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Das jüdische Echo · 1917-04-13 · 15 (13.4.1917) · p. Seite 170

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
4 (1917)
Issue
15 (13.4.1917)
Date
1917-04-13
Page
Seite 170 (sequence 6)
Language
German
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170 Das Jüdische Echo Nr. 15 Seine Ausführungen zeigen, wie wenig selbst die hervorragendsten politischen Persönlichkeiten mit dem Wesen und den Zielen des Zionismus vertraut sind und welche schwierige Aufgabe der zionistischen Organisation harrt, wenn sie eine ihren Bestrebungen wohlwollende Atmosphäre in den politischen Kreisen der holländischen Residenz schaffen will. Zu der gründlichsten Informierung der holländischen Presse, welche das im Haag begründet „Jüdische Korrespondenzbureau“ in verdienstvoller und erfolgreicher Weise vornimmt, werden umfassende publizistische Maßnahmen treten müssen, um die schwersten Vorelgenommenheiten und Vorurteile gegen den Zionismus aus dem Wege zu schaffen. „In Holland,“ begann van Houten, „gibt es keine Judenfrage. Die Juden genießen hier volle Rechtsgleichheit und dieselbe Freiheit wie die Angehörigen jeder anderen Konfession. Die Protestanten und Katholiken halten sich in unserm Lande die Wage. Keine intolerante Kirchengenossen-! schaft hat hier eine Majorität. Die erbitterten Religionskämpfe, die in unserm Lande getobt haben, hat seit 1795 ein Zustand gegenseitiger Toleranz abgelöst. Duldsamkeit gegenüber jeder religiösen und geistigen Richtung ist heute das herrschende Prinzip in Holland. Mehrere Hunderttausende gehören zu keiner Kirche. Niemand, selbst unser Dr. Küpper und seine Anhänger nicht, würden es wagen, die Freiheit der Äußerung oder Entfaltung irgend einer Konfession in Frage zu stellen oder irgend eine Gruppe einer Sonderstellung unterwerfen zu wollen. Selbst wenn unsere Klerikalen noch immer solche Gedanken in ihrem Busen hegen sollten, würden sie sich wohlweislich hüten, sie auszusprechen. Jeder Jude, der unser Land betritt, wird sofort empfinden, daß man ihm ohne Gehässigkeit entgegentritt und kein Mensch wird den Versuch machen, ihn wegen seiner Konfession oder Abstammung in verletzender Weise zu behandeln. Für jeden ist in dieser Hinsicht seine persönliche Bildung entscheidend. Ich erinnere mich aus meiner Rechtspraxis eines in dieser Hinsicht nicht uninteressanten Falles. Allerdings liegt er lange zurück. Es handelte sich um einen jüdischen Klienten, der sich von seiner Frau, die in Deutschland geblieben war, scheiden lassen wollte. Auf meine Frage, warum er denn nicht nach Deutschland zurückkehre und dort seine Sache in Ordnung bringe, gab er die bezeichnende Antwort: „Dieser Gedanke ist mir mehr als wider- &.. I kennen 6ie bic „3ugettb" bicroeitocrbreitcte 3JIün<f)ener illuftrierte SBodjeitfdjrifi? SBeitn ntd)t, bann oerlongen 6te koftenfrei eine ^robenummer ober für 50 Pfennig einen ^robebanb, bamit Sie fid) augenfäeinlid) oon bem reidjen Snfjalt biefer 3Bod)enfd)rift für Äunft u. #umor flberjeugen. $eeresangef)örigen können Sie keine größere 3reube bereiten, als iljnen für 3Rfc. 5.20 ein breimonatl. ^elbpoft^bonnemcnt eintoeifen au taffen, benn bie „Sugenb" ift anerkanntermaßen bas beliebtefte unb oer* breitetfte buntiüuftrierte Statt im Selbe. Sei ffiinfenbung biefes Setrages nebft genauer Selbabreffe beforgt auch ber Serlag bie Sin* roeifung beim Selbpoftamt. Sejugspreis burd) Sucßfjanbl. ober Softanftatt 9Jtk. 4.60. Verlag ber „3u9«tb", 3Rttttcf)cn, ßefffttgflr. 