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Das jüdische Echo · 1917-04-20 · 16 (20.4.1917) · p. Seite 179

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
16 (20.4.1917)
Date
1917-04-20
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Das Jüdische Echo SS TW ■ ’Mi g?a» i' W' *;<*£• ■: ■';*** d ■ s&- ■ >s#$rZ -~W Blick mit seltsamer Gewalt an und verleihen dem ganzen Raum eine ganz besondere Weihe. Zu erwähnen sind noch die ganz einfach gehaltenen Bänke und Betpulte aus grauem unpoliertem Holz, in das die Nummern unauffällig eingeschnitten sind. Das Grau dieser den ganzen Betraum füllenden Bänke läßt die übrigen Farben noch stäncer hervortreten. Die Plätze in der Männeruna auch in der Frauenabteilung sind so geschickt .angeordnet, daß man von jedem Platze aus die Ostwand und die sich vor derselben abspielenden heiligen Handlungen ganz bequem und von den Hüten der auf den vorderen Plätzen Sitzenden unbehindert überblicken kann. Nun wollen wir aber den Architekten selbst das Wort geben, die in einer Denkschrift über die ihrem Werke zu Grunde liegenden Prinzipien folgendes sagen: „Das Wesen unseres Raumes ist begründet in dem Diieikiang F o(r m - F a r b e - L i c h t. Den Begriff Form beziehen wir nicht auf die Einzelheit, sondern auf das Gesamtverhältnis der Baumassen und Flächen zu einander; und ähnlich ist unter „Farbe“ nicht nur Malerei und farbige Fassung zu verstehen, sondern der umfassendere Begriff der Farben- und Tonwerte von Flächen und verwendetem Material. In besonders weitgehendem Maße haben wir den der Farbe innewohnenden Stimmungswert zur Geltung gebracht, gerade das möge als eine Eigenart unseres feierlichen Raumes gewertet werden. Die besondere Anregung dazu gab uns die den östlichen Rassen von je eigentümliche Liebe für Farbe. Wir nützten diesen Umstand, den Charakter des semitischen Kultraumes typisch zu gestalten; nicht in vorlauter Buntheit, sondern in einer vornehm zurückhaltenden Weise... Kein grelles Licht durfte die durch die Mittel der Kunst erreichte Feierlichkeit stören. Die Menge kleiner Scheiben, von zierlichen Mustern überzogen, lassen das Tageslicht nur zerstreut hereindringen, gedämpft bis zu jenem Grad von Helligkeit, den die Raumbenützung erfordert. Das „Licht“, den Juden ein bedeutungsvolles Symbol, strahlt des Abends vom Sternenkranz der Kuppel; metallene Kugeln hängen von dem Scheitel der Gewölbe hernieder, umglänzt von Licht“. Eine Menge hier nicht erwähnter, liebevoll erdachter und schön ausgeführter Details zieht den Blick an allen Ecken und Enden des Tempels an. Wir verlassen aber den Betraum und treten wieder in den Vorhof. Eine de.m Eingänge zur gedeckten Vorhalle gegenüber liegende Tür führt uns in den Trausaal und die mit diesem zusammenhängende Wochentagssynagoge. Der Trausaal mit seiner in dunkeim Mahagoni ausgeführten Täfelung ist ein wahres Schmuckkästchen. Ein Ornament aus verschlungenen Trauringen schmückt die Decke, hübsche Malereien — darunter eine ungemein graziös stilisierte Darstellung einer Chuppe — die Wände. Die Möbel von behaglicher Form sind mit blauem Samt gepolstert. Auch hier ist Jedes Detail mit unendlicher Liebe und wahrer Vertiefung in das Wesen des jüdischen Ritus ausgeführt. Die Architekten Landauer und Lömpel haben ein Bauwerk geschaffen, das unter den neueren Synagogenbauten ganz einzig dasteht. Augsburg ist um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden, und die Augsburger jüdische Gemeinde hat allen Grund, auf den Besitz dieses Kleinods stolz zu sein. Das Recht au! die jüdische Sprache. Zu denen, die der neuen Regierung des Königreiches Polen Vorschläge zu einer Regelung der Nationalitätenfrage machen, hat sich kürzlich auch der Reichstagsabgeordnete Freiherr v. Rechenberg gesellt, der im „Berliner Tageblatt“ einen Aufsatz mit der Überschrift „Die Minoritäten in Polen“ veröffentlichte. Sein Vorschlag ist nicht neu, sondern entspricht etwa dem in Österreich von dem Politiker Karl Renner vertretenen Standpunkt: Ukrainer, Litauer, Deutsche, also „die an Kopfzahl erheblichen und einigermaßen geschlossen wohnenden Volksstämme“ in Polen erhalten das Recht, den Schulunterricht in ihrer Muttersprache zu erteilen; die ^Einrichtung und Erhaltung dieser Schulen wird dadurch gesichert, daß die Personen, tvelehe

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