Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 15 (13.4.1917)
- Date
- 1917-04-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Ängelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis: Viertel). M. 1.—, Halbj. M. 2.—, Ganzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf.—Verlag des „Jüdischen Echo“ : München, Herzog Maxstr 4 — Redaktion: Helene Hanna Cohn, München, Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 40 PI. — Bei Wiederholungen Rabatt.— .... t Anzeigenannahme: Verlag des „Jüdischen Echo“, München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 53099. Postscheckkonto: München 3987. Nummer 15 München / 4. Jahrgang 13. Äpril 1917 Gleichberechtigung der Juden in Rußland. Petersburg. 8. April. Die provisorische Regierung hat am 3. April einen Ukas über die vollständige Gleichstellung der Juden in Rußland unterzeichnet. (Voss. Ztg.) Stockholm. 8. April. In Petersburg, Jekaterinoslaw und Odessa fanden zum erstenmal öffentliche, von Tausenden besuchte zionistische Versammlungen statt. Diese beschlossen, die Interimsregierung mit allen Mitteln zu unterstützen. Der Zentralhilfsausschuß berief einen Kongreß aller jüdischen Bürger Rußlands nach Petersburg ein. Laut Petersburger Telegraphenagentur verlangten die Redner auf der in Odessa abgehaltenen Versammlung, daß die Bedingung eines Ansiedelungsgebietes für die Juden in Palästina auf das Programm des künftigen Friedenskongresses gesetzt werde. (Frkf. Ztg.) Haag. 10. April. „Central News“ meldet aus Petersburg: Es fand hier eine große Versammlung der Vertreter der jüdischen Gemeinde Petersburg statt, um die Abschaffung der einschränkenden Bestimmungen für die Juden zu feiern. Es wurde beschlossen, einen Gleichheitstempel sowie ein internationales Institut zum Studium der jüdischen Probleme zu errichten. Während der Versammlung wurde über 1 Million Rubel gesammelt. (Frkf. Ztg.) Berlin, 10. April. Die „Expreß-Korrespondenz“ meldet aus Malmö: In Petersburg aus den russischen Landgemeinden eingetroffene Nachrichten lauten sehr beunruhigend. Aus den russischen Zeitungen geht hervor daß ganz offen eine gefährliche Agitation für Pogrome getrieben wird. An den Häusern werden geheime Zeichen vorgefunden, die als Kennzeichen für Gewaltmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung betrachtet werden. Weiter verlautet, daß in Mohilew eine Verschwörung gegen die neue Regierung unter Leitung früherer Militärs entdeckt worden ist. Zum Schlüsse des Freiheitsfestes. J. F. nach J e 11 i n e k. Welch herrliches Bild entrollte das Fest, das in diesen Tagen zu Ende geht, vor unseren Augen! Wir sehen im Geiste die Gestade des Nils, den klassischen Boden der Sklaverei des grauen Altertums, das Reich der unbeschränkten Tyrannei und auf diesem Boden erblicken wir Hunderttausende von Sklaven, welche die Ketten brechen und nach langem und hartem Drucke hinausziehen in das helle Sonnenlicht der Freiheit. Sie ziehen hinaus in die Freiheit — eine Freiheit, deren Wert sie nicht ahnen, in die sie sich erst einleben müssen. Und dieser Stamm, der auch in der Bedrückung nicht verdorrt ist, er grünt und gedeiht, er breitet allmählich seine Äste nach allen Seiten aus, verjüngt sich mit jedem neuen Frühling in der Geschichte der Völker, und auch unsere Generation ist seinen Wurzeln entsprossen und hat in der milden Luft einer modernen Zeit mit dem alten Geist frische Kräfte gewonnen. Welch ein herrliches Schauspiel! Auf der ganzen Erde, in allen Staaten, welche sich jetzt im Weltkriege feindlich gegenüberstehen, schauen heute Millionen unserer Stammesbrüder auf die Anfänge unseres Volkstums zurück und lassen die Geschehnisse der Jahrtausende an ihren Augen vorüberziehen! Wo gibt es noch ein Volk auf Erden, das so treu und lebendig das erste Blatt seiner Geschichte nach Jahrtausenden bewahrte und mit jedem neuen Frühling wieder dankbar die Erinnerung an die alte Zeit wach erhält! Ganz besonders der 7. Tag unseres Pessachfestes, an welchem in unseren Gotteshäusern das herrliche Siegeslied Moses’ zum Vortrag kommt, führt uns die Episode, mit der unser Freiheitszug seinen Anfang nahm, so recht vor Augen. Möchten wir stets und allenthalben des Werdegangs unseres Volkes eingedenk sein; die Losung der aus Ägypten Befreiten war „Palästina“, das Land auf dessen Boden die Größe unseres Volkes erwuchs; seine Säfte haben uns genährt, an seinem Herzen wurden wir stark. Möchten wir das Glück haben — um mit Martin Buber zu sprechen — an dem ersten Ziele unserer Wanderung, in Palästina, „dem Göttlichen zu dienen, das Göttliche zu erleben, im Göttlichen zu sein.“