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Das jüdische Echo · 1917-04-13 · 15 (13.4.1917) · p. Seite 171

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
15 (13.4.1917)
Date
1917-04-13
Page
Seite 171 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 15 Das Jüdische Echo 171 Einweihung der neuen Synagoge in Äugsburg. Ein blauer Frühlingshimmel strahlte über der altehrwürdigen Stadt, als am Vormittag des 4. April die festlich gekleidete Menge der Gemeindemitglieder und Ehrengäste zu der neuen Synagoge in der Haiderstraße zusammenströmte. Schon draußen auf der Straße herrschte eine echte Festtagsstimmung. Durch den malerischen Vorhof zogen die Gäste in den kleinen Nebensaal ein, in dem in Zukunft die Trauungen stattfinden sollen. In der Festversammlung sahen wir die Spitzen der Zivih und Militärbehörden, die Vertreter der Stadt Augsburg mit dem Oberbürgermeister v. Wolfram an der Spitze, mehrere Vertreter der katholischen und protestantischen Geistlichkeit (ein schönes Symbol des in Augsburg bestehenden konfessionellen Friedens!), und einige Vertreter auswärtiger Gemeinden, so Rabbiner Prof. Dr.Werner aus München und Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a 1 aus Nürnberg, die von mehreren hervorragenden Gemeindemitgliedern begleitet waren. Ein reizendes kleines Mädchen, das Töchterchen des Synagogenkommissars, Herrn Dann, sagte einige hübsche Verse auf und übergab den Schlüssel der Synagoge (ein reich ziseliertes Kunstwerk) den beiden Architekten, Ingenieur Landauer und Dr. L ö m p e 1. Mit sichtbarer Rührung nahmen nun die beiden Schöpfer des neuen Baues in kurzen Ansprachen Abschied vonihremWerk und gaben den Schlüssel dem Vorstand der Kultusgemeinde. Justizrat Bauer weiter. Dieser hielt eine längere Rede, in der er die Entstehungsgeschichte des Baues streifte und auf den in Augsburg herrschenden Frieden zwischen den Konfessionen hinwies und übergab den Schlüssel dem Oberbürgermeister, womit er das neue Bauwerk unter den Schutz der Stadt Augsburg stellte. Der Oberbürgermeister übernahm nun die Synagoge unter die Obhut der Stadtgemeinde und gab den Schlüssel dem Bezirksrabbiner Dr. G r ü n f e 1 d in dauernde Verwahrung. Hiermit war die Zeremonie der Schlüsselübergabe abgeschlossen. Der Oberbürgermeister verteilte an die Personen, die sich um den Bau verdient gemacht haben, die ihnen vom König verliehenen Ordensauszeichnungen, und die ganze Festversammlung begab sich durch den Vorhof in die eigentliche Synagoge, deren sämtliche Plätze von der Gemeinde besetzt waren und wo in diesem Augenblick Orgel und Chor einen Gluckschen Choral intonierten. Nun begann die Einweihung des Gotteshauses. Zunächst entzündete Rabbiner Dr. Grünfeld das (leider elektrische) Ner Tomid. Dann begaben sich die anwesenden Rabbiner und einige Vertreter der Gemeinde in einen Nebenraum, von wo sie mit den in königlichem Schmuck prangenden Thorarollen zurückkehrten. Während Chor mit Orgelbegleitung das „Hodu ladonoj‘ sang, wurden die Thorarollen mehrere Male durch den ganzen Tempel getragen und schließlich in dem Oren- Kaudesch eingestellt. Nach dem Vortrage des 95. Psalms von Mendelsohn durch zwei Frauenstimmen, hielt Rabbiner Dr. Grünfeld die Fest-Predigt, der die ganze Versammlung mit sichtbarer Andacht folgte. Nun kam der Priestersegen, der vom Chor und dem Kantor meisterhaft vorgetragene Weihegesang von Lewandowski und das Gebet für König und Vaterland. Mit dem Schlußgesang (Psalm 150) fand die schöne Feier, die unter anderm zeigte, wie vollkommen der neue Bau seiner eigentlichen Bestimmung angepaßt ist und wie feierlich in ihm Gesang, Predigt und die Lichter wirken, ihren Abschluß. Einen Aufsatz über die architektonische Schönheit der neuen Synagoge (mit Abbildungen) bringen wir in der nächsten Nummer des „J. E.“ Ein deutscher Oberst über den Palästinatag der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Frankfurt a. M., 27. III. 1917. Die „Deutsch - Holländische Palästina - Verwaltung“ hat vom Freiherrn v. Kreß, Oberst und Kommandeur des 1. Expeditionskorps in Jerusalem, der zugleich als Vorsitzender der Deutschen Getreidekommission einen besonders guten Einblick in die Verhältnisse hat, folgende bemerkenswerte Zuschrift erhalten: „Jerusalem, 22. Februar 1917. An die Deutsch-Holländische Palästina-Verwaltung, Frankfurt a. M. Die mir überreichten Rechenschaftsberichte habe ich mit Interesse gelesen. In der Notlage, in welcher die arme jüdische Bevölkerung sich hier befindet, hat die „Deutsch-Holländische Palästina- Verwaltung“, die auch heute in der Palästinahilfe einen ersten Rang einnimmt, eine segensreiche Hilfstätigkeit entfaltet. Die Notküchen, die allwöchentlichen Brot- und Mehl-Verteilungen, die Unterstützung der Waisenhäuser, Greisenheime, Spitäler und Schulen, die Speisung der armen Zöglinge von fast allen städtischen jüdischen Schulen, die Subventionen für unbemittelte jüdische Handwerker, die Unterstützungen für die Krieger-Familien, die Verpflegung verwundeter Soldaten in den Hospitälern, die zahlreichen Notgehälter für verarmte Familienhäupter, haben viele Tausende von verkümmerten, sonst dem Untergang verfallenen Menschenleben vor dem Dahinsiechen gerettet. Die ununterbrochene Wirksamkeit dieses großzügigen Hilfswerkes ist eine Liebestat von unschätzbarer Tragweite. Angesichts der Notlage ist es dringlich geboten, daß die Hilfsbereitschaft der deutschen Judenheit, die sich so glänzend bewährt hat, auch den erhöhten Anforderungen Rechnung trage. Den menschenfreundlichen Bestrebungen der geschätzten Organisation wünsche ich wärmstens besten Erfolg. Möge auch der dritte Palästinatag der deutschen Judenheit die Grundlage für diese warmherzige Liebestätigkeit dauernd befestigen. gez.: Frhr. von Kreß, Oberst u. Kommandeur des I. Expeditions-Korps.“ Es darf wohl erhofft werden, daß diese Wünsche in Erfüllung gehen und der dritte Palästinatag der jüdischen Gemeinden Deutschlands zu einem vollen Siege werktätiger Menschenliebe wird. literarisches Echo „Der Jude“. Soeben erscheint das 12. Heft, das den ersten Jahrgang dieser hervorragenden Zeitschrift beschließt1. Inhalt: Amitaj, Zur polnischen Judenfrage. Buber, Kulturarbeit (vgl. „J. E.“ Nr. 12). G o r d o n, Brief aus Palästina. Müller, Solowjeff über das Judentum. Nötzel, Vom Moskauer Juden. Scho lern, Jüdische Jugendbewegung. Klatzkin, Grund-

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