Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 16 (20.4.1917)
- Date
- 1917-04-20
- Page
- Seite 183 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 Das Jüdische Echo 183 jüdischen Gemeinde, Professor Dr. James Israel, ist von seiner Stellung: zurückgetreten; im übrigen behält Professor Israel die Leitung seiner Privatklinik weiter und wird sich sonst seiner praktischen Tätigkeit und wissenschaftlichen Arbeiten widmen. Israel, der 1848 in Berlin geboren ist, ist ein Schüler Langenbecks, als dessen Nachfolger er 1880 Leiter der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde wurde. Seine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten umfassen fast alle Zweige der Chirurgie, insbesondere hat er die'Nierenchirurgie in hervorragender Weise gefördert; zum Teil hat er neue Operationsverfahren angegben. Israel ist u. a. der Entdecker der Strahlenpilzerkrankung der Menschen. Über seine Nachfolge wird erst nach dem Kriege entschieden werden; zum interimistischen Leiter der chirurgischen Abteilung ist Professor Dr. Karewski ernannt. Für die deutsch - holländische Palästina-Hilfe wurde während der Pessachtage in der Münchener orthodoxen Synagoge Ohel-Jakob eine sehr namhafte Summe gesammelt. Die neue Augsburger Synagoge wurde vorige Woche von S. M. König Ludwig III. besucht und eingehend besichtigt. Dr. M. H. Friedländer, der weitbekannte und geschätzte Rabbiner und Schriftsteller, ist am 20. März im Alter von 80 Jahren in Wien gestorben. Der Verblichene hat mehr als 30 Jahre in den Gemeinden Jägerndorf, Kanitz, Goltsch-Jenikau und Pisek als Rabbiner und Prediger gewirkt. Seine zahlreichen Werke haben ihm einen Ehrenplatz in der jüdischen Literatur gesichert. Erwähnt seien: „Jüdische Geschichtsbilder“, „Tiferet Jsroel“, „Die Arbeit“ und „Populär-wissenschaftliche Vorträge“. Über die Stellung der Orthodoxen und Zionisten zueinander schreibt die Warschauer „Hazefirah“: Neue Organisationen tauchen in letzter Zeit unter den polnischen Juden auf. Vorläufig sind deutlich erkennbar der große „Verband der Orthodoxen“ und die kleine „Volkspartei“. Beide nehmen eine Kampfstellung gegen die zionistische Organisation ein. Wer die zionistische Tätigkeit kennt, weiß, daß sie mit den Bestrebungen der Orthodoxen und der Volkisten nichts zu tun hat. Der Zionismus erstrebt eine gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und um dieses Ziel zu erreichen, bemüht er sich, die Anerkennung der Juden als eigene Nation durchzusetzen. Der Zionismus kämpft nicht für die Judenrechte in den Ländern der Zerstreuung, sondern für das Recht der Juden auf ein eigenes Land, und steht daher im Kampfe gegen alle Gegner des jüdischen Nationalismus, die den Juden den Charakter einer eigenen Nationalität absprechen. Da der Verband der Orthodoxen sich lediglich religiöse Aufgaben stellt und der Volkismus hauptsächlich für die Existenz des Jidischismus eintritt, bedeuten beide keine Konkurrenz für den Zionismus und ihr Kampf gegen die zionistische Organisation entbehrt der realen Gründe. Ein Zusammenstoß zwischen dem orthodoxen Verband und der Volkspartei einerseits und den Zionisten andererseits, wird immer dann stattfinden, wenn die Orthodoxen behaupten, daß die Juden keine Nation sind und wenn die Volkspartei dein Nationalismus der Juden einzig und allein in der jidischen Sprache verkörpert sehen will. Der Gerer Rebbe als Abonnentenwerber für das von der Agudas Hoorthodoxim herausgegebene „Jüdische Wort“. Der chassidische Rebbe von Gora-Kalvaria, dessen Autorität bekanntlich sehr groß ist, hat folgenden Aufruf erlassen: „Schon lange habe ich mich bemüht, daß eine Zeitung gegründet werde, die den jüdischen Geist trägt und nichts Freisinniges und nichts Anstößiges enthält. Viele von euch haben in meinem Hause Tränen wie Wasser vergossen, daß ihre Söhne und Töchter sich gänzlich von ihnen trennen und mit einem fremden Volke sympathisieren infolge der Lektüre schädlicher Bücher und Zeitschriften. Und da jetzt eine Zeitung namens „Das jüdische Wort“ erschienen ist, deren Herausgeber ein frommer orthodoxer Jude ist, bitte ich, diese Zeitung nach bester Möglichkeit zu unterstützen, sie zu abonnieren, an ihrer Verbreitung unter euren Bekannten mitzuhelfen und ihr Berichte und Inserate zu verschaffen, damit die Zeitung nicht gezwungen ist, Inserate von Theatern aufzunehmen, die auch gegen den jüdischen Geist sind. Mit der sich vergrößernden Verbreitung wird die Zeitung die Möglichkeit haben, sich zu vervollkommnen und ein echt jüdisches Organ zu werden, das unsere orthodoxen Juden verteidigt und ihre Interessen schützt. Ich bitte darum von Herzen, daß ihr dies nicht vernachlässigt, da ihr mit einigen Kopeken täglich zur Verwirklichung einer Tat mithelfen werdet, die zum Wohle der Massen führt. Ich verlange besonders von allen mit uns Übereinstimmenden, denen mein Versuch teuer ist. mir Namen und Wohnort derjenigen mitzuteilen, die die Zeitung abonnieren oder auf der Straße kaufen. Ich mache dabei zwei Bemerkungen: 1. Man soll nicht glauben, daß das Lesen einer Zeitung meiner Ansicht nach eine Pflicht ist. Wenn ein Jude keine Zeitung liest und sich nur mit der Thora beschäftigt, ist es sehr ~ut und angenehm. Aber das ist eine Seltenheit; mein Wunsch ist daher der, daß solche Juden, die eine fremde Zeitung lesen, weil in ihr vielleicht mehr Berichte sind als in dieser Zeitung, sich lieber, um das Gesetz der heiligen Thora zu hüten, mit weniger begnügen sollten, zumal sie, wenn diese Zeitung sich weiter entwickelt, in ihr alle Berichte wie in den anderen Zeitungen haben werden. 2. Man soll nicht glauben, daß ich durch diese Agitation die Stellungnahme des Herausgebers in der allgemeinen diplomatischen Politik gutheiße. Ich mache darauf aufmerksam, daß ich mich für keinerlei Politik interessiere. Die Hauptsache ist, daß in dieser Zeitung nichts Anstößiges ist, und daß der Herausgeber versichert hat. falls bisher schon etwas Unerwünschtes darin war, daß dies in der Zukunft gebessert werde und daß er den Wünschen der Orthodoxen Gehorsam entgegenbringen werde. Was die Politik betrifft — das ist nicht unsere Sache. Abraham Mordochai Alter.“ Über das Jidische Theater ln Wilna schreibt Walter Blaem in der „Woche“: Für mich war es tief beschämend, mir gestehen zu müssen, daß im Vergleich zu den Leistungen des Wilnaer „deutschen“ die des „jidischen“ Theaters einen geradezu unvergleichlich höheren Kulturstandpunkt verkörperten. Ich konnte zu der Vorstellung dieser jetzt im ehemaligen russischen Stadttheater angesiedelten Schauspielertruppe erst in der Mitte des zweiten Aktes eintreffen, ohne daß ich mir vorher einen Theaterzettel beschaffen oder mich auch nur nach dem Namen des gespielten Stückes erkundigen konnte.