Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- Seite 159 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 159 Der Rosenheimer Heldenfriedhof. „Dem gefallenen israelitischen Kaufmann Eugen Maier in Rosenheim wurde die Beisetzung: im dortigren Ehrenfriedhof verweigert.“ Zu dieser Zeitungsnotiz veröffentlicht die Münchener „Jugend“ folgendes Gedicht: Am Heldenfriedhof Rosenheims Nachts, um die zwölfte Stunde. Da macht der jüngst Begrabene Die erste Totenrunde. Es treten zum Appell heran Die braven Kampfgenossen Vom Strahl des bleichen Mondenscheins Wie Heiligenschein umflossen. Da stehn sie still in Reih und Glied, Beim Aufruf ihrer Namen. Nur einer: Eugen Maier fehlt Von allen, die da kamen. Der steht am Gitter vor dem Tor. Und als er aufgerufen. Da rüttelt er am Eisenwerk. Da springt er auf die Stufen: Umsonst; der hohe Magistrat Hat fest das Tor verriegelt. Und ob er auch mit seinem Blut Den Fahneneid besiegelt. Der Jude wird im Tod getrennt Von seinen Kameraden- O, lieber Gott, erlöse uns Von solchen Heldentaten! Lesestoff für russisch-jüdische Kriegsgefangene. Laut Erlaß des preußischen Kriegsministeriums vom 24. Februar 1917 sind folgende jüdische Zeitungen als Lesestoff für die russisch-jüdischen Kriegsgefagenen in den deutschen Gefangenenlagern zugelassen: „Jidisches Volksblatt“ Lodz, „Haint“ Warschau, „Jüdische Rundschau“, „Der Jude“, „Der Moment“ und „Die Wahrheit“ New York. Außerdem sind solche jüdische Zeitungen des neutralen Auslandes erlaubt, die der Lagerkommandant zuläßt. Zwei erfreuliche Erlasse des Warschauer Magistrats. Es wird allen Spaziergängern der Eintritt in die öffentlichen Gärten, ohne Rücksicht auf Kleider- und Barttracht, freigegeben. Es erhalten fortan jüdische Reservistenf^auen die vorgeschriebene Kriegsnnterstützung auch dann, wenn sie nur kirchlich (rabbinisch) getraut sind. In der Schulfrage wurde Antrag Farbstein und Genossen auf Errichtung einer jüdischen Unterkommission für jüdische Schulangelegenheiten abgelehnt und entgegen den heftigen Protesten des Ratsmanns Prilutzki eine permanente Schulkommission von 7 Mitgliedern beschlossen. In der Beratung über den Einlaß in die öffentlichen .Gärten läßt sich Prilutzki zu einer scharfen Äußerung hinreißen, die den polnischen Volksparteiler in helle Wut versetzt, und wird deswegen für drei Sitzungen von den Beratungen ausgeschlossen. Endlich wird entgegen den Stimmen der Nationalpolen der Antrag Berensohn im obenerwähnten Sinne angenommen. Der Antrag zur Unterstützung der nicht zivilrechtlich getrauten jüdischen Kriegerfrauen wird ohne Debatte mit großer Mehrheit angenommen. Eine Konferenz der Jüdischen Kriegshilfsorganisationen in Skandinavien tagte Ende Januar in Stockholm. Der Oberrabbiner von Stockholm, Herr Dr. Ehrenpreis, führte den Vorsitz. Zur Konferenz entsandten sämtliche jüdischen Hilfskomitees in Skandinavien Delegierte. An der Konferenz nahm eine große Zahl' von Gästen teil; auch dtie einheimischen Juden beteiligten sich und stellten ihre Mithilfe in Aussicht. Auf der Konferenz wurde die Frage einer intensiveren Hilfsarbeit erörtert. Ein großes Programm für das kommende Jahr wurde festgelegt. Auf der Tagung selbst wurden 50 000 Kronen für Hilfszwecke gezeichnet. Eine national-iüdische Mädchenliga in der Schweiz. Am 14. Februar wurde in Zürich auf Anregung der Studentenkorporation „Ivriah“ die erste national-jüdische Mädchenliga der Schweiz begründet. Die Liga richtet mehrere Arbeitssektionen ein, und jedes Mitglied ist verpflichtet, einer Sektion beizutreten. Zur Präsidentin wurde Frl. Hertha Schoenlank gewählt. Amerikanische Spekulation auf jüdische Vitalität. Der ^amerikanische Spekulationsgeist, der unermüdlich ist in der Erfindung neuer Geschäftstricks, hat auch die armen Juden Jerusalems zur Basis seiner Spekulationen gemacht. Amerikanische Lebensversicherungsgesellschaften haben durch ihre rührigen Agenten viele Juden auf der Grundlage versichert, daß sie eine Reihe von Jahren bestimmte Beiträge zahlen und dafür vom 60. Lebensjahre ab bis an ihr Lebensende von der Versicherungsgesellschaft eine den Anzahlungen entsprechende Rente erhalten und dazu noch die Beerdigungskosten. Nach diesem System sind in Jerusalem viele Juden versichert. Die Versicherungsgesellschaften glaubten, daß diese armen, schlecht genährten Leute früher sterben und sie dabei ein besonders gutes Geschäft machen. Aber sie vergaßen dabei, die merkwürdige jüdische Vitalität des Ostens in die Kalkulation zu ziehen. Nach dem Bericht des amerikanischen Konsulats in Jerusalem leben gegenwärtig in der heiligen Stadt nicht weniger als 1300 Juden, die ihre Jahresrente von den Lebensversicherungsgesellchaften beziehen, und die amerikanische Spekulation erweist sich als verfehlt. Die neue russische Regierung hat die jüdischen Rechtsanwälte Grusenberg und Winawer zu Senatsmigliedern ernannt. Die beiden Genannten zählen zu den Stützen der augenblicklich am Ruder befindlichen Kadettenpartei; aus ihrer Ernennung kann man daher wohl noch keine Schlüsse auf die Besserung der Lage der übrigen Juden ziehen. Verein Bne-Jehuda Sonntag, den 8. Äpril, punkt 81/* Uhr abends, in den Prinzensälen des Caf& Luitpold (Eingang Salvatorplatz 4) Pessach-Rbend Das Programm besteht aus musikalischen, deklamatorischen und Gesangsvorträgen. Eintrittspreis 75 Pfg. Saaleröffnung 73/4 Uhr. Gäste willkommen. Kartenverkauf auch an der Äbendkasse. 9985