1 m .M wärtig. Ich gehe nicht in ein Land zurück, wo ich vor dem Cafe oder Gasthof überlegen muß, ob da Juden hineindürfen. Ich gehe aus dieser freien holländischen Umgebung nicht wieder fort.“ Ben Mose Zwi: „Wie verhalten Sie sich zu den Bestrebungen des Zionismus, dem jüdischen Volke eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen und den Bemühungen, die Judenfrage auf der Friedenskonferenz aufzurollen?“ S. van Houten: „Wir Holländer sind keine engherzigen Nationalisten. Wir neigen in sehr starkem Maße kosmopolitischen Gedankengängen zu. Eine holländische Judenfrage gibt es nicht und es entzieht sich meiner Beurteilung, ob und in welchem Maße die Judenfrage zum Gegenstand einer internationalen Behandlung auf einer Friedenskonferenz gemacht werden müßte. Diese Frage erfordert besondere Studien. Sie hängt zu sehr mit der geschichtlichen Entwicklung, den Verhältnissen und Bedingungen in anderen Ländern zusammen, als daß ich, als Außenstehender, mir das Recht eines Urteils nehmen dürfte. Für uns Holländer ist es zu einer banalen Selbstverständlichkeit geworden, den Grundsatz der Gleichheit gegenüber den Angehörigen jedes Glaubens und Volkes zur Anwendung zu bringen. Es ist Sache der Juden, zu entscheiden, ob sie dem Volker-Kongreß, der nach dem Kriege zusammentreten wird, die Frage ihrer nationalen Zukunft und der Aufhebung der noch in manchen Ländern gegen sie bestehenden Beschränkungen vorlegen sollen. Ich will auch nicht die Frage ansch^iden, ob die Juden das Recht haben, sich als eine ethnische Einheit anzusehen und in Palästina wieder einen eig^-'-- Staat zu stiften, welcher dann mutmaßlich ein streng konfessioneller und demnach sehr illiberaler sein würde. Es mag sein, daß die ethnische Sonderart speziell bei den Ostjuden besonders scharf ausgeprägt ist und sich dem Beobachter weit stärker aufdrängt als bei den mehr oder weniger in die Nationalität ihres Landes aufgegangenen Juden des Westens wie etwa Hollands. Ich glaube, die Masse unserer Juden würde sich in ^;nem konfessionellen jüdischen Staate nicht heimisch fühlen. Merkwürdigerweise ist in den letzten Jahrzehnten keine Einwanderung von Ostjuden in nennenswertem Maße in unser Land erfolgt. Nur der Krieg hat uns ein größeres Kontingent ins Land gebbracht. Ich denke da vor allem an die vielen jüdischen Diamknteure aus Antwerpen, die zu Beginn des Kriegs aus Belgien flüchteten und in Holland eine Zufluchtstätte fanden, wo sie nun ungestört ihre berufliche Tätigkeit fortsetzen.“ Ben Mose Zwi: „Nach dem Kriege dürfte eine größere Auswanderung von Juden aus den östlichen Ländern stattfinden. Glauben Sie, daß Holland zur Aufnahme größerer Massen fähig und bereit wäre?“ S. van Houten: „Holland gehört zu den dichtbevölkertsten Ländern Europas. Für eine Einwanderung mit Massencharakter hat es — das leidet keinen Zweifel — nicht Raum. Die Einwanderung von ganz mittellosen Menschen mit vielleicht noch sehr niedrigem Kulturniveau in größer^ Anzahl dürfte daher kaum gern gesehen werden. Wenn Holland sich dann entschließen würde, gesetzliche Bestimmungen gegen diese Masseneinwanderung zu treffen, dann würden diese Maßregeln keineswegs eine judenfeindliche Tendenz haben. Sie hätten sie ebensowenig, wie etwa die Einwanderungsbeschränkungen, die Amerika einführte. Die Frage steht aber gar nicht auf der Tagesordnung. Dafür war noch keine Veranlassung.“

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