Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 16 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- Seite 185 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 185 Georg Gothein, M. d. R. Das selbständige Polen als Nationalitätenstaat. Stuttgart, Deutsche Verlagsanstalt. Mk. 1.60. Der Titel der temperamentvollen, doch sachlichen Broschüre besagt, wie sich der liberale Parlamentarier das zukünftige Polen denkt. Das den Juden gewidmete Kapitel, in dem Gothein die Frage, ob die polnischen Juden eine selbständige Nation darstellen, bedingungslos bejaht, war seinerzeit im „März“ erschienen. Es wirkt etwas befremdend, daß der mit den Worten „Der Antisemitismus ist in Polen sehr stark“ beginnende Schlußpassus des in der Zeitschrift veröffentlichten Aufsatzes in der Broschüre fehlt. Aug. E. Krohn. Außerbiblische Ouellenstücke zur Mosezeit. Göttingen, Vanderhoeck & Ruprecht. 40 Pfg. Das Büchlein enthält sachkundig ausgewählte und aneinandegereihte Bruchstücke aus historischen und religionswissenschaftlichen Werken von Breasted, Steindorff, Ranke, Nowack, Kittel und anderen, die die Verhältnisse in Ägypten vor 4000 Jahren, den Aufenthalt Israels in Ägypten, und die Entstehung der jüdischen Religion behandeln. Die Lektüre des Büchleins ist, besonders jetzt, um die Pessachzeit, fesselnd und anregend. Die Psalmen. Herausgegeben von Witz-Oberlin und Loewen, Bad Nassau-Lahn, 1917. Eine höchst merkwürdige Psalmenausgabe! Die Herausgeber erklären nämlich in der Vorrede, daß es dem Empfinden der heutigen Christen widerstrebe, „die alten Zornausbrüche und Fluchergüsse“ der Psalmen zu wiederholen. In diesem Sinne sind sämtliche Psalmen zusammengestrichen. Wir halten eine solche Behandlung des Psalters, von jedem religiösen und auch vom literarischen Standpunkte aus, für eine Blasphemie, zumindest für eine arge Geschmacklosigkeit. Moses Rath. Sfas Amenu, Lehrbuch der hebräischen Sprache für Schul- und Selbstunterricht. Zweite Auflage. Wien 1917. Selbstverlag. Mark 5.—. Die erste Auflage dieses unübertrefflichen Lehrbuches ist an dieser Stelle bereits besprochen worden. Daß dieses Werk in verhältnismäßig kurzer Zeit in zweiter Auflage erscheint, ist sowohl ein erfreuliches Zeichen für das für die hebräische Sprache bestehende Interesse, als auch ein Beweis für die Vorzüge des Buches. Die zweite Auflage ist erheblich vermehrt und, soweit es überhaupt denkbar war, verbessert. Im hebräischen Lesebuch wurden die aus zusammenhanglosen Sätzen bestehenden Übungen durch kurze Erzählungen usw. ersetzt. Der Wortschatz wurde um etwa tausend Wörter bereichert, der Lernstoff um fünfzig Lektionen vermehrt. Die neu hinzugekommenen Lesestücke sind zum größten Teil aus der Bibel und aus der talmudischen Literatur mit großem Geschick ausgewählt. Ein beträchtlicher Teil des Lehrstoffes äst in Kurrentschrift gesetzt, wozu eine neue wunderschöne Type verwendet wurde. Der Lernende wird auch an das Lesen der Raschischrift und an das Lesen ohne Vokalzeichen gewöhnt. Typographisch ist das Werk übrigens ein wahres Kunstwerk. Wir hoffen, daß der zweiten Auflage eben so bald eine dritte folgen wird, wie die zweite der ersten gefolgt ist. „Die göttliche Sendung“ heißt die im Verlag Englert & Schlosser in