante notwendig sind. Unter diesen Umständen verkündete die provisorische Regierung die vollständige Aufhebung aller Standes-, konfessionellen und nationalen Beschränkungen. Unter dem Druck dieser Beschränkungen litt am schrecklichsten das heimatlose Wandervolk. Sie verletzten in jedem von uns den Menschen und drückten den Juden. Judenpogrome und schändlichste Verläumdungen machten die russische Judenheit zum Märtyrer und Opfer des gestürzten Regimes. Dieses Opfer verlangt jetzt seine Vergeltung. Die provisorische Regierung — wir glauben es — erkennt die historische Schuld des alten Rußlands und wird sofort die jüdische Gleichberechtigung verwirklichen. Möge der Jude, befreit von dem schändlichen Fleck der rechtlichen Beschrän- BtlHger, künftlerifdjer löanbjdjmud finb bte Äunftbrucfee bcr Stüncbner „Sugettb". Stuf bern ©ebiete bes Sierfarbenbrucbes bot bie „3ugenb'‘ babnbredjenb geroirbt unb bie non ißr berausgegebenen Stunftbrucbe finb in Millionen oon (Ejemplaren auf ber ganzen S3ett oerbreitet. Sie Sammlung umfaßt einige taufenb QMätter, unter benen jeber ©efdjmacb Soffenbes junt greife oon 50 Pfennige bis 1 Starb, je nad) ©röße finbet. ©in großer illuftrierter Katalog mit taufenb oerbleinerten Stbbilbungen (^reis 4 Starb) erleichtert bie SBaßt. Sie 3ugenb=5tunftbrucbe finb burcb jebe $3ud)= unb K’unftßanblung ober burdb ben Unterzeichneten ju beäieben Derlog ber „3ugenb" Stüncben, Eeffingftraße 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.