Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 15 (13.4.1917)
- Date
- 1917-04-13
- Page
- Seite 166 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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166 Das Jüdische Echo Nr. 15 Triumphgesang am Schilfmeer. Von Hugo Zuckermann.*) (2. Buch Mosis, Kap. 15.) Damals sangen die Kinder Israels dies Lied dem Herrn und sprachen: „Groß ist Gott und hocherhaben, Roß und Reiter stürzt er ins Meer; Mein Sang und Saitenspiel ist er Der in den Wogen sie begraben. Er ist mein Arm, er ist mein Schwert, Er brach der Knechtschaft Joch entzwei. Er ist ein Krieger wohlbewährt. Ein starker Gott ist Adonai. Die Wagen Pharo’s rasseln an. Mit Eisentritten stampft das Heer, Die Wogen schluckten Roß und Mann Und Mann und Roß verschlang das Meer. (Die See hat sie hinabgespült, Sie sanken bleischwer auf den Grund, Er hat die Wasser aufgewühlt. Er spaltete des Meeres Schlund. ) Er hat die Rechte ausgestreckt, Die Rechte droht vom Himmel schwer. Den Sturm der Wüste aufgeweckt Und aufgepeitscht das träge Meer. Die rechte Hand, die Wunder tut, Sie schlug den Feind, der uns bedrängt. So wie des Sommers Mittagsglut Die dürre Frucht des Feldes sengt. (Es bließ der Sturm im dumpfen Groll, Hoch türmen sich die Wogen auf, Daß himmelan die Brandung schwoll Und zischend wallt die Flut hinauf.) Wohl dacht’ der Feind in unserm Blut Zu rächen seiner Kinder Tod, Schon hat die Hand am Schwert geruht, Die mit der Peitsche uns bedroht. Da bliesest du mit lautem Hall Und bliesest wie der Wind in Spreu; Hoch schäumte auf der Wogen Schwall Und alle sanken tief wie Blei. Wer ist dem Herrn an Allmacht gleich — Ein nimmerleerer Gnadenborn —, Wer ist, wie er, so gnadenreich Und doch so fürchterlich im Zorn? Wenn er die rechte Hand erhebt. So tobt das Meer in Ungewittern. Mo<ab wird feig und Edom bebt Und der Philister Völker zittern. *) Mit Erlaubnis des Verlags R. Löwit, Wien- Berlin, Hugo Zuckermanns „Gedichten“ entnommen. LUDWIG MURR Damenfriseur SPEZIRL- DRMEN -SRLON NÜR FÜR DRMEN Residenzstrasse 17/1 SALON FÜR DRMEN UND HERREN Parkhotel Majcimiliansplatz 21 SPEZIRLIl flTi KDnstlerisch ausgefDhrte ERSRTZ* FRISUREN, dem natürlichen Haaransatz voll u. ganz angepaßt Jedoch das Volk vom alten Bund Hat er geführt durch seine Gnade Das Meer gespalten in den Grund Und ausgetrocknet seine Pfade. Die Völker schlag’ mit starker Hand, Laß sie erstarren wie den Stein, Uns führe ins verheißne Land, In deines Tempels Tore ein. Pflanz’ uns an deinen Weinberg an Und mach uns reich an Most und Korn Ein Wunder hast du uns getan Und Pharao erschlug dein Zorn. Mit Mann und Roß und Kriegsgerät Hat sie die Flut hinabgeschwemmt. Kein Segel hat der Wind gebläht. Als du die Wasser aufgedämmt. Ans Ufer schäumt der Wogen Guß Und starrt zur Mauer festgebannt, Doch Juda zog mit trock’nem Fuß Der Sonne zu ins freie Land! iJnitßt nidtt Irkgssnlrilic?u jridjtien! Die Judenemanzipation in Rußland und der Zionismus. Das „Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation“ veröffentlicht folgendes Communique an alle Zionisten: Gesinnungsgenossen! Ein Ereignis von unermeßlicher historischer Tragweite hat sich vollzogen; ein neues Kapitel in der Geschichte der Menschheit hat begonnen. Ein Volk von 170 Millionen ist frei geworden und nimmt mit Entschiedenheit seinen Platz unter den politisch fortgeschrittensten Völkern der Erde ein. Die ganze Menschheit feiert den gewaltigen Fortschritt auf dem Wege zu Gesittung, Frieden und Verbrüderung. Für Millionen von Juden sind feste Grundlagen geschaffen zu einem würdigen Dasein, zur Errettung aus namenlosem materiellen Elend, zu politischer Freiheit und ungehinderter kultureller Entwickelung. Nicht „unsere Brüder im Osten“, — das jüdische Volk, das seine Befreiung mit Blut und Leiden erworben hat, steht an der Schwelle einer neuen Ära, und sieghafte Strahlen der neuen Morgenröte erhellen seine Zukunft. Wir vertrauen zuversichtlich, daß es der russischen Judenheit nicht einmal zugemutet sein wird, ihre Emanzipation mit dem Verzicht auf nationale Eigenart zu erkaufen. Wir wissen, daß eine solche Verzichtleistung für die russische Judenheit nie und nimmer annehmbar wäre. Daran werden auch die auflösenden Erscheinungen, die jeden Aufstieg des jüdischen Volkes in der Diaspora begleiteten, falls sie sich auch im neuen Rußland einstellen sollten, nichts ändern. Eine Nation, die sich als Nation erkannt hat, kann nicht freiwillig auf nationale Existenz verzichten. Neue ungeahnte Perspektiven eröffnen sich dem Zionismus. Neue ungeahnte Kräfte werden erstehen. Im befreiten russischen Judentum liegt eine unversiegbare Quelle des Enthusiasmus, des nationalen Empfindens und der Treue zu den über-