Frankfurt a. M. erschienene, ausgezeichnet gedruckte Predigt des Feldrabbiners Dr. G. Salzbergers. Der formvollendeten Ansprache ist der Vers: „Denn um euch am Leben zu erhalten, hat Gott mich vor euch hergesandt“ (I. Mos. 45, 5) zugrunde gelegt. Der Reinertrag der nur 20 Pfg. kostenden Broschüre ist für die Stiftung zugunsten der Hinterbliebenen gefallener jüdischer Krieger bestimmt. Neue Jüdische Monatshefte. Heft 13 (das erste des neuen Jahrgangs), ist soeben erschienen und hat folgenden Inhalt: Franz Oppenheimer, Nationale Autonomie für die Ostjuden. Leopold v. Wiese, Deutschtum und Judentum (ein außerordentlich bemerkenswerter Aufsatz!). Z. Schabad, Sterblichkeit der Juden in Wilna. Z. F. Finkeistein, S. Frug. Hermann Cohen, Der Jude in der christlichen Kultur (III.). Adolf Friedemann, Die „Polnischen Blätter“ und die Judenfrage. Umschau. Literaturblatt. Jüdische Feiertagsbücher. Der „Jüdische Buch- und Kunstverlag“ in Wien gibt am 1. Mai 1. J. ein literarisch-wissenschaftliches Sammelbuch unter dem Titel: „Jomtov-Bücher“, als Schweuos-Ausgabe heraus. Das Schewousbuch wird enthalten Beitrage von Dr. N. Birnbaum, Dr. M. Gajer, Dr. J. Fränkel, D. Silberbusch, Jak. Mestler, P. Witkower, A. Z. Grünberg, A. Weinstock, L. Schußheim, A. König, I. Lövit, B. Jehudiän, Sternheim, J. Holder u. andere. Preis 2 Kr. bei Voreinsendung des Betrages. Bestellungen sind zu richten an Redakteur M. Hickl, Wien 8, Lerchengasse Z 6. Ein Vortrag über die Kabbala. Von E. K. Am 16. April fand in der Orientalischen Gesellschaft zu München ein Vortrag von Dr. Robert Eisler über die „Kabbala“ statt. Dieser Vortrag, der einem zur Zeit größeren Interesse für mystische Probleme entsprungen sein mag, verdient wegen seiner besonderen Kenntnis der Geschichte und der Probleme jüdischer Mystik das Interesse unserer Leser. Während der Neoplatonismus und der Hermetismus als wissenschaftlich gut erforscht gelten darf, ist in dieser Beziehung die Klärung des kabbalistischen Materials höchst unzulänglich. Die größte Sammlung kabbalistischer Handschriften besitzt München mit 1000 Exemplaren, die von Steinschneider katalogisiert wurden. Die zweitgrößte Sammlung Oppenheimer wurde nach Oxford verkauft. Der Lukrez im Vatikan, Johann Alb. Widtmannstadt (1555), nachmaliger bayerischer Kanzler und Verfasser der ersten ungarischen und 'türkischen Grammatik, bekundete ein besonderes Interesse für die Münchener Handschriften. Zahlreiche von ihm gemachte Randbemerkungen deuten darauf hin. Neuerdings wird eine J. A. Wfdtmannstadt-Gesellschaft zur Erforschung dieser Handschriften von Meyrink gegründet. Der Frankfurter Forscher Molitor benutzte diese Handschriften zu seinen kabbalistischen Studien. Unter Kabbala wird gemeinhin die Geheimlehre der Juden verstanden. Doch ist die Kabbala in dem Sinne keine Geheimlehre, daß irgend etwas aus ethischen oder religiösen Gründen zu verheimlichen gewesen wäre. Auch auf das vielbesprochene Blutritual findet sich hier kein Hinweis. In das 10. bis 13. Jahrhundert fällt die Blütezeit der Kabbala. Sie wurde nie geheim gehalten; jeder konnte, wenn er wollte, darüber belehrt werden. (Das Buch Sohar wurde 1912 ins Französische übersetzt) Die Kabbala ist seit dem 13. Jahrhundert eine werbende Lehre.