Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- 14 (6.4.1917)
- Date
- 1917-04-06
- Page
- Seite 157 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 14 Das Jüdische Echo 157 Zur Hebung des jüdischen Handwerks in Polen. Anschließend an den Aufsatz von Leo Rosenberg in Heft 7 des „Juden“ über die Reform des ostjüdischen Handwerks, schreibt M. Frischlänländer im Warschauer „Moment“ ungefähr folgendes: Die Schaffung gewisser unerläßlicher Bedingungoin für die ' zukünftige Entwicklung des Handwerks in Polen bildet die wichtigste ökonomische u. zugleich nationale Forderung des Landes. Für das polnische Reich liegt die Gefahr nahe, daß durch die Verschiebung stein ner politischen Stellung zu den Nachbarländern nach dem Kriege nicht nur die Ausfuhr seiner Waren nach Rußland stark eingeschränkt, sondern daß es selbst von den westeuropäischenlndustrieerzeugnissen überschwemmt sein wirdl Da Polen für unabsehbare Zeit die frühere erste Stellung in der Groß-Industrie eingebüßt hat, muß es wenigstens darauf bedacht sein, das Handwerk und die Klein-Industrie im Lande nach Möglichkeit zu fördern. Manche vertreten die Ansicht, daß die Fabriken und der Maschinenbetrieb im Begriffe sind, das Handwerk wie überhaupt die Kleinproduktionsformen zu verdrängen. Aber abgesehen davon, daß dieser Prozeß, wo er wirklich stattfindet, ein sehr langsamer ist, belehrt uns die Statistik, daß in unzähligen Fällen das Handwerk neben der Fabrikindustrie ungeschwächt bestehen kann, ja daß diese sogar vielerorts neue selbständige Hausindustrien geschaffen und dadurch das kleine Handwerk gefördert hat, dessen Erzeugnisse in Qualität und Dauerhaftigkeit die Fabrikwaren bei weitem übertreffen. Eine der wichtigsten Bedingungen für die gedeihliche Entwicklung des Handwerks ist die Hebung des Wohlstandes im Lande. In dieser Beziehung, sind die Aussichten für d"*' polnische Gewerbe keineswegs ungünstig: der überwiegende Teil der polnischen Bevölkerung, die Bauern, sind durch die Preiserhöhung der Landprodukte in der Kriegszeit wohlhabender geworden; und da auch die Durchschnittsbildung im Lande rapide Fortschritte macht. ist mit einer Steigerung der Bedürfnisse des polnischen Volkes an Industrie- Erzeugnissen und demnach auch mit der Entwicklungsmöglichkeit des Handwerks in Polen bestimmt zu rechnen. Gleichwohl wird dem kleinen Handwerker der Kampf mit der Großfabrikation keineswegs erspart bleiben. Um diesen Kampf wirksam zu führen, brauchen die Han^erker. außer der inneren straffen Organisation, auch die finanzielle Unterstützung des Staates, durch Schaffung von Kreditanstalten für Gewerbetreibende, mustergültigen Gewerbeschulen und dergl. — Gilt das Obengesagte von der polnischen Bevölkerung im allgemeinen, so gilt es in noch höherem Maße von den polnischen Juden, in deren Wirtschaftsleben das Handwerk, in Ermangelung einer Bauernklasse, ein bedeutende Rolle spielt: bekanntlich leben mehr als 63 Prozent der Juden im Ansiedelungsrayon ausschließlich vom Handwerk. Da von uns liegen! «etomet Oie üriea&mfettte , •> > vSiVfri lif» lr< mm.